„Autofreier Sonntag kostet 110 000 Euro“ und Kommentar „So wird Geld verpulvert“ (Ð  vom 24. November)

Mit ihrem Hinweis auf die „Geldverschwendung“ sprechen Sie mir aus dem Herzen. Absolut unsinnig, denn Infostände in der Stadt, um für das Fahrradfahren zu werben, sind absoluter Quatsch.

Vor zwei bis drei Jahren war mal ein Plan in die Welt gesetzt worden: Oldenburg fährt bis zum Mond und zurück. Die Idee – von der Stadt und der Initiative – bestand darin, die Oldenburger über ein Wochenende (Freitag bis Sonntag) jeweils die unterschiedlichsten Tagesabschnitte von 15 km (für „Betagte“) bis 80/85 km für Geübte fahren zu lassen, und das für die Einzelnen – wenn konditionell möglich – am Wochenende mehrmals.

Die abgefahrenen Kilometer sollten zusammen halt die Entfernung „zum Mond und zurück“ erreichen. Damit hätte Oldenburg punkten können und Münster vom Rang als Fahrradstadt Nr. 1 ablösen können. Außer Organisation der Erfassung von Radlern und gefahrenen Kilometern kein weiterer Aufwand.

Hoffentlich lernt die Verwaltung „bürgernah“ zu entscheiden und nicht „bürgerfremd“.

Ewald Buchholz, Oldenburg

Bevor Sie etwas schreiben, sollten Sie sich besser informieren. Das meistgenutzte Verkehrsmittel in Oldenburg ist immer noch das Auto, gefolgt vom Fahrrad und mit Abstand dem Bus. Leider. Auch Ihre Annahme, dass an einem sonnigen Maisonntag nur Auswärtige im Auto durch die Stadt fahren, dürfte falsch sein.

Ein autofreier Sonntag ist eine gute Sache, um die Bürger zu animieren, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Wenn das auch nur teilweise erreicht wird, ist das Geld gut angelegt.

In Bremen und Hannover gibt es schon seit Jahren autofreie Sonntage mit großer Beteiligung. Also lassen Sie Ihre Polemik besser in der Schublade und unterstützen Sie den autofreien Sonntag.

Wilfried Jankowski, Oldenburg

So lobenswert der „politische Wunsch“, den Bürger dahin zu führen, öfter auf das Auto zu verzichten, sein mag – ob das der richtige Weg ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Glaubt man im Rat der Stadt Oldenburg wirklich, die vorgesehenen Straßen wären an einem Sonntag das Ausflugsziel Tausender, dem Einhalt geboten werden müsste?

Wo bleibt denn der Bürger, dessen Vertreter (und Untergebene!) die Politiker ja sind, wo bleibt die Vernunft, auf ein doch sehr fragwürdiges Experiment auf Kosten des steuerzahlenden Bürgers zu verzichten? Hat es das Stadtsäckel wirklich so dick? Könnte man diese vorgeschlagene (und sicher nicht ausreichende) Summe nicht besser in Kinderkrippen oder das Pekol-Museum investieren? Politischer Wunsch, wessen, des Bürgers? Ja, über die Köpfe der Bürger hinweg!

Hans W. Cloeter, Oldenburg

Auf den harschen Kommentar Ihres Redakteurs möchte ich noch eins draufsetzen: Zukunftsfähige Verkehrspolitik heißt nicht, „den Bürger dahin(zu)führen, öfter aufs Auto zu verzichten“, sondern durch Schwerpunktsetzung bei Planung und Finanzierung eine Verkehrswende zugunsten von Busbenutzern, Radlern und Fußgängern einzuleiten und konsequent durchzuhalten.

Autofreie Sonntage mit Volksbelustigung im schönen Monat Mai sind weder zielführend noch nachhaltig. Der Oldenburger Rat bleibt weit hinter seinen gestalterischen Möglichkeiten. Für die Verwendung der 110 000 Euro habe ich einen Vorschlag, gleichzeitig ein Beitrag zur „Übermorgenstadt“: Auch Oldenburg altert.

