Oldenburg Wenn jemand blind ist, bekommt er einen Blindenhund. Gehörlose benutzen die Gebärdensprache. Doch was ist, wenn etwas mit dem „sozialen Sinn“ nicht in Ordnung ist? – So lernten die Mitschüler von Linus, dass der Siebenjährige Schwächen bei sozialem Umgang und Kommunikation hat und an diesen Stellen Unterstützung braucht. Denn Linus hat das Asperger-Syndrom, eine Autismusspektrum-Störung. Das bedeutet, dass für den Siebenjährigen die Welt ein bisschen anders aussieht als für seine Mitschüler.

„Autisten fühlen anders“

„Menschen mit Autismus fühlen, denken, kommunizieren und handeln anders“, erklärt Martina Steinhaus, Geschäftsführerin des Autismus Regionalverbandes Weser-Ems. „Linus´ Wahrnehmung funktioniert nicht so wie unsere“, sagt seine Mutter Cornelia Thüner. „Für ihn sind alle Geräusche gleich laut, er kann sie nicht filtern. Einzelne Gegenstände gehen für ihn nicht in der Menge unter, seine Augen sind lichtempfindlich. Er kann eigene sowie fremde Gefühle nicht einordnen.“ Für Menschen, die nichts über „Aspis“, wie sich Betroffene selbst nennen, wissen, kann sein Verhalten daher befremdlich wirken.

„Autismus ist nicht gleich Autismus“

Autismusspektrum-Störungen lassen sich unterteilen in Frühkindlichen Autismus und Asperger-Syndrom. Bei beiden Formen liegen Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten sowie in der Kommunikation vor.

Experten gehen davon aus, dass die Häufigkeit vermutlich bei 15 bis 40 Autisten auf 10 000 Kinder liegt. Genaue Zahlen für Deutschland liegen nicht vor. Die UN schätzen, dass es weltweit 67 Millionen Autisten gibt. Jungen sind vier Mal häufiger betroffen als Mädchen.

Welt-Autismus-Tag ist am 2. April. Der Tag wurde 2008 erstmals veranstaltet. Damit soll auf die Verhaltensstörung aufmerksam gemacht und für das Thema sensibilisiert werden.

Betroffene können sich an das Autismus-Therapie-Zentrum Oldenburg wenden: Münnichstraße 109, Tel. 0441/570 68 90.

Mehr Infos unter www.autismus-weser-ems.de

„Die Ausprägungen dieser angeborenen Störung fallen individuell aus“, erklärt Martina Steinhaus. Autismus sei nicht gleich Autismus. „Es gibt verschiedene Formen von Autismusspektrum-Störungen“, so die therapeutische Leiterin. Man unterscheidet von Frühkindlichem Autismus bis zum Asperger-Syndrom. Bei allen Formen liegen Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten sowie in der Kommunikation vor.

Als ihr Sohn zwei Jahre alt war, fielen Cornelia Thüner, die selbst Kinderärztin ist, erste Anzeichen auf. Linus habe seinem Alter entsprechend Sprechen und Laufen gelernt, aber nicht von sich als „Ich“ sondern, immer in der dritten Person gesprochen.

Nach dem Verdacht folgte im Alter von drei Jahren die endgültige Diagnose: Asperger. Nach der Gewissheit, kam „ein unglaublicher bürokratischer Aufwand“, so Thüner. Schwerbehindertenausweis und Pflegestufe mussten beantragt werden. „Zum Glück stand uns bei vielen Fragen das Autismus-Therapie-Zentrum zur Seite“, so die Mutter über das ATZ. Denn es sei eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen. So kann Linus Bedürfnisse wie Hunger, Durst und Harndrang nicht zuordnen. „Anhand einer Checkliste gehen wir durch, woher zum Beispiel Bauchschmerzen kommen könnten.“

Schulbetreuung hilft

Linus sei bewusst, dass er anders ist als andere Kinder. „Einmal sagte er zu mir, dass er nicht anders sein möchte“, so die Mutter. „Auch wenn ihn laute Umgebungen und Menschenmengen verunsichern, möchte er trotzdem dazugehören. Er kann jedoch mit manchen Situationen nicht so umgehen wie andere Kinder.“

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Im Unterricht hat Linus daher eine Schulbetreuung, die ihm beim „Dolmetschen der sozialen Normen“ hilft. Das funktioniere auch ganz gut, so Cornelia Thüner. In der Kita sei es früher nicht immer so einfach gewesen.

In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Linus am liebsten. Derzeit baue er einen Wasserkreislauf im Garten, verrät der Siebenjährige. Meist spiele er dann ganz versunken vor sich hin, erzählt seine Mutter. Manchmal dürften auch Freunde oder seine kleine Schwester Paula mitmachen, so Cornelia Thüner. Dann lässt Linus Paula in seine Welt und erklärt ihr, was er gerade denkt. Damit viel mehr Menschen Linus und andere „Aspis“ verstehen, wünscht sich seine Mutter mehr Aufklärung über diese Störung.->

Sophie Schwarz Volontärin / NWZ-Redaktion
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