Oldenburg Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Erich Fried, Heinrich Heine, Elke Lasker-Schüler, Berthold Brecht – nur um einige Namen zu nennen, die am Dienstag im Mittelpunkt eines bemerkenswerten Konzertes im Wilhelm 13 standen. Die Texte für die Musik von Schné und ihrer Band stammen hauptsächlich aus dem Klassikerregal der deutschen Lyrik.

Ein durchaus riskantes Unterfangen des sechsköpfigen Ensembles, denn die Gedichte von Rilke & Co. sind schon für sich genommen große Kunstwerke, die man eigentlich nicht verbessern, aber leicht verhunzen kann. Der Übergang von Kunst zu Kitsch ist häufig fließend.

Um es vorweg zu sagen: In dieser Gefahr war die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Henrike Krügener heißt, zu keinem Zeitpunkt. Der Liebeslyrik hatte sich Schné an diesem Abend verschrieben, der durchaus mehr Zuhörer verdient hätte als das Wilhelm 13 aufnehmen kann. Es ist nicht immer leichte Kost, die die Singer-Songwriterin dem Publikum bietet, das garantiert schon die lyrische Vorlage. Aber eingängig ist sie trotzdem, ein Ohrenschmaus für unverbesserliche Romantiker.

Schné gibt sich kompromisslos den Gedichten hin, interpretiert die großen Texte voller Hingabe, glaubwürdig und ehrlich bis zur letzten Note. Die musikalische Umsetz-ung des zauberhaften Rilke-Gedichtes „Zum Einschlafen zu sagen“ war ein Höhepunkt.

Am Ende des Abends gab es mit „Pierrot, Pierrot, Pierrot“ noch einen ebenso magischen Ausflug in die Welt des französischen Chansons.

Das Ensemble nennt seine Kunst „New acoustic music“, wobei es tatsächlich um eine nicht unattraktive Mischung aus Kunstlied, Chanson, Pop, und Folk mit Jazz-Elementen geht. Auch experimentelle Ausflüge werden gelegentlich unternommen. Für die meisten Kompositionen zeigt sich der Streicher und Gitarrist Ingo Höricht verantwortlich, einige stammen aus der Feder von Schné selbst oder von der brillanten Akkordeonistin Mariska Nijhof. Und meisterlich auf ihren Instrumenten sind auch David Jehn (Kontrabass/Mandoline), Matthias Schinkopf (Saxofon, Klarinette, Querflöte, Percussion) und Michael Berger (Piano).

Es ist der Verdienst von Veranstalter Paddy Maindok (Singers & Players), immer wieder solche musikalischen Perlen nach Oldenburg zu locken. Wer sich selbst überzeugen will, sollte sich Dienstag, 12. September, vormerken: Da sind Hussy Hicks & Brooke Miller, das australisch-kanadische Power-Duo, zu Gast.


     www.singersplayersclub.de 
Thomas Haselier / Archiv
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.