Chicago /Oldenburg Basketball gehört ohne Frage zu den populärsten Sportarten in Oldenburg – allerdings nur was den Männerbereich betrifft. Der Frauen-Basketball fristet eher ein Schattendasein. Dabei gibt es einige interessante und spielstarke Korbjägerinnen – wie die 20-jährige Alina Jahnke, die im frühen Grundschulalter beim OTB das Basketball-ABC lernte.

Vor zehn Jahren wechselte sie mit dem gesamten Team zu den BTB Royal Ladies und entwickelte sich dort so gut, dass niedersächsische Bundesligavereine Interesse an der Oldenburgerin zeigten. Zunächst wollten die Panthers Osnabrück sie für ihr Jugendbundesligateam verpflichten, später kam ein Angebot von Bundesligist BG Göttingen.

Chicago statt Göttingen

Da hatte sich für die damals 18-Jährige jedoch bereits eine Tür mit ganz anderen Möglichkeiten geöffnet: Im Jahr zuvor hatte sie an einem Turnier in den USA teilgenommen, bei dem College-Trainer zuschauten. „Eigentlich wollte ich nur mal im Ausland spielen und hatte gar nicht vor, in den USA zu studieren. Dafür war mein Englisch eigentlich nicht gut genug“, erzählt Jahnke, für die das Turnier nicht optimal lief: „Ich hatte mir einen Bänderriss zugezogen und mir den Fuß dick getapt, um spielen zu können.“ Doch Irvin Jerry vom Trinity College in Chicago hatte genug gesehen, um sich um die Oldenburgerin zu bemühen. Mit Erfolg: Statt nach Göttingen zog es Jahnke vor zwei Jahren nach Chicago, wo sie mittlerweile bei den Trinity Trojans zu den Leistungsträgerinnen gehört.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Zunächst wollte sie nur für ein Jahr in die USA, nun studiert sie Business Management mit Schwerpunkt Marketing in der Millionenmetropole am Michigansee.

Perspektiven besser

„Die Perspektiven in Chicago sind einfach besser. In Göttingen wäre der Aufwand sehr groß gewesen, ich hätte pendeln müssen. Und das wenige Geld, was man bekommt, wäre für die Fahrtkosten draufgegangen“, bereut die 20-Jährige ihre Entscheidung nicht.

Am Trinity College wohnt sie auf dem Campus und wird voll verpflegt: „Ich habe das Glück, ein Doppelzimmer für mich alleine zu haben“. Auch um ihre Sportklamotten muss sie sich nicht kümmern. Die werden nicht nur gestellt, sondern auch gewaschen. Bei Bedarf steht jederzeit ein Physiotherapeut zur Verfügung, und auch die Trainingsmöglichkeiten lassen nicht zu wünschen übrig. 24 Stunden am Tag kann sie die Halle nutzen. Sei es, um Körbe zu werfen, oder sich von einer Ballmaschine die Bälle zupassen zu lassen.

„Da probiert man schonmal was aus, was man sich im Mannschaftstraining vielleicht nicht trauen würde, aber es dann irgendwann doch mal im Spiel macht, weil man es alleine trainiert hat und es da geklappt hat“, berichtet Jahnke, die auch mal zu ungewöhnlichen Zeiten trainiert: „Wenn man mal nicht schlafen kann, geht man halt in die Halle. Selbst wenn es 1 Uhr nachts ist.“

Da gehört schon einiges an Basketballenthusiasmus dazu, denn die Tage sind ohnehin durchgetaktet. In der Vorbereitung beginnt das Training oft morgens um 6 Uhr. Danach folgen Frühstück und Uni, bevor es um 15 Uhr wieder in die Halle geht. Dort warten weitere drei, vier Stunden Training und Rehabilitation. In der Saison geht es nicht ganz so früh raus, dafür stehen zwei Spiele pro Woche an – und vor jedem Spiel gibt es ein intensives Videostudium des Gegners.

Nicht nur darauf musste sie sich erst einmal einstellen: „In Oldenburg bin ich noch wie eine Babygiraffe durch die Halle gestolpert. Mit Krafttraining hatte ich nicht viel am Hut. Da waren die anderen hier im Team schon viel weiter“, sagt die 1,88 Meter große Power Forward: „Das habe ich aber mittlerweile aufgeholt.“

Auch an andere Regelauslegung der Schiedsrichter musste sie sich gewöhnen: „Beim Blocken darf man hier nicht von oben auf den Ball schlagen, sondern nur die Arme hochhalten“, erzählt Jahnke, die sich die ein oder andere Strafe einfing, mittlerweile aber zu den besten Defensivspielerinnen der Liga gehört.

In der abgebrochenen Saison, in der es ihr Team bis ins Playoff-Achtelfinale geschafft hatte, wurde sie nun nicht nur für ihre sportlichen, sondern auch für ihre akademischen Leistungen geehrt. Auch für ihre Studiendisziplin seit Ausbruch der Corona-Pandemie verdient die Oldenburgerin Anerkennung: Im März musste sie das Präsenzstudium abbrechen und das Land verlassen, das Studium ging online weiter – aus Deutschland. „Mit dem Zeitunterschied habe ich mich echt schwer getan. Ich war einige Wochen immer noch bis 6 Uhr wach, habe in einer anderen Zeitzone gelebt“, erzählt sie. Aus geplanten drei Wochen sind nun schon mehr als drei Monate geworden – und eine Rückkehr ist bislang nicht gestattet. Sie denkt schon darüber nach, in einem dritten Land in Quarantäne zu gehen und von dort in die USA zu reisen. Es besteht dann jedoch immer das Risiko, dass sie das Land wieder verlassen muss. „Total wild, was internationale Studierende gerade erleben. Mal sehen, ob ich meinen Bachelor wirklich nächstes Jahr fertig bekomme. . .“

So lange hält sie sich in Deutschland fit. Doch während sie im Heimaturlaub im vergangenen Sommer noch bei den deutschen Meisterschaften im 3x3-Basketball in Hamburg aktiv war, musste sie sich coronabedingt in diesem Jahr mit Läufen und Athletiktraining mit Trainer Lauris Heisen fit halten. Zudem steht sie jeden Tag auf dem Freiplatz. „Das ist aber nicht das Gleiche. Mir fehlt der Körperkontakt“, erzählt die 20-Jährige, die auch als Schiedsrichterin und Jugendtrainerin aktiv ist.

Nun hofft sie, dass es bald wieder möglich ist, zurück in die USA zu fliegen, um sich dort auf die neue Saison vorzubereiten. Bis dahin holt sie sich die körperliche Härte beim Training mit den Basketball-Männern des OTB.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.