Oldenburg Die Welt zu erklären, ist immer sauschwer gewesen und in den zurückliegenden ordnungslosen Jahren gar unmöglich geworden. Da setzt Thomas Honickel gleich auf weise Beschränkung. Er erklärt nur die Musikwelt. Nur? Allein damit hat der Musikalische Leiter der jugendlichen Klanghelden und Kapellmeister am Staatstheater absolut genug zu tun.

„Es bedeutet schon einen Vorzug, etwas mehr zu wissen”, sagt der Musikpädagoge spitzbübisch lächelnd. Da zielt der 59-Jährige mit seinen Ideen auch auf die durchaus schon Kundigen. In der vorigen Spielzeit hat er die Werkstattkonzerte ins Programm gesetzt. „Es gibt doch auch für erwachsene Musikfreunde viel zu entdecken“, bekundet er.

„Die Reaktionen auf diese Form der moderierten Konzerte waren bemerkenswert”, bilanziert Honickel. Da hat er etwa den Aufbau des Finalsatzes von Mozarts himmlischer Jupiter-Sinfonie ganz irdisch mit einem klotzigen Bauwerk aus Legosteinen dargestellt. In welcher Farbe saust denn gerade das Fugenthema herum? Morgens hat er das im Kinderkonzert angeboten, abends im Werkstattkonzert. „Das lief natürlich in ganz unterschiedlicher Ansprache ab”, erklärt er. Doch mit doppeltem Erfolg: „Egal, ob neugierig jung oder über viele Spielzeiten längst kundig, alle unterschiedlichen Altersgruppen haben sich bereichert gefühlt.“

Mit drei Abenden in dieser Saison, zweimal mit dem Staatsorchester, einmal kammermusikalisch intimer, ist die Reihe also auf bestem Wege, sich zu etablieren. Dieser Dreiklang soll bleiben, genau wie in den dreifachen Kinder- und Familienkonzerten: „Es ist überall ein Spagat, Neulingen ebenso wie Erfahrenen die vielen Facetten barrierefrei zu erklären und sie mit Humor und Ernsthaftigkeit ins Staunen zu bringen.”

„Kinderkram” lautet der Titel am 9. September (Sonntag, 19.30 Uhr, Kleines Haus) Doch nicht einfach so. Hinter das Schlagwort hat der Moderator und Dirigent sowohl ein Ausrufe- auch ein Fragezeichen gesetzt. Es geht um Ironie in der Musik. „Und alle werden staunen, wie viel davon sich gerade in solchen Rennern wie Prokofieffs Peter und der Wolf, in Poulencs Babar, der Elefant, und im Karneval der Tiere von Saint-Saens verbirgt”, deutet Thomas Honickel an.

Sein Faible für französische Musik – „die ist so was von extrem speziell” – lebt er im 2. Werkstattkonzert am 30. März 2019 im Kleinen Haus aus. Unvollendetes aus drei Jahrhunderten schließlich präsentiert er am 22. Mai im Großen Haus. „Letzte Momente und letzte Musiksätze im Leben von Komponisten können da einem sehr nahe gehen”, sagt er. „Auch die Handschriften wie bei Bach in der Kunst der Fuge oder bei Mozart im ebenfalls abgebrochenen Requiem.“

Honickels motivierende Kunst hat sich längst herumgesprochen. Wenn einst Lateiner sich im Unterricht gewinnbringend auf „Doktor Königs ästhetische Erläuterungen” verlassen konnten, so setzt nicht nur Oldenburg auf „Thomas Honickels hintergründige Erklärungen.“ Auch die Theater Bonn, Lübeck, Osnabrück und Wuppertal haben ihn mit seinen Programmen als Gast engagiert.

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