Oldenburg Party bis zum Sonnenaufwand: Sunup’s, der Name der Diskothek in der Baumgartenstraße war Programm. Doch das Up’s war nicht die einzige Disco, in der sich die Jugendlichen und jungen Leute in den 70er und 80er Jahren vergnügten, wissen Norbert Pollak, Gerold Kehmeier und Wolfgang Meyer von Oldenburg-Film.

Nach ihrem Filmprojekt „Ohne Schlips geht gar nichts“ über die Tanzlokale in den den 50er- und 60er-Jahren nehmen sie jetzt die Diskotheken unter die Lupe, die diese Tanzlokale ablösten. Der „Etzhorner Krug“ oder das „Ede Wolf“ zog die jungen Menschen an. Getanzt wurde auch im „Renaissance“ oder im „Red Balloon“ in der Wallstraße.

Suche nach Bildern und Filmen läuft

Manche Discos gibt es auch heute noch, wie beispielsweise das „Cubes“, das das Sunup’s ablöste. Oldenburg-Film will nun den Diskotheken einen Film widmen und ist dringend auf der Suche nach Zeitzeugen aber vor allem auch nach Bildern und Filmen.

Doch wer ging damals schon mit der Kamera in die Disco? Man nahm sich selbst nicht so wichtig. Die Geburtsjahrgänge nach 1960 waren unter dem Eindruck des Vietnamkrieges und der Studentenunruhen aufgewachsen und sozialisiert worden. Die Vorgängergeneration hatte den Weg frei gemacht, „für die Leichtigkeit des Seins“. Gesellschaftliche Zwänge waren abgefallen, man trug Parka und Jeans zur Schule und in der Freizeit.

Je verblichener der Parka war, desto besser. Auch Jeansjacken waren schwer angesagt, in deren Innenseite oftmals zusätzliche Taschen eingenäht wurden. Die Jugend fuhr auf Puch-Mofas oder knatterten auf Vespas durch die Stadt. Velo Solex waren angesagt, die Mädchen fuhren Ciao. Alles gern auch ein wenig frisiert, 40 Stundenkilometer mussten die Gefährte schon bringen, was ab und an die Polizei auf den Plan rief.

Der Billardtisch war stets dicht umlagert

Die Discos waren aber auch immer Kneipen, in denen sich Freunde und Freundinnen mit ihren Cliquen trafen. Im vorderen Bereich des Sunup’s stand mitten im Raum eine Theke, man konnte an Tischen gemütlich Platz nehmen. Ein Billardtisch war stets dicht umlagert und aus dem Thekenraum hinaus führte ein Gang zur Tanzfläche und in eine Art Bistro mit Korbstühlen.

Auch das „Renaissance“ konnte seine Vergangenheit als Tanz- und Veranstaltungslokal „Zillertal“ nicht verheimlichen. Eine Ballustrade, wo an Theken Getränke verkauft wurden, umgab den Saal, in dem Stühle und Tische standen. Getanzt wurde im Bereich der ehemaligen Bühne.

An der Kasse wurden Verzehrkarten ausgeteilt. Wer seine verlor, musste 50 Mark beim Verlassen zahlen. Auf sie musste man höllisch aufpassen. Es gab Spezialisten, die sich fremde Karten in einem unbeobachteten Moment nahmen, zechten und beim Rausgehen die geklaute, fast leere Verzehrkarte vorlegten.

Das „Tiffany“ galt als Drogenhölle

Auch das Ede Wolf in Metjendorf übte auf die Jugend eine hohe Anziehungskraft aus. Auch dort gab’s eine große Theke, an der das eine oder andere Bier gezapft und getrunken wurde. Einen zweifelhaften Ruf als Drogenhöhle genoss das „Tiffany“ von Emil Penning an der Alexanderstraße. Das mittlerweile abgerissene Gebäude befand sich stadtauswärts kurz vor der Aral-Tankstelle.

Dennoch: Es war eine ruhige Zeit. Handgreifliche Auseinandersetzungen gab es kaum, Türsteher auch nicht. Der Film über die Disco-Szene soll Ende des Jahres präsentiert werden. Norbert Pollak, Gerold Kehmeier und Wolfgang Meyer von Oldenburg-Film sind dringend auf der Suche nach Bildern und Filmen, die diese Zeit dokumentieren. Sie freuen sich über Anrufe unter Tel. 42392.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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