Betrifft: „Beim Grafen gilt für zwei Wochen der Videobeweis“ und Kommentar „Falsche Aussage“ von Thomas Husmann (NWZ vom Mittwoch, 20. März) sowie nachfolgende Berichte und die dazugehörige Online-Umfrage der NWZ

Ich befürworte die dauerhafte Aufstellung des Reiterstandbildes. Am besten stelle man es neben den schon vorhandenen anderen Landesherren auf dem Schloßplatz samt einer Tafel, die die geschichtlichen Tatsachen beschreibt und nicht gefühlte politisch gefärbte Urteile der Gegenwart.

Anton Günther wirkt wahrlich dauerhaft bis in unsere Tage und böte einen würdigen Genossen neben dem anderen Landesherren allein schon dadurch, dass heute Menschen leben, deren Vorfahren ja eben nicht von den Söldnern Tillys getötet wurden oder verhungerten. Die geschickte Verhandlungsführung Anton Günthers hat ja eben dieses verhindert.

Sie schreiben: „Kritiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen“. Ja, die sollten mal nach Gripsholm fahren und dort im Schloss die Würdigung des Westfälischen Friedens auf sich wirken lassen. Ihnen könnte das Glück geschehen, dass sich ihre überhebliche Missdeutung dieses Abschnittes der Geschichte verflüchtigte und sie darüber ins Beifallklatschen gerieten.

Günter Brüning
Oldenburg

Horst Milde hat Recht. Das Standbild soll und muss in Oldenburg bleiben. Oldenburg war mal ein eigenes Land (Großherzogtum). Heute gibt es doch noch den Begriff „Südoldenburg“ für die Landkreise Vechta und Cloppenburg. Es gibt den Landkreis Oldenburg. Es gibt das Lied „Heil Dir o Oldenburg, heil Deinen Farben…..“

Warum gibt es Leute, die diese geschichtliche Entwicklung auf so harte, aber für mich unverständliche Weise verneinen bzw. beseitigen wollen oder was immer deren Pläne gemessen am Reiterstandbild sonst sind.

Heinrich Enneking
Oldenburg

Ich weiß nicht, ob die Oldenburger etwas Besonderes sind. Vergleichbare – wenn auch von bekannteren Leuten geschaffene – Statuen gibt es ja auch anderswo, da gab es aber meines Wissens nicht ein solches Theater: Ist es auf dem Kurfürstendamm in Berlin? Wo ein Reiterstandbild von Friedrich II. steht, er wird auch „der Große“ genannt, jedenfalls höre ich nichts von Protesten.

Mitten im Frieden, kurz nachdem die völlig unerfahrene Maria Theresia die Herrschaft übernommen hatte, überfiel er das Habsburgerreich und raubte kurzerhand Schlesien. Die sein Land umgebenden Staaten überfiel er und holte sich deren Untertanen als Soldaten. Nach dem ewiglangen Krieg – dem Siebenjährigen – lässt er sich ein neues protziges Schloss bauen, das er kaum benutzt und er kauft seine berühmten dreihundert diamantbesetzten Tabakdosen.

Und er lässt eigene und fremde Münzen umschmelzen, um ihnen Silber zu entziehen. Für seine Kriegsinvaliden hat er kein Geld.

Ich weiß noch von einem zweiten Herrn zu Pferde: Jan Wellem vor dem Rathaus in Düsseldorf. Über sein Standbild habe ich nur Positives gehört. Er war ja auch bei Weitem nicht so ein Wüterich wie der Friederich. Nur, als er in Bayern die Herrschaft übernahm, ließ er gleich die Düsseldorfer Gemäldesammlung mitgehen, sie bildete den Grundstock der Münchner Pinakothek. Sein Standbild blieb stehen.

Verglichen damit erscheint mir Anton Günther als ein rechter Menschenfreund und eines Standbilds würdig.

Dr. Hans-Peter Geis
Oldenburg

Zur Diskussion um das Reiterstandbild möchte ich meinen Vorschlag wiederholen, den ich schon vor Jahren mal gemacht habe:

Stellt den Grafen doch an exponierter Stelle in den Schlosshöfen auf. Dort passt er von der Größe hin, dort ist er in der Nähe des Schlosses, wo er ja im Sinne des Stifters hingehört, dort ist er ein wenig unter Bewachung, vor allem nachts vor Vandalen sicher weil dort nachts zu ist.

Dann ist der Graf, den viele Bürger nicht wollen, manche aber schon, in einer Umgebung, die auch viele Bürger nicht wollten, manche aber schon.

Oliver Herbolzheimer
Oldenburg

Wohin mit dem Reiterstandbild von „Graf Anton Günter“? Ich habe einen Vorschlag wie man das Ungeliebte vielleicht los werden könnte.

Wir haben in der „Friesischen Wehde“ das Neuenburger Schloss in der Gemeinde Zetel. Das Schloss wurde von der Grafenfamilie als Sommerresidenz häufig aufgesucht zum Jagen im Neuenburger Forst.

Das Schloss ist in den letzten Jahren aufwendig restauriert worden, und ist ein Kleinod in unserer Region. Ein Reiterstandbild wäre für den Innenhof wohl eine Bereicherung auch für die Geschichte des Oldenburger Landes.

Das Verhalten des Stadtrates von Oldenburg und das Kulturministerium in Hannover ist für mich als Bürger unverständlich. Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen, im Jahr 1848 bis zur Gründung der Bundesrepublik war es ein leidvoller Weg (Kriege, Vertreibung).

