OLDENBURG Nicht jedes Buch findet seinen Weg auf die Bühne: Auch „Demian. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend“ zählte lange dazu. Hermann Hesse (1877-1962) veröffentlichte die Erzählung im Jahr 1919. Lange Zeit legten die Erben von Hesse Veto gegen eine Theaterfassung ein. Erst im vorigen Jahr durfte Daniela Löffner am Schauspielhaus Düsseldorf „Demian“ inszenieren. Für das Oldenburgische Staatstheater erzählt nun Krystyn Tuschhoff die Geschichte des Emil Sinclair, der zerrissen ist zwischen süßer Kindheit und triebhafter Verlockung des Andersseins.

„Demian“ eigne sich deshalb so wunderbar für Leute jeden Alters, „weil jeder von uns in seinem Leben an einen Punkt kommt, wo er hin- und hergerissen ist zwischen dem, was von ihm erwartet wird und dem, was er selbst vom Leben will“, erläutert Krystyn Tuschhoff. Ihre Inszenierung sieht sie deshalb nicht als klassisches Jugendstück ausschließlich für Mädchen und Jungen ab 14 Jahren. „Es ist vielmehr generationenübergreifend. Wir packen Jugendliche wie Erwachsene an ihren Punkten.“

Die Inszenierung spielt mit originalen Texten von Hermann Hesse, durchbrochen von heutiger Alltagssprache. „Auf der Bühne haben wir die Chance, schwere Texte über die sinnliche Ebene leichter zu vermitteln“, erläutert Dramaturgin Catharina Hartmann: „Hesse beschreibt die inneren Seelenzustände des jungen Sinclair in einer faszinierenden Sprache. Auf der Bühne öffnen wir Assoziationsräume. Wir arbeiten mit Metaphern und lassen viel Platz für Fantasie.“

Sechs Schauspieler erzählen das Auf und Ab des Emil Sinclair, der von dem Gedanken getrieben ist: „Nichts Neues kommt ohne Tod.“ Rüdiger Hauffe verkörpert die Hauptrolle. Seinen Freund Demian – oder Dämon, oder Spiegelbild? – spielt Eike Jon Ahrens. Thomas Birklein, Eva Maria Pichler, Sebastian Herrmann und Sarah Bauerett übernehmen weitere, teils Doppelrollen. „Die Schauspieler sind so alt, wie sie sind. Sie erzählen diese Geschichte aus der Sicht und mit ihrem Wissen von heute“, sagt Krystyn Tuschhoff, die schon „Stones“ und „Eine Sommernacht“ am Staatstheater inszenierte.

Im Gegensatz zur Uraufführung in Düsseldorf werde weder nackt gespielt, noch gebe es eine Schlammschlacht, sagt die Regisseurin. „Bei uns passiert wahnsinnig viel. Die Schauspieler arbeiten sich permanent an der Bühne ab. Aber zwischen all den Reizen provozieren wir auch eine Konzentration auf Inhalt und Text.“

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