Oldenburg Der Lockenkopf als Markenzeichen des Cartoonisten Til Mette hat im Laufe der Jahre zwar an Farbe verloren, ist aber beim Gespräch im Artcafé ohne Verluste an Masse deutlich erkennbar. Nordwest-Radio hatte Til Mette nach Sandra Petersmann als zweiten Frühlingsgast eingeladen. Alexander Brauer stellte sich als neuer Interviewer vor.

Mette ist als Cartoonist und Karikaturist für den „Stern“ und den „Kurier am Sonntag“ (Bremen) tätig. Er spricht deutliche Worte. Es sei gar nicht schwierig, auch von Hamburg aus, Bremer Themen zu Papier zu bringen. In Bremen ändere sich nicht viel. Eine Folge von 70 Jahre Sozialdemokratie: „Wenn man den Bürgermeister einmal zeichnet, kann man ihn die nächsten 20 Jahre zeichnen“, so Mette. Er lese viel und telefoniere mit Freunden, um sich über Bremen auf dem Laufenden zu halten. Mette ist oft in Oldenburg, hat aber noch nicht so ganz viel von der Stadt gesehen: „Weil ich immer direkt zum Lappan-Verlag fahre und wir dann in irgendeiner Spelunke beim Rotwein versumpfen“, entschuldigte er sich bei den Oldenburgern.

Als Kind hat er in Bielefeld die reformpädagogische Schule besucht. „Ich war froh, aus dem gymnasialen Terror rauszukommen“, erinnert Mette sich. Auf einer normalen Schule hätte er es nie zum Abitur geschafft. „So konnte ich alle Wissensfächer abwählen und mich den Laberfächern zuwenden“, so der Künstler. Seine ersten Liebesbriefe hat er gezeichnet und nach eigenen Worten damit auch Erfolg gehabt. „In den Sprechblasen kann man eh nicht viel sagen“, so seine Erfahrung als Heranwachsender. Von den Eltern bekam er eine große Unterstützung, und in einer familiär problematischen Zeit hat ihm das Zeichnen sehr geholfen.

Für die Sendung hat er sich das Stück des Falsett Sängers Tiny Tim „People are strange“ (Menschen sind merkwürdig) gewünscht. Mette hört gern Musik, aber nicht in der kreativen Phase: „Da brauch’ ich meine Ruhe“. Jeden Donnerstag ist „hardcore Tag“, dann gerät er in Panik, weil er freitags beim Stern „abliefern“ muss und es manchmal lange dauert, bis ihm etwas einfällt. „Ich zerknülle so gern Papier, deshalb arbeite ich weniger mit digitalen Medien“. In dieser Phase glaubt er auch „der doofste Idiot“ zu sein und wundert sich dann immer wieder, dass die Resultate in der Regel ohne Kritik angenommen werden. In seinen Arbeiten möchte er nicht maßregeln oder auf das Schlechte hinweisen. „Ich bin keine Typ für Schweinereien.“ Vielmehr möchte er das Absurde, das Abstruse betonen. Dass der Vorsitzende der FDP, Christian Lindner, den Fußballer Mesut Özil dafür kritisiert, dass der die Nationalhymne nicht mitsingt, findet er zwar komisch. Aber nein, Politik könne er nicht machen. „Ich könnte nicht mal mit einem Politiker befreundet sein“, meint der Zeichner. Die 15 Jahre in Amerika haben ihm gut getan, aber dann gab es familiäre Gründe wieder nach Hamburg zurück zu kehren. Die Mädchensozialisation findet er in den USA nicht gut. Dagegen sei Deutschland zu Kindern großartig.

Sein Publikum seien die 40-jährigen linksliberalen Bildungsbürger. „Die verstehen meine Zeichnungen“, so der Künstler, denn erklären würde er seine Werke nicht.

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