Oldenburg Bücherliebe kann nicht verordnet werden, sagt Christiane Cordes. Die Leiterin des Amtes für Kultur und Sport weiß, wie aus kleinen Leseratten große Bücherwürmer werden. Immer wieder trifft sie Kibum-Besucher von einst, die heute ihren Kindern auf der Messe vorlesen.

Aber wie fing das eigentlich alles an, und wie funktioniert eine Messe mit Tausenden von Besuchern heute? Die NWZ hat bei den Initiatoren nachgefragt.

Wie ist die Idee zur Kibum entstanden?

1974 wurde – im Kontext des antiautoritären Credos der Zeit – in Unikreisen die Idee geboren: „Kinder sollen möglichst selbst entscheiden, was sie lesen wollen!“ Dafür wünschte man sich eine Buchmesse, die nicht-kommerziell organisiert und unzensiert Kinder- und Jugendliteratur präsentieren sollte und auf der sich Kinder wohlfühlen.

Wie waren die Anfänge?

Die erste Kibum fand im Herbst 1975 statt und lockte mehr als 10 000 Besucher in die Cäcilienschule. Das Konzept war so erfolgreich, dass die Veranstalter zwei Jahre später rund 20 000 Besucher registrieren konnten.

Wer bezahlt eigentlich die ganzen Bücher?

Die Medien werden als Ausstellungsexemplare von den Verlagen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

BILD: Martin Remmers

Volles Programm

Eröffnet wird die Kibum an diesem Samstag, 3. November, um 15 Uhr im Kulturzentrum PFL an der Peterstraße. Besucher sind montags bis freitags zwischen 8.30 und 19 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 19 Uhr willkommen.

Drei Ausstellungen warten auf Kibum-Besucher: Am Sonntag, 4. November, 15 Uhr eröffnet Schirmherr Paul Maar seine Schau in der Artothek. Zu sehen sind die über hundert Original-Illustrationen bis zum 25. November. Mies van Houts Bilderbuchkunst ist vom 4. bis 25. November täglich zwischen 10 und 18 Uhr im Foyer der Kinderbibliothek am PFL zu sehen. „Erzähl mir mehr vom Tier“ heißt es vom 4. November, 11.15 Uhr, bis 28. April im Landesmuseum Natur und Mensch. Gerahmt ist die Ausstellung von einem Veranstaltungsprogramm.

Ganz großes Kino gibt es vom 1. bis 14. November beim 37. Oldenburger Kinderfilmfestival im Casablanca.

Für jugendliche Besucher ist am Dienstag, 6. November, um 9.30 und 11 Uhr im Landesmuseum Natur und Mensch Stefanie Höfler mit „Tanz der Tiefseequelle“ zu Gast. Studierende der Münster School of Design lesen am Mittwoch, 7. November, 9.30 und 11 Uhr, im Landesmuseum Natur und     Mensch aus ihrer Anthologie „Vom Verschwinden der Tiere“. Claudia Praxmayer präsentiert am Dienstag, 13. November, 9.30 und 11 Uhr, im Landesmuseum Natur und Mensch ihren Thriller „Bienen“.

www.casablanca-kino.de

Was passiert mit den Büchern nach der Messe?

Die Kibum-Buchausstellung geht auf Wanderschaft. Sie wird bis Ende dieses Jahres noch in den Städten Lörrach und Ulm gezeigt werden. Danach gehen die Erstexemplare in den Forschungsbestand der Universitätsbibliothek über, Doppelstücke werden auf Antrag an die Oldenburger Schulbibliotheken verteilt.

Gibt es mehr Bücherei­besucher nach der Messe?

Die Nachfrage steigt nach der Kibum spürbar. Die Kinder kommen mit ihren auf der Kibum ausgefüllten Notizzetteln – „Wunschzetteln“ – in die Einrichtungen der Stadtbibliothek und leihen sich ihre Lieblingsbücher aus.

Was macht die Kibum so besonders?

Die Kibum ist die größte nicht-kommerzielle Kinder- und Jugendbuchmesse Deutschlands. Sie hat sich enorm entwickelt und zählt zu den bedeutendsten bildungspolitischen Angeboten im Nordwesten. Im Kibum-Vorab-Programm beschäftigen sich Oldenburger Schulklassen bereits im Vorfeld in Lesungen und Kreativworkshops intensiv mit dem jeweiligen Themenschwerpunkt. Dieses Konzept, das Kinder und Jugendliche bei der Gestaltung „ihrer“ Kibum mit einbezieht, ist einzigartig.

An welche Zielgruppen wendet sich die Kibum?

Die Familienangebote an den Wochenenden fördern das gemeinsame Erleben von Literatur. Der Kibum-Besuch ist ein wiederkehrendes Familienritual und verschafft prägende Lese-Gewohnheiten. Kinder im Vorschul- und Grundschulalter sind außerordentlich wichtige Zielgruppen, herzlich willkommen sind auf jeden Fall alle. Informativ ist der Messebesuch auch für Multiplikatoren wie Erzieher, Lehrer und Pädagogen beim Fachbesuchertag am 2. November.

Lesen Sie auch:Hund, Katze, Maus! – Hintergrundreportage zur Kibum

Kann die Kibum aus Nichtlesern Leser machen?

Für Generationen von Schülern ist der Kibum-Besuch ein prägender Bestandteil ihrer Lesebiografie. Durch die Anmeldung im Klassenverband profitieren hiervon auch Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern. Die Kinder erleben Lesen als „cool“. Über unterschiedliche Kunstsparten wird Kindern und Jugendlichen der Zugang zur Literatur ermöglicht.

Welche Multimedia-Angebote gibt es?

Im Multimediaraum werden auf acht Rechnern und vier iPads Produkte für jede Altersgruppe installiert. Dazu gehört eine Entdeckungstour ohne Kampfszenen mit verschiedenen Touren durch die ägyptische Geschichte, ein Programm zum Brückenbauen, ein Programm zum Englischlernen für Grundschüler. Als App gibt es viele Produkte für kleinere Kinder. Auf einem Info-Tisch werden viele Materialien zum Thema neue Medien und deren Gefahren und Nutzen, zum Beispiel für den Einsatz im Unterricht gezeigt.

Wer denkt sich die Mottos aus?

In jedem Jahr stimmt der Kibum-Koordinierungsrat mit Vertretern der Stadt und der Uni gemeinschaftlich das Motto ab.

Gibt es bei hohen Besucherzahlen Umzugspläne?

Ein Umzug in größere Räumlichkeiten wäre mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden, die das derzeitige Budget sprengen würden. Stattdessen werden lieber Veranstaltungsorte in Nähe des PFL mit einbezogen.

SPEZIAL zur Kibum: Hier finden Sie das komplette Programm 2018

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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