Etzhorn Voneinander, fürein­ander, miteinander: So lautet das Motto im Schützenverein Etzhorn für alle Gruppen. Hier schließt man auch Sportschützen mit Beeinträchtigungen nicht aus. Im Gegenteil: Nichtbehinderte und behinderte Mitglieder trainieren seit Jahren an zwei Abenden gemeinsam und nehmen auch zusammen an Meisterschaften teil. Mit diesem Projekt „Inklusion im Sportschießen“ landete der Verein 2013 einen besonderen Treffer. Wie berichtet, kam er beim Wettbewerb „Sterne des Sports“ in Weser-Ems auf den zweiten Platz.

Nun weitet der Schützenverein dieses Angebot aus. Der Vorsitzende Werner Fredehorst eröffnete am Dienstag offiziell das Vormittagstraining. Künftig treffen sich Aktive mit und ohne Handicap auch an zwei Vormittagen in der Woche zum Sport. Mit Unterstützung der Lotto-Stiftung Niedersachsen könne man dieses Projekt umsetzen, so Fredehorst, der zum Auftakt neben anderen Gästen auch Peter Wiechmann, Präsident des Oldenburgischen Schützenbundes, und Gero Büsselmann, Vorsitzender des Stadtsportbundes, im Schützenhaus (Wilhelmshavener Heerstraße 359 a) begrüßte.

Große Vorbehalte

Im Herbst 2000 sei die Idee geboren worden, für Vereinsmitglieder, die durch Unfälle, Krankheiten oder Gen-Defekte den Schießsport nicht oder nur mit Einschränkungen ausüben können, Möglichkeiten zu schaffen, erinnerte Werner Fredehorst. Die Anfänge seien nicht einfach gewesen. „Die Vorbehalte bei den Behinderten waren groß. Viele sahen zu große Unterschiede in der Ausübung des Sportes zwischen ihnen und Nichtbehinderten.“

Mit Fingerspitzengefühl wurden und werden alle Gruppenmitglieder betreut. Inzwischen fühlen sich laut Fredehorst alle wohl in der Gemeinschaft, sehen sie als „zweite Familie“.

Mittlerweile trainieren rund 30 Aktive mit Beeinträchtigungen in Etzhorn. Es wurden sogar die Regeln für interne Wettkämpfe für alle Mitglieder mit und ohne Handicap umgeschrieben. „Jeder Aktive wird entsprechend seiner eigenen Zielsetzungen gefördert“, betont der Vorsitzende. Die Trainer setzten dabei ihre Kenntnisse aus ihrer sportlichen Laufbahn und aus ihrer Ausbildung um. Auf Wunsch könnten Sportler entsprechend ihrer Beeinträchtigung an den Meisterschaften bis zur Deutschen Meisterschaft (DM) teilnehmen.

In diesem Wettkampfjahr haben die Etzhorner Sportschützen schon besondere Leistungen vorgelegt. So kam Tim Focken bei der Weltmeisterschaft in Suhl auf den 28. Platz. Der Oldenburger Fallschirmjäger wurde 2010 bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan von einer Kugel verwundet, seitdem kann er seine linke Schulter und seinen Oberarm nicht mehr bewegen (NWZ  berichtete).

Mit 28 Aktiven fuhren die Etzhorner nach München zur Deutschen Meisterschaft. „Die Behinderten erbrachten hier nicht nur gute Leistungen, sie haben auch ein deutliches Zeichen der Weiterentwicklung gesetzt“, betont Fredehorst, Den Glanzpunkt in dieser Gruppe setzte Silvia Huesmann im Wettbewerb Kleinkaliber liegend mit dem Federbock. Sie holte die Goldmedaille.

Viele Fragen beantwortet

Interessiert werden die Bemühungen des Schützenvereins und der Dachorganisationen zur Kenntnis genommen. „Allein bei der Deutschen Meisterschaft habe ich viele Fragen von Schützen und Betreuern aus ganz Deutschland beantwortet“, berichtet Werner Fredehorst.

Nächstes Ziel ist die Teilnahme an der DM 2015. Und der Vereinsvorsitzende berichtet: „Der Deutsche Schützenbund wird die Meisterschaftswettbewerbe des Behindertensportverbandes ab Januar 2015 übernehmen und die Wettbewerbe für Menschen mit und ohne Behinderung öffnen.“

In der Gruppe wird ausschließlich mit dem Luft- oder Kleinkalibergewehr geschossen. Man plane, es auf das Bogenschießen auszuweiten, so Fredehorst. Auch beeinträchtigte Schützen aus anderen Vereinen wurden in der Gruppe aufgenommen. „Langfristig wird damit verbunden, dass Initiativen von Menschen mit Handicap in deren Heimatvereinen entstehen.“


Mehr Infos unter   www.sv-etzhorn.de 
Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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