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OLDENBURG „Man muss sich entscheiden, sonst gerät man ins Schlingern“, entgegnet Regisseur Jan-Christoph Gockel auf die Frage, ob sein Hamlet eher ein tapferer Held oder ein irrer Mörder sei. „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ oder, lax von Gockel ausgedrückt: „Tut man was oder tut man nix?“ Man tut, und zwar gewaltig, soviel sei verraten. „Am Ende nimmt Hamlet die Dinge in die Hand, wie sich das keiner gewünscht hätte“, sagt Gockel und erinnert an das unfassbare Massaker auf der norwegischen Insel Utøya.

Im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters feiert die weltberühmte Tragödie von William Shakespeare aus dem Jahr 1602 am Sonnabend Premiere. Der Vorverkauf brummt auf Hochtouren, da hat der Prinz von Dänemark noch nicht einmal öffentlich vor Publikum gesagt: „Etwas ist faul im Staate Dänemark.“ So riesig ist das Stück, so tiefsinnig und – offensichtlich – so begehrt.

Jan-Christoph Gockel erzählt die Tragödie im Hier und Jetzt. Der Student Hamlet (Vincent Doddema) kehrt heim an einen Ort, der golden scheint, aber an dem etwas gründlich faul ist. Sein Vater ist tot. Ermordet von seiner Mutter (Eva-Maria Pichler) und dem neuen Mann an ihrer Seite, dem Onkel (Gilbert Mieroph). Hamlet soll den Mord rächen, zaudert lange und schlägt dann irrsinnig brutal um sich.

„Den vierten und fünften Akt haben wir sehr stark bearbeitet“, erklärt der Regisseur. Hier nähert sich die Tragödie der mittelalterlichen, dänischen Heldenerzählung über Prinz Amlethus, die Shakespeare als Vorbild diente. Der Sage nach metzelte Amlethus den gesamten Hofstaat nieder, als er vom dänischen Königsmord erfuhr.

„Dänemark im Kosmos von Shakespeare bedeutet für mich vor allem Provinzialität“, erläutert Jan-Christoph Gockel seine Lesart. „Ich stelle mir einen Schrottplatz-König vor, der das Sagen hat, und Hamlet als einen jungen Mann, der von der Uni kommt. Er erlebt den Schlusspunkt des Erwachsenwerdens, an dem alte, vertraute Strukturen zerfallen.“

Das gigantische Bühnenbild von Julia Kurzweg setzt den Gedanken brüchiger Strukturen um. Auf einer morastigen Baustelle steht auf Stelzen ein pompöser Theater-Balkon. „Er wirkt wie ein Spiegel des Zuschauerraumes“, schwärmt Gockel und erzählt, dass das Staatstheater ja auch auf Eichenbohlen stehe: „Die Bühne gleicht einem knarrenden Schiff, und das hört man auch.“ Dafür hat Musiker Matthias Grübel gesorgt, indem er zum Beispiel vertonte, wie sich Wellen an Holzplanken brechen. Musikalisch schöpft das Regieteam zudem von großen Songs der 1960er und 70er Jahre.

In weiteren Rollen zu sehen sind: René Schack, Thomas Birklein, Sebastian Brandes, Denis Larisch, Henner Momann, Sarah Bauerett, Klaas Schramm und Eike Jon Ahrens.

 @ Alle Theaterkritiken lesen Sie unter http://www.NWZonline.de/Theater

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