Oldenburg Felix Beilstein hat einen ganz besonderen Blick auf diese Welt. Und so sieht er vieles anders als andere: Zu seinen Traumberufen zählt er Ballonfahrer, Pianist, Politiker oder auch Zeitungsleser. Auf jeden Fall hat er seine Traumberufe zum Thema seines fünften, großformatigen Buches gemacht. Der 44-jährige Sohn des Oldenburger Künstlerpaares Heidi und Klaus Beilstein malt seit Jahren mit einer sehr eigenen, farbenfrohen Bildsprache. Und wer sich auf das Werk einlässt, kann eben jene ganz besondere, an Details reiche Malerei entdecken. Doch nicht nur die Bilder faszinieren durch ihre fantasievolle Gestaltung, sondern auch die handgeschriebenen Texte laden immer wieder zum Schmunzeln ein.

Felix Beilstein ist ein Autist, der bis zu seinem 5. Geburtstag kein Wort gesprochen hat. Vor 40 Jahren kannten sich Mediziner mit der angeborenen und nicht heilbaren Störung der Informationsverarbeitung noch nicht so gut aus wie heute. So hielt man etwa den kleinen Jungen für schwerhörig und verpasste ihm ein Hörgerät. Gern erzählt Vater Klaus Beilstein die Anekdote, wie Felix sein erstes Hörgerät während eines Spaziergangs im Botanischen Garten vergraben hat. „Das zweite landete dann in unserem Garten unter der Erde“, erinnert er sich.

Um herauszufinden, was dem Jungen fehlt, konsultierte man viele Ärzte. Gewissheit brachte erst ein Aufenthalt im Münchner Autismus-Zentrum: Ja, Felix ist Autist.

Inzwischen begegnet man in den Medien häufiger Autisten, die etwa eine Sonder- oder Inselbegabung haben. Manche können unendlich komplizierte Matheaufgaben in Sekundenschnelle lösen, andere Städte von oben zeichnen oder korrekte Wochentage in entfernten Jahrzehnten benennen. Ganz typisch für diese Menschen: Sie lassen sich nicht gern berühren.

Felix ging nie gern mit anderen Kindern auf den Spielplatz. Er sei schon als Junge gern allein gewesen und habe gemalt, berichtet der Vater. Darüber kamen die Eltern auch mit ihm in Kontakt und konnten so mit ihrem Kind kommunizieren.

Es entstanden sogenannte Schimpfbilder: Über die gemalten Figuren konnte Felix sein Missfallen oder seine Freude ausdrücken, denn seine Figuren erlebten stellvertretend Situationen aus Felix’ Leben.

Und so entwickelte sich daraus die Idee, Felix Bilder zu veröffentlichen: 2004 malte er Jazz-Größen wie Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Einige Blätter wurden sogar im Auswärtigen Amt gezeigt. Auf der documenta war die Serie „Ali Baba und die 40 Räuber“ zu sehen. Als Felix einmal Gewichtsprobleme hatte, kamen die Dicken aufs Blatt, und 2013 folgten dann prächtige Könige.

Jetzt hat Felix Beilstein seine Vorstellungen von Traumberufen gezeichnet: vom Politiker, dem eine Ähnlichkeit mit Außenminister Frank Steinmeier nicht abzusprechen ist, bis hin zum Treckerfahrer oder auch zum Clown oder Geiger.

Das großformatige Buch ist im Isensee-Verlag erschienen und kostet 30 Euro.

Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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