Frage: Frau Hehmsoth, welche Rolle spielt der Tod in dem Stück?

Hehmsoth: Eine große. Er kommt und will mich holen.

Frage: Und in Ihrem Leben?

Hehmsoth: Er gehört dazu, er kommt immer näher. Die Reihen um mich lichten sich. Heute morgen haben wir die Mutter eines Mitspielers beerdigt. Ich habe geweint – aber mehr um mich und die Vergänglichkeit. Der Tod hat viele Gesichter.

Frage: Wären Sie gerne wieder jung?

Hehmsoth: Ach nein. Ich hatte meine Jugend. Und die war toll, ich hab’ die 68er mitgemacht – mit den Beatles und Disconächten. Ich hab’ ein reiches Leben mit vielen Facetten gehabt.

Frage: Hätten Sie irgendetwas anders machen wollen?

Hehmsoth: Nein. Es war viel los. Und den richtigen Mann habe ich mir auch ausgesucht.

Frage: Verstehen Sie die Jugend von heute?

Hehmsoth: Natürlich. Die sind toll, die machen ihr Ding. Ich engagiere mich selbst politisch, um meinen Enkeln zu zeigen, dass auch Omas ihre Stimme erheben können.

Frage: Und Theater spielen...

Hehmsoth: Das mache ich eher für mich. Unsere Gruppe existiert seit Februar. Der Regisseur, ein junger Mann, hat damals eine Anzeige in der Nordwest-Zeitung geschaltet – und es haben sich unendlich viele gemeldet. Übrig geblieben ist ein Kreis von elf Menschen zwischen 58 und 70.

Frage: Senioren?

Hehmsoth: Ja. Wobei ich den Begriff nicht mag. Ich bin eine alte Frau. Punkt.

Frage: Sind sie gerne alt?

Hehmsoth: Ja. Ich hatte auch nie ein Problem mit dem Älterwerden. Ob da jetzt eine fünf oder sechs vor steht, war mir immer egal.

Frage: Haben Sie vor gar nichts Angst?

Hehmsoth: Doch. Ich habe Angst davor, dass mein Mann irgendwann vor mir stirbt. Wir sind jetzt 47 Jahre zusammen. Nach so langer Zeit ist man miteinander verwachsen – trotz aller Macken.

Frage: Was fürchten Sie noch? Den ersten, öffentlichen Auftritt?

Hehmsoth: Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Wir sind alle Laien, denen es durchaus schwer gefallen ist, einen Text auswendig zu lernen. Und es gibt etliche Passagen, wo ich allein auf der Bühne stehe und meine Rolle spielen muss. Natürlich unterstützen wir uns gegenseitig – aber wir sind eben auch alle Individuen. Und Senioren.

Frage: Sind Senioren so schwierig?

Hehmsoth: Ein bisschen. Manchmal sind wir wie ein kleiner Kindergarten – richtig zickig. Und wir sind es nicht mehr gewohnt, uns auf andere einzulassen. Im Stück selbst geht es auch um die Probleme älterer Menschen, sich den Anforderungen der heutigen Gesellschaft zu stellen.

Frage: Gelingt es?

Hehmsoth: Es gibt einige Hürden – fünf alte Frauen wollen zurück in die Arbeitswelt und lassen sich dafür coachen. Ich bin eine davon – Frau Klein.

Frage: Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Frau Klein?

Hehmsoth: Zum Glück nicht. Frau Klein ist schüchtern und verhuscht und will es jedem Recht machen. Unsere einzige Gemeinsamkeit ist der nicht allzu weit entfernte Tod.

Frage: Sie wirken aber ganz lebendig...

Hehmsoth: Bin ich auch. Das Theaterspielen belebt. Ich finde es toll, mit 70 auf der Bühne zu stehen und nervös zu sein. Ich denke derzeit an nichts anderes. Ich putze nicht mehr – das Haus ist ein Chaos. Es ist eine Art inneres Jung-Sein. Und das kann ich in vollen Zügen genießen.

Frage: Was sagt denn Ihr Mann dazu?

Hehmsoth: Fragen Sie ihn.

Frage: Herr Hehmsoth, was sagen Sie dazu, dass Ihre Frau gerade nur noch Theater macht?

Wolfgang Hehmsoth: Ich finde das toll. Endlich mal wieder Aufregung. Und das mit dem Haushalt mach’ ich jetzt einfach – ich habe einen Akku-Staubsauger, mit dem kriege ich ruckzuck die Wollmäuse weg. Gar kein Problem.

  Das selbstverfasste Stück „Die Bewerberinnen“ des Seniorentheaters Amazing Grey wird Freitag, 6., und Samstag, 7. Dezember, 19 Uhr in der Waldorfschule am Blumenhof 9 aufgeführt. Die Eintrittskarten kosten 7 Euro. Das Laien-Ensemble probt einmal die Woche, dienstags, 19.30 Uhr, im Blumenhof 9, außer in den Schulferien, unter Leitung eines Regisseurs. Interessierte können einfach vorbeikommen.

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Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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