OLDENBURG Er heißt Onno, ist Mitte 50, Hartz-IV-Empfänger und das, was man wohl gemeinhin als geborenen Versager bezeichnen würde. Zu diesem vernichtenden Urteil sind Onnos Tischtennisfreunde längst gekommen: Raimund, Ulli und Dr. Christopher Dannewitz, der Ich-Erzähler des Romans „Onno Viets und der Irre vom Kiez“. Warum der bekennende Noppensockenträger Onno plötzlich aus seiner Lethargie erwacht und einen auf Privatdetektiv macht, stellte Autor Frank Schulz am Montagabend bei seiner Lesung im Theater Laboratorium in Auszügen vor.

Um es vorweg zu nehmen: Die Handlung (Detektiv soll untreue Geliebte des Poptitan Nick Dolan beschatten und legt sich im weiteren Verlauf mit Kiezgröße an) ist nicht wirklich kompliziert. Erschwert wird der Handlungsstrang allenfalls durch Schulz’ Angewohnheit, sich in seinen launigen Ausführungen über seinen Helden etwas zu verlieren.

Ansonsten gleicht die Lesung einem Dauerbombardement auf die Lachmuskeln: Witz kommt auf Witz, Kalauer reiht sich an Kalauer, Klischee folgt auf Klischee. In der Einzelbetrachtung wäre das sicherlich nur bedingt lustig, in der Summe und vor allem in der Beharrlichkeit, mit der der Onno-Erfinder seine lockeren Sprüche abfeuert, ist es das aber dann doch. Oder anders formuliert: Irgendwann muss sich auch der letzte Feingeist dem offensichtlichen Humor geschlagen geben.

Spezial: Weitere Berichte zur Literatur im Nordwesten Vor allem Schulz’ Talent, mit Sprache zu spielen und originelle Formulierungen zu finden, tragen zur allgemeinen Erheiterung bei. Fazit: eine launige Lesung, die auch mit Zugabe sehr schnell vorbei ist. Einer hat sich besonders im Gedächtnis festgesetzt: Onno. In seiner kein Fettnäpfchen auslassenden Romanfigur hat Frank Schulz eine Vorlage für weitere Fälle geschaffen.

Mirja Zipfel Friesoythe / Redaktion Münsterland
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