In zehn bis zwanzig Jahren werden wir wesentlich mehr Senioren mit und ohne Rollator auf den Straßen sehen als heute.

Wie wäre es, wenn der Rat beschließen würde, die Bordsteinkanten aller Gehwege an Straßenübergängen abzusenken, damit dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe die Mobilität im eigenen Wohnumfeld erhalten bleibt?

Sabine Reimer, Oldenburg

Angesichts des leeren Oldenburger Stadtsäckels fällt einem zu der Veranschlagung von 110 000€ Euro für einen autofreien Sonntag eigentlich nur das Wort skandalös ein. Es gibt in Oldenburg weiß Gott viele Ecken, an denen sich die Investition einer solchen Summe mehr lohnen würde als zur Finanzierung eines autofreien Sonntags. Wenn man alleine die völlig desolaten Beläge vieler Straßen und Radfahrwege in dieser Stadt betrachtet.

Eigentlich ist so ein Tag für Oldenburg so etwas, wie „Eulen nach Athen tragen“. Was bitte soll mit dieser Veranstaltung überhaupt gefördert werden? Das Umweltbewusstsein? Oder eher der Verdruss der Bürger über die Politiker in dieser Stadt? Der braucht ohnehin nicht mehr gefördert werden, er ist bereits im Übermaß vorhanden.

Hoffentlich hat unser Bürgermeister nicht wieder gerade einen wichtigen Termin in China oder Südafrika. Aber man kann ja auf einer Bildwand auf der zentralen Bühne für die Musik-Acts am Lappan eine Videobotschaft von ihm dem geneigten Publikum zu Gehör bringen. Vielleicht untermalt von einer Fahrradtour durch Peking. Möglicherweise ist dort ja auch gerade autofreier Sonntag. Dann wäre das ein schöner Beweis für die große Weltachse Oldenburg – Peking und den nicht zu unterschätzenden Einfluss von Herrn Schwandner auf die chinesische Politik.

Geradezu abenteuerlich hört sich allerdings auch an, dass man auf Sponsoren für dieses sicher einmalige Erlebnis „hofft“, was wohl im Klartext heißt: Man hat keine. Die Verantwortlichen für diese Veranstaltung sollten ihren Hut bzw. Fahrradhelm nehmen.

Michael Ziemba, Oldenburg

Es ist wirklich erschreckend, wie dilettantisch so ein autofreier Sonntag organisiert wird: Sponsoren fallen nicht vom Himmel, darum sollte man sich im Vorfeld bemühen. Eine Vervielfachung der Kosten bei Vorhaben des öffentlichen Dienstes ist die Regel, also auch kein Grund zum Erstaunen.

Und sich dann noch ein Unternehmen zu suchen, was keinerlei praktische Erfahrungen hat – aber man kennt jemanden? Und was macht eigentlich die hauptamtliche Fahrradbeauftragte den ganzen Tag? Schneller kann man 110 000 Euro nun wirklich nicht vernichten. Dieser Betrag wäre in den teilweise schlechten Radwegen wirklich gut investiert gewesen, das kann ich aus Erfahrung von rd. 2000 km jährlich bestätigen! Hinzu kommt wegen des Termins dann noch eine kleine Fehlplanung . . .

Die Politik wird sicher daran festhalten, weil dort keine Fehler gemacht werden – und der Bürger oder das City-Management ist doch nicht schlauer als die von uns allen gewählten Vertreter! Was zählt da schon gesunder Menschenverstand?

Und dann stellt sich noch eine Frage: Wenn man schon keinen autofreien Sonntag selber organisieren kann, wie will man dann eine Stadt regieren und ordentlich mit deutlich mehr Geld umgehen? Das macht dann schon Angst.

Gerhard Klockgether, Rastede

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