Oldenburg Bass und Reime platzen aus den Lautsprechern und füllen die Exerzierhalle. Es ist niederdeutscher Hip-Hop der Bremer Formation „De Fofftig Penns“. Jugendliche springen auf die Bühne, tanzen. In neonfarbenen Klamotten sehen sie aus, als seien sie den 90ern entsprungen. Die Vorstellung des niederdeutschen Theaterclubs „Platt ‘n Studio 14+“ startet so energiegeladen wie unerwartet. Sie setzt einen Kontrast zum Thema. In „Wenn avends root de Wulken treckt“ beschäftigen sich die Jugendlichen mit dem Erwachsenwerden im Krieg.

Zu Beginn der Spielzeit haben sie sich im Club der niederdeutschen August Hinrichs-Bühne zusammengefunden und das Stück unter Anleitung entwickelt. Ausgangspunkt der Geschichte sind die „Gaza Monologe“. In dem Stück von 2010 schildern Jugendliche aus dem Gazastreifen ihre Erfahrungen während der 2008 gestarteten israelischen Luftangriffe und der Zeit danach. Spielleiterin Sarit Streicher und Spielleiter Kevin Sandersfeld haben das in Bezug zu Darstellern und Oldenburg gesetzt. Ist dieser Konflikt wirklich so weit weg wie es scheint? Gibt es eine Verbindung zwischen den Gedanken dieser Jugendlichen und unserem Leben? Falls ja, was macht das mit uns?

Darum soll es hier gehen. Nach dem bunten Start folgt der „Blick über den Tellerrand“. Es ist eine Einführung zum Gaza-Konflikt. Eingespielte Videoclips mit Umfragen zeigen, was die Menschen auf Oldenburgs Straßen darüber wissen. Noch ist der Ton frech, das Sprechtempo hoch. Aber mit den tagebuchartigen Fragmenten aus den Monologen wandelt sich die Stimmung. Es geht um die Angst auf die Straße zu gehen. Darum, eingesperrt und beengt zu sein. All das wird in eingängigen Erzählungen, aber auch in energiegeladenen, körperlichen Szenen und Tanz abgebildet. Auf Platt spiegeln die Jugendlichen ihre eigenen Gedanken, sprechen von Machtlosigkeit, von Gut und Böse. Es entsteht ein Dialog zwischen beiden Welten, der auch Kontraste hervorhebt. Etwa, wenn sich die Angst vor dem Sterben und Zukunftsplanungen gegenüberstehen.

Schließlich landen Publikum und Ensemble wieder in Oldenburg, bei sich und bei der Frage: Was macht das mit uns? Hier ist eine energiereiche, aber ernste und ehrliche Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden im Krieg gelungen. Es spielen: Malin Denkena, Luca Dudek, Emma Falck, Leonie Grote, Mia Clara Ostern, Josefine Petermann, Imke Schwalm, Jacky Seeger, Franziska Spalthoff, Meret Voß, Josefine Went, Saskia Wilde und Fynn Kankel. Sprachpatin ist Annemarie Penningroth.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.