Oldenburg „Es war die Hölle!“ Christian Hörper hatte sich kein einfaches Rennen für den Start in die Triathlon-Saison ausgesucht. Doch harte Wettkämpfe scheinen ihm zu liegen: Der Profi des 1. TCO „Die Bären“ bewies beim Ironman-70.3-Rennen im brasilianischen Palmas bei sengender Hitze psychische Stärke und belegte in einem gut besetzten Wettbewerb den vierten Platz. Damit sicherte sich der 28-jährige Oldenburger 920 Punkte für die Weltrangliste und kam seinem großen Traum, der Qualifikation für die 70.3-WM in Australien im September, einen Riesenschritt näher.

Dabei lief zum wiederholten Male nicht alles rund. „Ich habe den ersten Wechsel vermasselt. Und nach drei Kilometern auf dem Rad habe ich an einem Kreisel meine Flasche mit dem Wasser-Gel-Gemisch verloren“, übt sich Hörper in Selbstkritik und weckt Erinnerungen an sein Rennen im türkischen Belek vor einem halben Jahr, bei dem er ebenfalls wegen schlechter Wegstrecke seine Flasche verloren hatte.

Die Wechselzone hatte er nach der 1,9 Kilometer langen Schwimmstrecke als Neunter nach 27:22 Minuten erreicht und lag damit nur 1:22 Minuten hinter der Spitze – eine Steigerung gegenüber den bisherigen Rennen. „Das Schwimmen war noch easy – trotz der gefühlten Badewannentemperatur im Rio Tocantins“, berichtet Hörper.

Probleme am Material

Doch dann hatte er Materialprobleme: Einer seiner Radschuhe ließ sich nicht so verschließen, wie das im Training noch geklappt hatte. „Ich habe bestimmt 30 oder 40 Sekunden verloren“, erzählt Hörper. Doch nicht nur das Material zickte, auch sein Körper war nicht bei 100 Prozent: „Ein Muskel hat nicht so richtig mitgemacht, ich konnte nicht voll Rad fahren.“

Dennoch legte Hörper die 90 Kilometer in 2:09 Stunden zurück und ging als Zehnter auf die Laufstrecke. „Da hab’ ich mich voll ins Delirium geschossen“, beschreibt Hörper, der für die 21,1 Kilometer 1:22:17 Stunden benötigte. Lediglich zwei Kontrahenten waren schneller.

„Ich hatte mich eigentlich mit dem zehnten Platz schon abgefunden“, gibt er zu. „Die Temperatur war unmenschlich“, begründet er, zudem habe er gemerkt, dass seine Energiespeicher nicht mehr so gefüllt waren, wie er es sich wünschte. Doch so ging es nicht nur ihm, auch die Konkurrenz tat sich schwer. Der als Favorit gehandelte Nils Frommhold, Deutscher Meister über die Langdistanz, brach völlig ein und wurde am Ende Achter, sechs Minuten hinter Hörper.

„Es war eine Kunst, nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, betont Hörper, dem es dennoch gelang, die zwei Minuten Rückstand zur vor ihm liegenden Gruppe zu egalisieren und einen nach dem anderen einzusammeln.

Drei Kilometer vor dem Ziel gab es dann aber einen weiteren Dämpfer: Ein Zuschauer trat unumsichtig auf die Strecke, Hörper stürzte. Er konnte jedoch ohne größere Blessuren, „geladen und fluchend“ weiterlaufen.

Auf Rang fünf liegend sah er Ivan Rana vor sich, früherer Welt- und Europameister auf der Kurzstrecke. Langsam lief er an den Spanier heran und an ihm vorbei. Doch: „Keine 200 Meter später machte mein Körper schlapp, ich musste Tempo rausnehmen.“

„An Grenzen gegangen“

Auf den letzten 500 Metern mobilisierte er seine letzten Kräfte, blieb vor Rana und sicherte sich den vierten Platz. „Ich bin echt an meine Grenzen gegangen. Nach dem Rennen konnte ich erstmal nichts essen, ich musste sofort ins Bett“, erklärt Hörper, der mit seinem Saison-Einstieg mehr als glücklich ist.

Am Tag darauf erfuhr Hörper am Flughafen, dass er zu Oldenburgs Sportler des Jahres gewählt worden war. Seinen Pokal hatte auf der Bühne des Theater Laboratoriums Falk Ohlenbusch für ihn entgegen genommen. Der TCO-Vorsitzende berichtete den Gästen dort von Hörpers „internationalem Durchbruch“ in Brasilien.

Aktuell trainiert Hörper in Oldenburg und bereitet sich auf seinen nächsten Triathlon auf der halben Ironman-Distanz am 22. Mai in St. Pölten (Österreich) vor. An diesem Sonntag wird er beim Duathlon in Weyhe am Start sein. Bei seinen nächsten Rennen will der ehrgeizige Athlet nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe mir zu Hause direkt neue Radschuhe bestellt.“

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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