Oldenburg Vier Frauen sitzen im Inforum im PFL um den Tisch und erinnern sich an längst vergangene Zeiten. Die Vier sind alle über 70 und an ganz verschiedenen Orten aufgewachsen: Bremerhaven, Breslau, Oldenburg, Stolp und Wilhelmshaven. Doch eines hat sie als Kinder geprägt: der Zweite Weltkrieg. Heute leben sie in Oldenburg und sind immer wieder als Zeitzeugen gefragt, auch – wenn ab Sonntag, 16. Juni, in der Aktionswoche „Kriegskinder“ auch diese Zeit thematisiert wird von Klinikum, Inforum und Geriatrischem Zentrum.

Gudrun Sahlender-Wulf (72) hat ein viereckiges Namens-Schild an einem Band aufbewahrt. Es ist ganz vergilbt. Ihre Mutter hatte es ihr umgehängt, als sie aus Stolp (Pommern) flüchten mussten. Anke Müller-de Rot (75) legt das vergilbte Bild eines blonden Mädchens auf den Tisch. So sah sie aus, als sie mit ihrer Schultüte in Wilhelmshaven während des Bombenalarms eingeschult wurde.

Als die ABC-Schüler aus dem Keller kamen, stand die Schule nicht mehr. Wenige Tage später wurde eine Schulfreundin von Bomben zerfetzt. Sie erkannte nur noch das Armband an deren Arm. Es war nicht die letzte Tote, die sie schon als Kind sah. Ihr Fazit: „Ich bin Berufsoptimistin geworden.“

Ruth Hoting (80), die in Bremerhaven aufwuchs und in Oldenburg die Zeitzeugenbörse gründete, sagt: „Für uns war der Krieg auch ein großer Abenteuerspielplatz, wir sammelten Flaksplitter und fanden die Bomberverbände toll.“ Mit dem Abstand der Jahre steht sie heute manchmal auf dem Friedhof in Bremerhaven, auf dem ihre Freundin begraben liegt, die damals bei einem Angriff starb, gerade einmal zehn Jahre alt. Und Ursula Künkenrenken (76) flüchtete mit ihrer Familie aus Breslau. Auch sie wurde früh mit Gewalt und Tod konfrontiert. Musik war ihr später oft Trost. „Wenn ich darüber spreche, kommen alle Bilder wieder“, sagt sie.

Vom 16. bis 23. Juni geht es um Kindheiten in Kriegszeiten und deren Folgen für die Menschen und die Familien – nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern auch zu anderen Zeiten und auf anderen Kontinenten. Eingeladen ist etwa Mahamoudou Doukouré (Ibis).

Geplant sind Ausstellung (Anne-Frank-Zentrum, Berlin), Erzählcafé, Fachtagung, Diskussion und Film-Matinee. So bieten sich Möglichkeiten, unterschiedliche Aspekte einer Kindheit in Kriegszeiten zu thematisieren. Zu Wort kommt u.a. Prof. Dr. Hartmut Radebold (Kassel), der Schatten der Vergangenheit ausleuchtet, aber auch die Hamburger Autorin Anne-Ev Ustorf, die über „Kinder der Kriegskinder“ geschrieben hat. Dr. Thomas Brieden, Chefarzt Karl-Jaspers-Klinik, spricht über den Umgang mit traumatischen Erfahrungen.


Programm unter      www.klinikum-oldenburg.de 
  www.oldenburg.de/inforum 
Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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