Oldenburg Vor kurzem sei er in Dresden und Leipzig zu seinem Text „Ein Querulant hört was knarren“ gefragt worden, ob es sich um eine kryptische Reaktion auf die Pegida-Bewegung handle. Max Goldt (56) verneinte, da der Text schon älter sei. Bei seiner Lesung in der Kulturetage wird schnell klar, warum diese Frage aufkam. Denn Goldt beschreibt, dass der Querulant an sich keinerlei Sachkenntnis, dafür aber ein übersteigertes, vagabundierendes Oppositionsbedürfnis habe. Und er werfe allen Medien pauschal vor, zu lügen.

Querulanten alter Schule erlebe man heutzutage selten in Aktion, da sie ihre Aktivitäten weitgehend ins Internet verlegt hätten. Vor dem „Zeitalter des Cyberspace“ hätten sie Zeitschriften-Abonnements nur abgeschlossen, um Redaktionen regelmäßig mit geharnischten Leserbriefen zu drohen. Dabei würden sie immer das gleiche Vokabular verwenden. Etwa: „Schreiberling“, „Schülerzeitungs-Niveau“ oder „für dumm verkaufen“. Zudem gepaart mit vielen Frage- und Ausrufezeichen, was Goldt als „aus der Psychiatrie bekannte querulatorische Interpunktionsexzesse“ bezeichnet.

Goldt kostet die Sprache mit hemmungslosem Gebrauch des Konjunktivs genüsslich aus. Er liest mit ruhiger Betonung und angenehmer Stimme. Dabei schweift er gerne ab, kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Aber man folgt ihm gerne in diesen abstrusen Gedankenkosmos, der irgendwie doch ein signifikantes Schlaglicht auf abseitige Realitäten wirft.

So ruft er in Erinnerung, dass das Wort „Fan“ von „Fanatiker“ abgeleitet ist. Diese seien nicht unbedingt freundlich, sondern oft verbohrt und fehlgeleitet. Daher fragt Goldt augenzwinkernd: „Warum sollte man jemanden als interessiert bezeichnen, der brüllt und pfeift, wenn man ihm ein Lied vorträgt?“.

In „Mein preußischer Nachmittag“ schildert er eine Begegnung mit der in den 1920ern bekannten Chansonsängerin Blandine Ebinger. Zu Zeiten seines Musikprojekts „Foyer des Arts“ in den 1980ern bat er sie, ein Lied von ihr neu vertonen zu dürfen. Hier liefert Goldt sogar eine Gesangs-Kostprobe ab, die Ebinger mit einem zackigen „Stehen Sie gerade und singen Sie laut!“ korrigiert haben soll.

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