Ohmstede Neue Erinnerungsstätte auf dem Ohmsteder Friedhof: Nach den Plänen von Prof. Ulrich Blech ist in den vergangenen Monaten eine Gedenkstätte entstanden, die an die in Ohmstede verstorbenen Zwangsarbeiter erinnert. „Die Namen dieser 326 Erwachsenen und Kinder sollen nicht in Vergessenheit geraten“, erklärt Pastor Holger de Buhr den Grund für das Projekt der Ev.-luth. Kirchengemeinde Ohmstede. Die Erinnerungsstätte, die am 3. Mai eingeweiht wird, löst das Denkmal ab, das Berufsschüler vor elf Jahren anlässlich eines Besuchs überlebender Zwangsarbeiter aufstellten.

Größtes Arbeitslager

Hintergrund: Zur Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte und Kriegsgefangenen ließen die Nationalsozialisten in Oldenburg etwa 60 Arbeitslager einrichten. Das größte Lager zur Registrierung und Verteilung der Arbeitskräfte im Arbeitsamtsbezirk Oldenburg war das im Jahre 1942 errichtete „Ostarbeiterdurchgangslager“ auf dem früheren Rennplatz im Stadtteil Ohmstede.

Etwa 40 000 Zwangsarbeiter, vor allem aus Polen und der früheren Sowjetunion, sollen zwischen 1942 und 1945 durch das Lager gegangen sein, bevor sie in der Region weitervermittelt wurden. Einige mussten auch in der Stadt Oldenburg arbeiten (unter anderem beim Bau der Umgehungsstraße). Es existierten im Lager auch Krankenbaracken sowie Sammel- und Sterbelager. Schwangere mussten ihre Kinder in der Entbindungs- und Säuglingsbaracke im Lager zur Welt bringen – und in vielen Fällen dort auch zurücklassen.

Nach offiziellen Aufzeichnungen kamen im Lager 326 Menschen, darunter 111 Kinder, ums Leben. Die meisten starben an Fleckfieber, Unterernährung oder Entkräftung. Im westlichen Teil des nahegelegenen Friedhofs der Kirchengemeinde Ohmstede ließen die Behörden die Toten in einfachster Weise in einem Sammelgrab bestatten.

„Dort, wo sich einst dieses Sammelgrab befand, steht heute die Erinnerungsstätte“, berichtet Marco Wingert, Schulreferent beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der den Anstoß gab, die Toten aus ihrer Anonymität zu holen und die Namen der Zwangsarbeiter zu veröffentlichen.

Eine Initiative aus Vertretern der Kirchengemeinde (Friedhofsausschuss), des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, des Arbeitskreises Erinnerungsgang, des Fördervereins Internationales Fluchtmuseum und der IGS Flötenteich befasst sich seit einem Jahr mit dem Projekt. Der emeritierte FH-Professor Ulrich Blech entwarf (ehrenamtlich) die Konstruktion.

Alte Symbole

Bei seinem Entwurf orientierte sich Blech an alten Symbolen: dem Kreis für das Himmelsgewölbe und der Vier für die weltliche Ordnung. So ragen auf einem Kreis-Kreuzfundament vier Beton-Stelen – hinweisend auf die vier Himmelsrichtungen – in die Höhe. Darauf wurden Glasscheiben montiert, die die Namen aller Zwangsarbeiter tragen. Derzeit fehlt am Boden noch das Podest mit der Inschrift „Gott wird abwischen alle Tränen“.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 16 000 Euro. An der Finanzierung beteiligt sich die Stadt mit einem Zuschuss von 10 000 Euro, ein privater Spender gab 5000 Euro. Somit fehlen derzeit noch 1000 Euro.

Zur Einweihung legen Bürgermeisterin Annelen Meyer und Pastor de Buhr am Sonntag, 3. Mai, 15 Uhr, einen Kranz an der Erinnerungsstätte nieder. Der Chor Bundschuh singt zwei Lieder, Schüler der IGS Flötenteich erinnern mit 326 Blumen an die Toten.

Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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