OLDENBURG Es hat sich ausgefeiert, das Jubiläum „50 Jahre Diskotheken in Deutschland“ ist vorbei. In Oldenburg aber denkt mancher altgediente Tanzschuppengänger an die große Zeit der wirklich kultigen Diskos mit progressiver Musik zurück – und zu denen gehören mit Sicherheit das „Tiffany“ an der Alexanderstraße und der „Etzhorner Krug“ an der Butjadinger Straße.

Beide Läden hatten nur eine arg begrenzte Lebensdauer (das „Tiffany“ von 1973 bis 1977, der „Etzhorner“ von 1975 bis 1982), doch beide sind im Gegensatz zu vielen anderen Szenekneipen jener Jahre unvergessen. „Das war schon eine gute Zeit, die ist so nie wieder gekommen“, meint Hans-Hermann Brüggemann.

Nebelmaschine eingesetzt

Der heute 59-Jährige war damals regelmäßiger Gast im „Tiffany“. „Ab 1974 bin ich vom ,Pferdestall’ rübergewechselt“, erzählt er. Der Wechsel war dauerhaft: „Mich hat diese Musik sofort angemacht.“ Dafür zuständig war Emil Penning, Inhaber, Musiker und Diskjockey in Personalunion. „Der hat mit den VitaVox-Boxen die beste Anlage gehabt und aus Holland immer die neuesten Platten von Manfred Mann’s Earth Band, Frank Zappa, Jane oder AC/DC geholt“, ist Brüggemann heute noch begeistert. Die Nebelmaschine und die Stroboskoplampen taten ein Übriges, um ihn ebenso wie viele andere junge und – so hieß das damals – progressive Leute an das „Tiffany“ zu binden.

„Die Person Emil Penning war aber für die besondere Atmosphäre ebenfalls wichtig“, meint Brüggemann. „Der rannte mal mit Schlange, herzförmiger Sonnenbrille und Zylinder herum, dann habe ich bei einem seiner Wettbewerbe einen Cockerspaniel-Welpen gewonnen, den ich 15 Jahre lang hatte. Immer gab es irgendwelche Aktionen.“ Nur Schlägereien, meint der ehemalige Disko-Fan, die habe es im „Tiffany“ niemals gegeben.

Eine unter Umständen im Rückblick geschönte Erinnerung, die aber Ulli Brinkhaus für den „Etzhorner Krug“ ebenfalls reklamiert: „Die Szene bei uns war friedlich“, sagt der heute 56-Jährige, der als Diskjockey zusammen mit Otto Sell für den unvergleichlichen Musikstil im Stadtnorden sorgte. „Wir haben die Kurve gekriegt damals von der Kneipe für links orientierte Jugendliche zur Disko für alle“, freut sich Brinkhaus.

Dreimal in der Woche öffnete der „Etzhorner“, und dreimal pro Woche stürmten gut 1000 Gäste das ehemalige Zollhaus. „400 Räder vor der Tür und unzählige Autos, das war normal“, erzählt der Ex-Diskjockey. Das frühe Ende des konkurrierenden „Tiffany“ dürfte dem Erfolg nicht abträglich gewesen sein.

Richtigen Ton getroffen

Bis heute ist Brinkhaus, der in den Clubs von Bremerhaven auf den Geschmack gekommen war, stolz darauf, mit dem richtigen Musikmix die Tanzfläche stets voll gemacht zu haben. „Erst was Schnelles, amerikanischer Gitarrenrock, dann Soul und Blues und dann wieder härter. Die Mädchen fanden, wir hätten den richtigen Ton getroffen.“ Die Musik, aber auch die selbst gemachten Pizzas aus der „Etzhorner“-Küche und ein Kneipenteam, das kaum Fluktuation aufwies, waren Gründe für die Beliebtheit des „Etzhorners“, glaubt Brinkhaus.

Dennoch war Anfang der 80er Jahre alles vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung bei vielen Gästen an zwei Diskotheken, die mehr waren als nur ein Treff der Jugend – sie standen für ein Lebensgefühl.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.