OLDENBURG Die Nachwuchsarbeit im deutschen Basketball soll weiter verbessert werden, darüber herrscht ein breiter Konsens (siehe Infokasten) – auch in Oldenburg. Allerdings drohen durch die Einführung der Pro A und Pro B in der Zweiten Bundesliga und die damit derzeitig „nur noch“ Viertklassigkeit der Regionalliga-Mannschaft des OTB immer mehr hoffnungsvolle Talente abzuwandern.

„Spieler gehen weg, weil sie wissen, dass sie sich in der Regionalliga nicht derart weiter entwickeln können, um vielleicht den Sprung in die BBL schaffen zu können“, sagt Klaus „Sammy“ Behrens, ehemaliger Bundesliga-Center des Oldenburger TB. Sein Sohn Steffen spielt als einer der wenigen im Kader der U-20-Auswahl von Bundestrainer Emir Mutapcic im Ligabetrieb in einem Regionalliga-Team. Fast alle seine Nationalmannschafts-Kollegen sind in der 1. bzw. 2. Bundesliga aktiv. „Die Attraktivität der Regionalliga ist für viele Spieler gesunken“, weiß auch Thomas Glasauer, Trainer des Regionalligisten OTB sowie der Junior Baskets in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga. „Talente streben in die beiden überregionalen Ligen, um sich hier für höhere Aufgaben zu empfehlen.“

So wird Behrens längst von Braunschweig umworben. Jasper Knoch zog es vor der vergangenen Saison zum Zweitligisten Hertener Löwen. Nun wird er für TSV Nördlingen in der Pro A auflaufen. Yannik Evans kehrte vom OTB zum Zweitligisten TuS Lichterfelde zurück. Tom Lipke spielte bei den Bremen Roosters (2. Liga) und steht nun für BG Karlsruhe (Pro A) unterm Korb. Auch der Ex-OTBer Jannik Freese suchte sein Glück fern von Oldenburg, spielt für die New Yorker Phantoms Braunschweig und brachte es so zum A2-Nationalspieler. Allesamt Talente, die man bei einer Zweitliga-Perspektive in Oldenburg vielleicht an der Hunte hätte halten können.

Jüngstes Beispiel: Andrej Mangold. Der 19-jährige Aufbauspieler, der Ende 2006 schon im Tryout für das U-20-Nationalteam stand, wird in der kommenden Saison nicht mehr für den Regionalligisten OTB auflaufen. Wenigstens verlängerte Steffen Kiese, dem bereits ein Angebot aus der Bundesliga vorlag, jüngst um zwei Jahre.

„Teamplay wird gefordert sein und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich ehrlich und nachhaltig um die Integration junger Akteure zu bemühen“, hatte Hermann Schüller, Geschäftsführer der EWE Baskets, nach dem enttäuschenden Verlauf der vergangenen Saison gefordert. Doch sind hier nicht nur die Trainer gefragt, sondern auch die Entscheidungsträger beim Bundesligisten sowie Sponsoren.

So fordern Basketball-Experten, das Nachwuchs-Förderungskonzept der EWE Baskets in Zusammenarbeit mit dem OTB zu modifizieren und dringend eine Zweitliga-Mannschaft als Baskets-Perspektivteam in Oldenburg zu ermöglichen. „Ohne ein Zweitliga-Team, in dem sich die Nachwuchsspieler auf Erstliga-Niveau entwickeln können, schaffen wir das nicht – der Sprung aus der Regionalliga in die BBL ist einfach zu groß“, betont Evangelos Kyritsis, hauptamtlicher Trainer des OTB. Eine Mannschaft in der NBBL allein reiche nicht aus, um Nachwuchsspielern den Sprung in die Bundesliga zu ermöglichen. „Die Gewichtung muss geändert werden, man muss den 19- und 20-Jährigen mehr Bedeutung beimessen, die Spieler müssen sich durchgehend auf sehr hohem Niveau messen“, fordert Kyritsis.

„Ohne Zweitliga-Erfahrung schaffst du es nie in die Erste Liga“, meint auch „Sammy“ Behrens. „Das geht nur mit einer kontinuierlichen Förderung, und das bedeutet vor allem auch nach der NBBL. Thomas Glasauer macht sehr gute Arbeit mit der U 19, doch was kommt danach?“, überlegt er. „Es folgt ein Bruch der Förderung in den Altersstufen 18 bis 20 Jahre. Spieler, die altersbedingt aus der NBBL-Truppe herausfallen, erhalten praktisch keine adäquate Förderung mehr, spielen höchstens Fünfte oder Sechste Liga und entwickeln sich kaum weiter.“

Behrens: „Für die aktuellen Talente ist der Zug schon abgefahren. Aber vielleicht kann man einigen hochtalentierten Spielern aus der aktuellen U 14 des OTB, Dritter der deutschen Meisterschaft, mit 19, 20 Jahren eine bessere Perspektive vor Ort bieten.“

„Ohne Zweitliga-Erfahrung schaffst du es nie in die 1. Liga“

Klaus Behrens

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