Oldenburg Es ist nicht leicht, ein Fan von Rock’n’Roll-Musik zu sein. Der Klang der 1950er Jahre ist längst abgelöst durch 100 neue Musikstile, die Schmalztolle und der Petticoat haben ausgedient. Wirklich? Heinz-Günther Hartig zumindest weiß es besser: „Dieser Sound lebt!“ Er muss so etwas sagen, schließlich gibt der Oldenburger das „Rock’n’Roll Musikmagazin“ heraus. Mit stetig gutem Erfolg – und das seit nunmehr exakt 40 Jahren.

Die Magazin-Gründer 1977: stehend von links Hermann Rohde und Claus-D. Röglin, sitzend von links Wilfried Burtke und H.-Günther Hartig BILD: Archiv Hartig
Wie alles begann, Umschlag der ersten Ausgabe des Magazins BILD: Archiv Hartig
Die Magazin-Gründer 1977: stehend von links Hermann Rohde und Claus-D. Röglin, sitzend von links Wilfried Burtke und H.-Günther Hartig BILD: Archiv Hartig
Wie alles begann, Umschlag der ersten Ausgabe des Magazins BILD: Archiv Hartig

Große Party

Mit einer Ganztagsparty wird das 40jährige Bestehen des Rock’n’Roll Musikmagazins begangen. Am Sonnabend, 27. Mai, geht es von 15 Uhr bis spät in die Nacht rund vorm und im „Studio B“, Emsstraße 20.

15 bis 18 Uhr: Schallplatten-, CD- und Bücher-Markt im Innenhof des „Studio B“, Tombola, Oldtimer-Präsentation, Poster-Ausstellung, Frisurkunst aus „Chrissis Barbierstube“. Musik von Tribute Elvis And The Sweet Spirit (Elvis-Presley-Songs), Hurricane Harry And The Tailgunners (Rockabilly) sowie DJ Olli.

Ab 18 Uhr: Livekonzert im Studio B mit Franny & The Fireballs (Rock’n’Roll), Suzie & The Seniors (Beat) sowie Lina, Neela & The Tornados (Rock). Dazu legt DJ Olli auf und es gibt Tanzvorführungen. Extra: Versteigerung zweier Zeichnungen von John Lennon und Ringo Starr sowie eines antiken Grammophon-Schranks.

Mehr Infos unter www.rocknroll-magazin.de

Das Jubiläum, mit dem beim Start nicht unbedingt zu rechnen war, wird demnächst groß gefeiert: Am 27. Mai gibt es im und vor dem Club „Studio B“ an der Emsstraße 20 Livekonzerte, Tanzvorführungen und vieles andere rund um das Gefühl, in den 50er Jahren Musikfan zu sein.

Denn damals, im Mai 1977, waren die Rock’n’Roller in Oldenburg eine zu vernachlässigende Minderheit. Dachten vier Vertreter dieser Spezies, die sich durch Zufall beim Plattensammeln auf dem Flohmarkt am Schloss trafen. Man kam ins Gespräch, stellte Gemeinsamkeiten fest, und dann verabredeten sich Hermann Rohde, Claus-Dieter Röglin, Wilfried Burtke und Hartig für den nächsten Flohmarkt. Zu diesem Termin brachte Röglin ein Heft Marke Eigenbau mit: „Rock“ hieß es, darin zu finden „Knüller“ über Musiker wie Cliff Richard, Elvis Presley und Neil Sedaka. Eine eigene Hitparade (Platz 1: Tommy Steele mit „Come on, let’s go“) hatte Röglin auch beigelegt.

„Klar, ein Produkt von Fans für Fans“, lacht Magazin-Mitgründer Hartig (65) heute. „Aber wir waren begeistert davon. Es war der Anfang und endlich ein Zeichen dafür, dass Rock’n’Roll noch lebendig war.“ Mundpropaganda und Flugblatt-Aktionen bei einschlägigen Konzerten halfen, das Heft bekannt zu machen. Was gelang: Schnell wurde die 300-Abo-Marke erreicht. Die vier Oldenburger Rockexperten, von denen sich vor allem Buchbinder Röglin und Drucker Hartig der Sache annahmen, waren nicht allein mit ihrer Liebe zum Rock’n’Roll und zu den 50er Jahren.

Die Zeitschrift, die ihren Titel fünfmal änderte, erschien bald im Zwei-Monats-Rhythmus und erreichte ein größeres Stammpublikum. Was aus dem einfachen Hobby ein zeitintensives Hobby machte, zumal das Internet noch nicht existierte. „Das Blatt hatte eine Nische gefunden. Es gab viele Leute, die nicht wussten, woher man Infos über diese Musik bekommen konnte. Nun konnten sie sich austauschen über die Szene“, erzählt Hartig von den Anfängen.

Und die Freizeit-Journalisten, die rasch neue Schreiber in ganz Deutschland rekrutieren konnten, investierten viel in ein lesenswertes Blatt. Urlaube wurden genutzt, um vergessene Helden der frühen Rock-Jahre zu besuchen und große Geschichten über sie zu verfassen, Konzerte wurden kritisch belauscht, ebenso neue Alben besprochen. „Alles in Handarbeit, erst der Computer brachte Erleichterung“, meint Hartig. Die gedruckte Auflage wird aber – zusammen mit Ehefrau Waltraut Dröge - immer noch daheim vertriebsfertig gemacht: „Einen Tag Umschläge beschriften und einen Tag eintüten – das gehört dazu“, so der Herausgeber. 800 Abonnenten warten schließlich alle zwei Monate auf Neuigkeiten aus der Welt des Rock’n’Roll.

Die zwar einem logischen Alterungsprozess unterworfen ist (viele Künstler und Leser der Anfangszeit sind inzwischen verstorben, zudem auch Mitgründer Röglin), die aber dennoch einiges zu bieten hat. Die zum Jubiläum erscheinende Ausgabe 233 berichtet u.a. über den kürzlich verstorbenen Chuck Berry, über Sänger Bobby Freeman, die „Queen of the Fifties“ Liz Taylor, Konzertreisen durch Florida – und natürlich über 40 Jahre „Rock’n’Roll Musikmagazin“. Die Zeit des In-der-Ecke-Stehens ist für diese Fans vorüber.

Klaus Fricke
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