OLDENBURG Ihre Wurzeln gründen in Oldenburg, ihr Betätigungsfeld erstreckt sich schon mal auf Europa und mitunter sogar darüber hinaus. Ihr Name: Carstens. Und spätestens seit der neue Bundestrainer der Handball-Nationalmannschaft der Männer, Martin Heuberger, den einst beim VfL Oldenburg sportlich groß gewordenen Frank Carstens (39) zu seinem Assistenten berufen hat, rückt die Familie wieder ins Rampenlicht sportlicher Großtaten.

Familie Carstens kennt sich im Sport bestens aus, ganz speziell im Handball. Vater Jürgen (59) trainierte knapp fünf Jahre lang den Bundesligisten Wilhelmshavener HV (1999 – 2003), sein Sohn Maik (36) machte sich beim Handball-Zweitligisten HSG Varel (vormals VTB Altjührden) einen Namen, und Tim (35) steht seit Jahren als Torwart des Gehörlosen-Nationalteams bei Weltspielen und Europameisterschaften seinen Mann. Da wollte das Nesthäkchen Sina (17) natürlich nicht zurückstehen. Die Landesmeisterin in der Sportgymnastik schaffte zweimal die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften – und stand ebenso schon auf der Bühne der Oldenburger Sportlerwahl wie Bruder Tim.

Fehlt noch der älteste Spross der Familie: Frank. Mit 17 stand er noch zusammen mit Vater Jürgen in der ersten Mannschaft des VfL Oldenburg in der Regionalliga („Wir haben fürchterlich verloren“), mit 40 Jahren nun – am Montag hat er Geburtstag – soll er helfen, Deutschlands Handballwelt zu retten.

Als Co-Trainer von Martin Heuberger kommt auch ihm die schwierige Aufgabe zu, bei der Männer-EM in Serbien eines der letzten beiden Tickets für ein Olympia-Qualifikationsturnier im kommenden April zu erhaschen, um überhaupt noch den Traum von London 2012 verwirklichen zu können. Das Nationalteam hatte sich mit der WM-Pleite von Schweden im Januar (Platz 11) selbst in diese missliche Lage gebracht.

„Wir können jetzt nicht in Ehrfurcht erstarren. Es muss weitergehen“, sagt Frank Carstens, der mit Ehefrau Svenja und seinen vier Kindern in Magdeburg lebt und dort beim Bundesligisten SCM auch weiterhin seinen beruflichen Mittelpunkt sieht.

Auch aufgrund seiner Doppelfunktion als Vereinscoach und Co-Trainer des Nationalteams wurde die Laufzeit des Vertrages zunächst nur bis zum Ende der Europameisterschaft (15. bis 29. Januar 2012) begrenzt. „Das war auch mein Wunsch“, sagt Frank Carstens. „Denn nach einem gemeinsamen großen Turnier kann man die Zusammenarbeit besser einschätzen. Dann sehen wir weiter.“

Nicht zuletzt muss auch das Abschneiden der Mannschaft abgewartet werden. Carstens: „Natürlich wird es schwer in Serbien. Aber eine deutsche Mannschaft hat immer die Chance, eine solche Aufgabe zu lösen“, betont er – und schon blitzt der Biss des einst bei GWD Minden kampferprobten Bundesliga-Abwehrreckens auf. Klare Ansage: „Eine deutsche Handball-Nationalmannschaft muss immer bei Olympia dabei sein. Da gibt es überhaupt kein Vertun.“

Nicht nur in diesem Punkt sind sich Carstens und Bundestrainer Heuberger einig. „Unsere Gespräche haben gezeigt, dass wir auf einer Wellenlänge funken und auch handballerisch die gleiche Sprache sprechen“, überlegt Carstens, der 2009 als Lehrgangsbester die A-Trainer-Lizenz erwarb.

Martin Heuberger („Frank hat mich sowohl fachlich als auch charakterlich voll überzeugt“) und Carstens werden die A-Mannschaft erstmals beim Lehrgang vom 2. bis 6. Oktober in der Sportschule Hennef betreuen. Die internationale Feuertaufe für das neue deutsche Trainer-Duo folgt dann beim 17. Supercup (3. bis 6. November) in Berlin, Hannover und Halle/Westfalen mit den Länderspielen gegen Dänemark, Schweden und Spanien.

Frank Carstens begann seine Karriere als Handballer beim VfL Oldenburg. Über die Station TV Grambke Bremen (1991 – 1995 und 1996 – 2000) wechselte er zum Bundesligisten GWD Minden (bis 2003). Beim Zweitligisten OHV Aurich ließ er seine Karriere ausklingen und übernahm dort 2006 sein erstes Traineramt. 2007 folgte der Wechsel zum TSV Hannover-Burgdorf, den er in die Erste Liga führte. Seit 1. Juli 2010 arbeitet Carstens beim Bundesligisten SC Magdeburg. Sein Vertrag beim SCM läuft noch bis 2013.

Otto-Ulrich Bals Autor
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