Oldenburg Die Qualität einer Ausstellung ist nicht anhand einer Zahl zu messen. Aber sie liefert Belege für ein gutes Gespür und die richtige Idee. Wenn an diesem Sonntag um 18 Uhr die „World Press Photo 17“ nach drei Wochen im Schloss endet, sind bei Besuchern, Veranstaltern und Organisatoren viele Eindrücke und Gefühle hängen geblieben. Und dass mutmaßlich am Ende die Besucherzahl des Vorjahres mit insgesamt über 16 000 erneut gesteigert wurde, wirkt dabei fast schon wie ein netter Nebeneffekt.

„Wir werden am Montag erst einmal durchatmen“, bekennt Claus Spitzer-Ewersmann, der die renommierte Ausstellung der Pressefotos zum dritten Mal nach Oldenburg geholt hat. „Wir werden uns freuen, dass wir es geschafft haben – und was an Resonanz gekommen ist.“

So sieht es auch Prof. Dr. Rainer Stamm, Leiter Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich wirklich gefreut auf das, was sie erwartete: Denn dass so viele junge Menschen kamen, wirkte wie eine Frischzellenkur für uns“, sagt der Hausherr im Schloss.

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Als Museum könne man nicht immer funktionieren mit solch einem Zuspruch. „Aber wir brauchen das, damit die Menschen entdecken können, was hier noch alles zu finden ist.“

Die enorme Akzeptanz der Ausstellung findet Spitzer-Ewersmann bemerkenswert. „Die Resonanz der Besucher ist ähnlich wie im Vorjahr. Die Kernbotschaft lautet jedoch: Hier wird Fotografie von Weltformat gezeigt. Die Ausstellung hat sich etabliert, sie steht nicht mehr als Veranstaltung in Frage, und es steht außer Frage, dass die Menschen wiederkommen.“

Auch unter den professionellen Fotografen hat sich der Wert der Ausstellung herumgesprochen. Mit Francis Pérez und Peter Bouza waren schon zur Vernissage zwei Preisträger in Oldenburg präsent. „Ich hatte in meiner Eröffnungsrede den Charakter einer ,Berlinale’ in den Raum geworfen“, sagte Museumschef Stamm. Diese Eigendynamik habe sich schnell entwickelt.

Durch das umfangreiche Begleitprogramm und die über 100 gebuchten Führungen sei die Foto-Ausstellung zum „Talk of the town“ geworden, so Spitzer-Ewersmann, wobei die Übersetzung „Stadtgespräch“ sich geografisch auf den kompletten Raum zwischen Osnabrück, Hamburg und Göttingen ausdehnen lässt.

Hinzu kommt die starke politische Akzentuierung der Ausstellung. Das von der „World Press Photo“-Stiftung gekürte Siegerfoto von Burhan Ozbilici, das den triumphierenden Attentäter unmittelbar nach dem Mord zeigt, wurde von den Oldenburger Machern nur im visuellen und inhaltlichen Kontext gezeigt.

Stattdessen wurde die Meeresschildkröte als Titelmotiv ausgewählt. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt Kunsthistoriker Stamm. „Es handelt sich hier um ein ästhetisch schönes Meeresfoto, dessen klare politische Botschaft sich erschließt, bei manchem auf den zweiten Blick.“

Man sei der Diskussion über die Frage „Darf man Leichen abbilden?“ nicht ausgewichen, stellt Stamm fest. „Wir alle schauen uns Krimis an, und betrachten hier ohne Voyeurismus, was eine Zeitung nicht zeigen würde.“ Die Breite der Wahrnehmung und der Reaktionen habe das bestätigt. „Es herrscht heutzutage kein Bildermangel. In der besonderen Aura des geschützten Raumes kann man die Fotos allerdings nicht durchsausen lassen wie auf dem Smartphone.“

An diesem Samstag und Sonntag besteht letztmals die Gelegenheit, die Fotos auf sich wirken zu lassen. An beiden Tagen ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet – am Samstag mit „Late Night Opening“ zusätzlich bis 22 Uhr.


     www.worldpressphoto-ol.de 
Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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