Eversten Das Herz vom TuS Eversten begann vor 125 Jahren im Lokal „Odeon“ an der Wienstraße zu schlagen. Es stand gegenüber vom Brunnen und Rathaus in einer Zeit, als Eversten noch selbstständige Gemeinde war und nicht zu Oldenburg gehörte. Passend zum Jubiläum wird am 30. Januar die neue Vereinshalle im Sportpark Eversten eröffnet.

Wehmut kommt auf

Eigentlich ein schönes Ereignis, doch wird sich bei vielen alteingesessenen Everstern bei all der Freude auch Wehmut in die Gefühlswelt mischen. Denn der TuS hat mit dem Verkauf der mittlerweile abgerissenen Halle am Teebkengang das historisch gewachsene Geschäftszentrum des Stadtteils verlassen und endgültig zwischen Küstenkanal und Hundsmühler Straße am Tegelkamp, knapp vor der Stadtgrenze zu Hundsmühlen, seine neue Heimat gefunden.

Im besagten „Odeon“ hatten sich am 30. Januar 1894 einige junge Männer in lockerer Runde getroffen, um über die Gründung eines Sportvereins nachzudenken. Die Idee stieß auf großes Interesse, bereits eine Woche später, am 6. Februar 1894, traten in einer konstituierenden Sitzung im „Odeon“ 29 Männer als Mitglieder in den Turnverein Eversten ein.

Anteilscheine für Fahne

Das „Odeon“ (später Parklichtspiele) behielt zunächst seine Bedeutung. Der Ballsaal diente den Sportlern als Übungsraum. Was zum vollkommenen Glück aus damaliger Sicht noch fehlte, war eine Vereinsfahne. Also wurden, so belegt die Chronik, im Jahre 1897 Anteilscheine verkauft, um eine Fahne bei der Osianderschen Fahnenstickerei in Ravensburg bestellen zu können. Bereits am 27. Mai des Jahres war das weinrote Schmuckstück fertig. Im Mittelpunkt steht ein Wildschweinkopf, Familienzeichen der Herren von Eversen; eine Niederadelsfamilie, die zwischen 1229 und dem 16. Jahrhundert im Bereich der Gartenstraße lebte und dem Stadtteil den Namen gab.

1898 zählte der Verein bereits 130 Mitglieder. Der Wirt des Gasthofes Schützenhof zur Tabkenburg (heute Stadthotel) baute den Männern 1901 eine Turnhalle, die bis vor einigen Tagen am Teebkengang stand. Nach der Gründung einer Jugendabteilung im Jahr 1904 durften mit dem 5. Juni 1906 auch Frauen eintreten, 1907 kamen eine Mädchen- und Knabenabteilung hinzu.

1913 wurde ein Platz für Turnspiele hinter der Halle angelegt, der als Schützenwiese bekannt war. Heute stehen dort die Grundschule und eine Sporthalle.

Im Jahr 1928 stellte die Stadt Oldenburg die Jahnwiese am Prinzessinweg als Schlag- und Handballplatz zur Verfügung. Ein Teil des Platzes ging im Zweiten Weltkrieg beim Bau der Umgehungsstraße verloren, 1975 fiel der Rest dem Autobahnbau zum Opfer.

Die heute 600 Mitglieder starke Fußballabteilung wurde erst am 9. Juli 1937 gegründet. In der Saison 47/48 verpasste die 1. Herren-Mannschaft nur knapp den Aufstieg in die Oberliga, die damals höchste Spielklasse. Nach dem Krieg benannte sich der Turnverein in Turn- und Sportfreunde Eversten um. Eine der erfolgreichsten Mannschaften in der Vereinsgeschichte ist die Faustballmannschaft. Doch der Verein geht mit der Zeit: Seit einem Jahr im Angebot ist Ultimate Frisbee, das in der Halle aber auch auf den Fußballplätzen gespielt wird.

Der Verein ist – Stand 1. Januar 2018 – 1633 Mitglieder stark und gehört damit zu den großen in der Stadt – er liegt in der Statistik hinter dem OTB, BTB, GVO, SV Ofenerdiek und dem Verein für traditionellen Budosport an sechster Stelle. Hinzu kommen 500 Menschen, die ohne Mitgliedschaft die Angebote des Gesundheitssports nutzen. Neue Impulse erwartet Zweiter Vorsitzender Manfred Fornfeist durch die Eröffnung der neuen Halle. Das 2,7-Millionen-Projekt wird offiziell am Mittwoch, 30. Januar, ab 15 Uhr für geladene Gäste und ab 19 Uhr mit einer Party für die Vereinsmitglieder eröffnet.

Ständiger Wandel

Der Verein ist einem ständigen Wandel unterworfen, wie folgender Satz aus der Berichterstattung in der NWZ von vor 25 Jahren zum 100-jährigen Bestehen beweist: „Seine Sportstätten hat der TuS Eversten jetzt in einem Sportpark auf der Hundsmühler Höhe. Dort sollen, so wünscht sich Vorsitzender Günter Meyer, noch Tennisplätze hinzukommen. ,Doch das Herz des Vereins wird weiterhin im historischen Eversten an der Hauptstraße, genauer in der Halle am Teebkengang, schlagen’.“ Auf den Bau der Tennisplätze wurde – zum Glück für den Verein – verzichtet.


     www.tus-eversten.de 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg

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