Oldenburg Da kam Verdruss auf: Viele Jahre sind Ulrike Bretschneider und Rudolf Heno jeden Montag nach Bremen gefahren, um dort mit dem Orchester der Musikfreunde zu proben und zu spielen. Im Gepäck Oboe und Fagott. „Ein Aufwand, dem irgendwann die Freude unterlegen war“, sagt Bretschneider.

Da kam Enthusiasmus auf: „Wir gründen ein eigenes Orchester“, gab Liebhaber-Musiker Heno, Professor für Betriebswirtschaft an der Jade-Hochschule, als mutige Devise aus. Das führte vor zehn Jahren mit anderen Klassik-Enthusiasten zur Gründung der Kammersinfonie Oldenburg. Heno ließ seine Kontakte zu Bläsern spielen, die als Amateure Herausforderungen in einem großen Ensemble suchten. Über Geiger und Dirigent Norbert Ternes, der das Uni-Orchester leitete, kam auch ein ansehnlicher Streicherapparat zusammen.

Das erste Konzert am 3. Oktober 2004 geriet auf Anhieb zum Knüller. Andre Saad, Solocellist im Staatsorchester, spielte Anton Dvoraks großes h-Moll-Konzert. Die Aula im Staatlichen Baumanagement, der früheren PH an der Georgstraße, war viel zu klein für alle Hörer. Aus dem Stegreif wurde das Konzert am nächsten Tag wiederholt.

Mögen die „wilden“ Gründerjahre vorbei sein, Aufbruchstimmung ist auch zehn Jahre danach stets zu spüren. So erarbeiten die Oldenburger neue Projekte mit dem Groninger Mozart-Ensemble.

Zusammenhalt und gemeinsames Engagement sind auch in Kleinigkeiten zu orten. Wenn sich bei Familien der Musiker Nachwuchs einstellt, stricken andere prompt Socken und Jäckchen. „Das Attribut von der großen Familie trifft in der Tat zu“, nickt Geigerin Johanne Eisenberg, die das „Nebeninstrument“ Öffentlichkeitsarbeit betreut. Die Bläser aus der Gründerzeit gehören immer noch zum Ensemble.

Oboistin Bretschneider, Medizinerin im Hauptberuf, ist von Anfang an auch Vorsitzende des Vereins – und führt die Geschäfte der Kammersinfonie. „Vor allem junge Talente zu fördern“ lautet das festgelegte Ziel. Das verfolgen alle gründlich. In der Reihe von gut 15 jungen und hoch begabten Solisten stehen in Anna Schubert-Meister (Violine) und Sarah Schnier (Sopran) auch zwei Förderpreis-Trägerinnen der Oldenburgischen Landschaft. Und für das Konzert mit der Klarinettistin Antonia Lorenz, heute im Staatsorchester, komponierte der renommierte und später in Oldenburg lehrende Chilene Gustavo Becerra-Schmidt damals eigens ein Konzert.

Im Konzert am Sonntag, 28. September, im Schlosssaal stellt sich Eliane Menzel vor. Die 15-Jährige aus Varel gilt als Ausnahmetalent auf der Violine. Zuletzt gewann sie den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2013 in Erlangen. Seit 2008 wird sie an der Bremer Musikhochschule von Prof. Katrin Scholz ausgebildet. Im Schlosssaal wird sie Mendelssohns e-Moll-Konzert spielen.

Nach dem Abgang von Ternes als Dirigent prägten vor allem Christopher Wasmuth aus Osnabrück von 2007 bis 2011 und seit 2013 der frühere Staatstheater-Kapellmeister Olaf Wiegmann die Qualität der Kammersinfonie. 2006 hatten die Oldenburger die Leiter-Stelle sogar ausgeschrieben. „Wir wissen ja durchaus, was wir können“, sagt Bretschneider in vorsichtiger Einschätzung. Aber das unerwartete Echo haute auch sie um: „51 Dirigenten haben sich damals gemeldet. Da haben wir schon eine besondere Wertschätzung gespürt.“


Mehr Infos unter   www.kammersinfonie-oldenburg.de 
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