Oldenburg Das Reiterstandbild von Graf Anton Günther auf seinem Pferd Kranich ist hoch umstritten. Die einen meinen, es ist ein würdiges Denkmal für den Aristokraten, der sich im Dreißigjährigen Krieg um Oldenburg verdient gemacht hat und Tillys Truppen von der Stadt fernhielt, die anderen stellen das Standbild künstlerisch und vor allem politisch in seiner Aussagekraft infrage. Zur Kabinettausstellung „Graf Anton Günther und sein Weserzoll“ im Schloss wird das Standbild an diesem Donnerstag im Innenhof aufgestellt – überwacht von einer Videokamera, um es vor Beschädigungen zu schützen. Die Ausstellung ist vom 24. März bis 14. April zu sehen.

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Falsche Aussage

Der mittlerweile verstorbene Unternehmer Klaus Dirks hatte vor sieben Jahren eine Reiterstatue herstellen lassen. Nach heftiger Debatte wurde der unter anderem vom ehemaligen Landtagspräsidenten Horst Milde verfochtene Wunsch verworfen, die Statue vor dem Schloss aufzustellen. Seitdem steht die Plastik neben einer Waschstraße an der Cloppenburger Straße. Der Künstler Bernd Eylers aus Hude fährt mit einer Kopie dieser Statue durchs Land und nimmt unter anderem an Festen und Umzügen – zum Beispiel am Kramermarktumzug in Oldenburg – teil.

Selbst das Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur hatte Stellung genommen. „Nach Einschätzung von Experten (...) ist das Standbild nicht nur anachronistisch, sondern auch fehlerhaft. Zum Beispiel wurde der Regentenstab des Grafen als Reitgerte dargestellt. Nach 1918 wurde in Deutschland kein Reiterstandbild eines früheren Monarchen errichtet“, hatte es geheißen.

Weiterer Ablehnungsgrund ist laut Horst Milde (ehemaliger Oldenburger Oberbürgermeister und Landtagspräsident) der von ihm vorgeschlagene Standort vor einer Seite des Haupteinganges des Oldenburger Schlosses. Der sei ungeeignet, da dem Land lediglich ein schmaler, etwa fünf Meter breiter Streifen um das Schloss sowie der Innenhof und ein schmaler Grünbereich zwischen dem Schloss und den angrenzenden Straße gehöre, hatte Milde in einem Interview mit der NWZ gesagt. Allein aufgrund seiner Größe könne das Reiterstandbild daher auf dem landeseigenen Areal am Schloss weder aufgestellt noch angemessen präsentiert werden, und schließlich sei die Aufstellung von Kunst im öffentlichen Raum auf Dauer angelegt und bedürfe deshalb einer gründlichen und transparenten Abwägung der zuständigen Entscheidungsträger. Deshalb sei, analog zur künstlerischen Ausgestaltung von Baumaßnahmen des Landes, auch für die Aufstellung von Kunst im öffentlichen Raum auf landeseigenen Flächen die Abstimmung mit dem Fachministerium und dessen Beteiligung am Auswahlverfahren üblich und darüber hinaus sei eine Abstimmung mit dem Land über das Gesamtprojekt, also Auftrag, Gestaltung, Aufstellungsort, nicht erfolgt.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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