Oldenburg Dass es eines der letzten Udo-Jürgens-Konzerte überhaupt sein würde, konnte Heinz-Gerd Hollwege beim Kauf der Eintrittskarten nicht ahnen. Den Auftritt des Künstlers, der wenige Wochen nach dem Konzert starb, verpasste der 65-Jährige Ende November jedoch, da er die Tickets für die Oldenburger EWE-Arena freiwillig zurückgab. „Ich empfand das Verhalten des Veranstalters diskriminierend und ausgrenzend“, ärgert sich der Rollstuhlfahrer.

„Wie jedes andere Paar auch hätten meine Frau und ich das Konzert gern gemeinsam auf zwei nebeneinander liegenden Plätzen verfolgt“, begründet der Oldenburger. Doch daraus wurde nichts. Sein Rollstuhlplatz, so erzählt er, hätte sich in Reihe 19 befunden, seine Frau Ingrid sollte als Begleiterin in Reihe 18 Platz nehmen. Hollwege ist wegen seiner Behinderung auf eine Begleitperson angewiesen, dokumentiert durch ein „B“ in seinem Ausweis.

Seinem Handicap werde jedoch nicht von allen Veranstaltern Rechnung getragen, beklagt er. Die hinteren Reihen zum Beispiel seien für einen Rollstuhlfahrer nicht akzeptabel: „Ich hätte bei Udo Jürgens 18 Reihen vor mir gehabt. Da das Publikum zur Huldigung der Stars häufig spontan aufsteht, kann ich dann gar nichts mehr sehen.“

Ursprünglich vorgesehene Außenplätze in den attraktiveren vorderen Reihen würden bei Veranstaltungen oft zum Nachteil der Rollstuhlfahrer getauscht, so Hollwege.

Klauseln im Mietvertrag

„Solche Hinweise wie von Herrn Hollwege sind für uns wichtig, damit wir die Situation in den Hallen und Arenen verbessern können“, sagt Hendrik Upgang, Prokurist der Weser-Ems-Hallen. Dass vordere und seitliche Plätze für Rollstuhlfahrer und ihre Begleitpersonen am besten geeignet sind, räumt er ein. Dabei verweist er auf den Standard-Mietvertrag, den die Halle mit den Veranstaltern abschließt. „Bei bestuhlten Veranstaltungen sind im Parkett Außenplätze für Personen mit Behinderung und deren Begleiter, bei unbestuhlten ein den Ansprüchen gerechtes Podest einzurichten“, heißt es dort. Eine Rampe hinter der Bande wird zum Beispiel beim Basketball aufgestellt. Die Heimspiele der VfB-Kicker im Marschwegstadion können Rollstuhlfahrer seit wenigen Monaten ebenfalls auf einer kleinen Tribüne verfolgen.

Die endgültige Platzvergabe in den Arenen nimmt aber der jeweilige Veranstalter vor, erklärt Upgang: „Wir sind mit ihnen in Gesprächen und versuchen darauf einzuwirken, dass sie die Rollstuhlfahrer angemessen berücksichtigen.“

Die baulichen Gegebenheiten in der 2013 eröffneten großen Arena lassen aber nur ebenerdige Parkett-Plätze für Rollstuhlfahrer zu, erläutert der Oldenburger Veranstalter Reinke Haar von E&M Marketing. Der Oberrang steht aus Sicherheitsgründen nicht zur Verfügung. Für jeden Rollstuhlfahrer und seine Begleitperson, die in der Regel freien Eintritt hat, müssten zwei bis drei Plätze freigehalten werden. „Die Saalpläne stehen oft ein Jahr im Voraus fest, wir wollen uns aber bemühen, künftig mehr vordere und seitliche Plätze zur Verfügung zu stellen“, sagt Haar, der die Verteilung insgesamt allerdings als fair einstuft.

Keine Probleme im PFL

„Wenn eine Begleitperson erforderlich ist, ist es schon sinnvoll, dass sie in der Nähe der zu betreuenden Person sitzt“, meint Monika Klumpe vom Behindertenbeirat der Stadt. Im PFL zum Beispiel funktioniere das reibungslos, auch sonst seien keine gravierenden Probleme in Oldenburg bekannt. Als positives Beispiel nennt Hollwege das Theater Laboratorium.

Auch die Vertreter der Weser-Ems-Hallen sprechen mit Behinderten- und Seniorenverbänden über deren Interessen, sagt Upgang. Ein fester Standort für Rollstuhlfahrer sei in den Arenen jedoch nicht möglich, weil die Sicht auf die Bühne stark von der jeweiligen Veranstaltung abhänge. Bei Konzerten sind hintere Plätze laut Upgang so lange unproblematisch, wie die Zuschauer davor sitzen bleiben. Doch das ist eher die Ausnahme, weiß Heinz-Gerd Hollwege aus leidvoller Erfahrung.

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