Oldenburg „Als ich erst damit angefangen hatte, die Daten über die Angehörigen des Oldenburgischen Landtags von 1848 bis 1946 zusammenzutragen, konnte ich nicht damit aufhören“, erzählt Rudolf Wyrsch. 2015 hat er das 864 Seiten umfassende Werk „Oldenburgischer Landtag 1848-1933/1946 – Biografisch-historisches Handbuch zu einem deutschen Landesparlament“ gemeinsam mit Albrecht Eckhardt, seinem ehemaligen Chef, veröffentlicht. 30 Jahre hat die Arbeit an dem Werk gedauert. Der 76-jährige Westersteder war von 1989 bis 2003 im Niedersächsischen Staatsarchiv Oldenburg (heute: Niedersächsisches Landesarchiv) tätig. Am Staatsarchiv hatte der Geschichtsinteressierte beruflich den Auftrag, Quellen – Meldeunterlagen, Kirchenbücher, Verwaltungsakten oder Chroniken – zu sichten, um zu überprüfen, welche Mitglieder dem Oldenburgischen Landtag angehörten. „Auf kleinen DIN A 5 Karteikarten habe ich ihre Lebensdaten, Informationen über die Familie, den beruflichen und politischen Werdegang sowie Ehrungen und Veröffentlichungen von und über die betreffende Person gesammelt“, erklärt Rudolf Wyrsch. Manchmal sei das auch ziemlich aufwendig gewesen. „Wenn die Abgeordneten später ausgewandert sind, dann musste ich auch mit Meldeämtern in den USA Kontakt aufnehmen“, berichtet der engagierte Westersteder. Auch mit Angehörigen einiger Abgeordneter habe er sich getroffen, um mehr über die Menschen zu erfahren und Bilder für seine Publikation zu sammeln.

Die zusammengetragenen Daten habe er in eine Datenbank eingegeben. „Dafür musste ich extra lernen, wie ein Computer funktioniert“, sagt der Rentner lachend. Auf dieser Grundlage verfasste er 15 Jahre lang die Artikel für das Handbuch.

Für die Veröffentlichung über den Oldenburgischen Landtag erhielt Wyrsch kürzlich die Ehrennadel von der Oldenburgischen Landschaft für seinen besonderen ehrenamtlichen Einsatz auf dem Gebiet der Kultur- und Heimatpflege (NWZ  berichtete), denn er hat auch als Rentner ehrenamtlich noch weiter an dem Buch gearbeitet. Rudolf Wyrsch ist von einer bewegten Lebensgeschichte geprägt. Der im ostpreußischen Arys geborene Wyrsch ist in seiner Kindheit quer durch Deutschland geflohen. Aufgewachsen ist er in Geilenkirchen-Hünshoven. Nach seinem Studium der katholischen Theologie von 1959 bis 1964 in Königstein im Taunus und in München ging er ins Priesterseminar in Aachen. Später arbeitete er als Kaplan und katholischer Pfarrer, bevor er sich verliebte, seinen Beruf aufgab und ins Ammerland zog. Dort lebt er heute mit seiner Ehefrau und seinen zwei Hunden. In seiner Freizeit geht der Geschichtsinteressierte gern wandern.

Bereits in seiner Zeit als Geistlicher publizierte er zahlreiche Werke, beispielsweise über seine Gemeinde und deren Schutzheiligen, St. Arnold von Arnoldsweiler. Später folgten zahlreiche Rezensionen, vor allem im Oldenburger Jahrbuch sowie Aufsätze zu regionalen Themen.

Auf seine Veröffentlichungen über zwei jüdische Familien in Arnoldsweiler sowie das Fotoalbum für den Oberdeichgrafen Hans Christoph Peters von 1867 ist er ebenfalls besonders stolz.

Die Arbeit zum Oldenburgischen Landtag kann in der Westersteder Bücherei sowie im Stadtarchiv eingesehen werden.

Anna Lisa Oehlmann Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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