Umso wichtiger ist es, sich mit der Geschichte zu befassen, dazu gehört eben auch der Graf Anton Günter mit seinem Schloss in Oldenburg und Neuenburg.

Wer seine Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten. Der Künstler Walter Hilpert war ja kein Unbekannter in der Kunstszene.

Wolfgang A. Janßen
Bockhorn

Das Graf Anton Günther-Reiterstandbild soll dauerhaft am Oldenburger Schloss aufgestellt werden. Egal, was die „Fachleute“ davon halten!

Almut Kühn
Waldems

Die Diskussion um das Reiterstandbild Graf-Anton-Günther vom Künstler Bernd Eylers sollte ein Ende haben.

Der Oldenburger muss nicht traurig sein über die Abholung des Standbildes vom Schloss, denn es ist jederzeit (und das bereits seit Jahren) in Kreyenbrück auf dem Gelände einer Waschanlage im Vorbeifahren oder nach der Autowäsche ausreichend zu betrachten. Gut gesichert in einem Stahlketten-Gatter!

Oldenburg, bzw. Graf-Anton-Günther, hat kein Kunstwerk verdient, welches bereits als „Doppelter Anton“ neben einer „Autowaschanlage“ existiert.

Dass der Halter des Pferdes nun mit diesem auf Reisen geht, finde ich gut. So profitieren schließlich alle davon. Der Künstler erhöht seinen Bekanntheitsgrad, der Stadt Oldenburg widerfährt eine kostenlose Werbung, und der Graf sieht auf seine alten Tage noch etwas von der Welt.

Dirk Schierhold
Oldenburg

Ich muss mich leider auf diesem Weg an der Umfrage beteiligen, weil die „Umfrageheld...“ Adresse für mich nicht zugänglich ist. (...)

1. In der Debatte um das Reiterstandbild von Graf Anton Günther behaupten die Befürworter, dass der Graf ein Friedensfürst gewesen sei. Sie nehmen den wissenschaftlichen Aufsatz von Prof. Dr. Gerd Steinwascher, über den auch die NWZ berichtete, nicht zur Kenntnis. Der Aufsatz ist im Oldenburger Jahrbuch 2017 nachzulesen. Graf Anton Günther war ein absolutistischer Landesherr, der vor allem seine eigenen Interessen und seinen Reichtum pflegte.

2. Soll Oldenburg rückwärtsgewandt, gräflich, absolutistisch und muffig sein oder bürgerschaftlich, demokratisch und zukunftsoffen?

3. Kann eine Umfrage und ihr sicher nicht repräsentatives Ergebnis ausschlaggebend sein für die Frage, ob ein misslungenes Reiterstandbild eines absolutistischen Grafen aufgestellt werden soll? Ein so kümmerliches Standbild hat auch Graf Anton Günther nicht verdient.

4. Die Diskussion um dieses Standbild sollte lieber darum geführt werden, welche Identität die Stadt Oldenburg und ihre Bürger sich für diese Stadt wünschen und wie wir zusammen eine moderne, weltoffene, sozialgerechte, kulturbewusste, liebenswürdige Stadt entwickeln können, in der wir alle gerne leben.

Dr. Ekkehard Seeber
Oldenburg

„Du musst dankbar sein, wenn du etwas geschenkt bekommst“, so habe ich es in meiner Kindheit gelernt. Stimmt das denn so?

Wenn Oma Ida und Tante Luzia mir damals ein unbrauchbares Geschenk mitgebracht hatten, habe ich es in die hinterste Ecke meines Zimmers gestellt. Bei dem Erscheinen der älteren Damen musste ich diese wieder sichtbar platziert in „Ehre und Dankbarkeit“ in die Wohnung stellen. So gehörte sich das.

Nun zu unserer Grafenstatue, wo die Meinungen über die Brauchbarkeit oder das passende Plätzchen für die in Bronze gegossenen Gefährten auseinander gehen.

Ein Plätzchen in der hintersten Ecke von Oldenburg oder thronend vor dem Schloss. Ganz egal, wo Ross und Reiter landen, schon längst sind sie eine Berühmtheit in vielen Städten und Ländern, eingebunden in Medien und Presse.

Während der Heimfahrt eines Biergartenbesuches im letzen Jahr, hatte ich die Erscheinung gehabt, der Graf würde hoch zu Ross an der Bremer Heerstraße seine Gerte erheben, um nun endlich seine ewige Ruhe einzuklagen. Damit sein Geist mich in diesem Jahr nicht wieder einholt, schlage ich vor, den Kranich im Schlossgarten weiden zu lassen, und der Graf hätte eine würdige Kulisse zwischen den alten Bäumen und dem schönsten Platz, den Oldenburg zu bieten hat.

Brigitte Zuch
Oldenburg

(...) Horst Milde benutzt für Ihren Kommentar zum Standbild (...) heftige Worte mit feudal-herkömmlicher Attitüde (...) nicht zuletzt, weil er parallel den ehemaligen Landtag, der ihm nicht zu Willen war, ebenso harsch als mit der Entscheidung zum Standbild „überfordert“ sah. Wer sich (...) auf angebliche „Mehrheiten“ beruft, anstatt wie Wolfgang Oehrl mit Geschichtskenntnissen und guten Argumenten argumentiert, macht sich anfechtbar. Grund genug für Sie, Herr Husmann, ihren unpassenden Kommentar und die heftige Kritik Mildes daran, zu den erinnerungsunwürdigen Akten zu legen.

Volker Meyer
Oldenburg


Alles über die Ergebnisse der Online-Umfrage der NWZ unter   bit.ly/2u7fnwu 
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