Oldenburg Das Leben schreibt bisweilen echt schräge Geschichten. Als ich 1985 „The Breakfast Club“ sah, verknallte ich mich spontan in Molly Ringwald. 2018 sitze ich ihr plötzlich in der Festival-Lounge gegenüber und interviewe sie. Sie kommt ein paar Minuten später, entschuldigen muss sie sich dafür nicht. Ich habe über 30 Jahre auf diesen Moment gewartet, ein paar Minuten fallen da nicht ins Gewicht.

Ohnehin ist die Gegenwart das Thema. Das Filmfest und ihr aktueller Film „All These Small Moments“. Molly Ringwald ist für diesen Film zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. „Abgesehen davon, dass ich einmal am Frankfurter Flughafen gestrandet bin“, fügt sie schmunzelnd hinzu, „aber ich denke, das zählt nicht.“ Von Oldenburg habe sie zwar nicht alles gesehen, aber was sie sah, habe ihr wirklich sehr gefallen.

„All These Small Moments“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte um den New Yorker Teenager Howie (Brendan Meyer), der sich verliebt und schließlich erkennt, dass Perfektion nur eine vage Illusion zwischen Vorstellung und Realität ist. Molly Ringwald spielt Howies Mutter, deren Ehe auf eine schmutzige Scheidung zusteuert. „Dieses Porträt einer Mutter, deren Leben auseinander fällt, hat mich beeindruckt, als ich das Drehbuch gelesen habe“, sagt sie. „Sie hat nichts Strahlendes oder Heldenhaftes sondern ist einfach ein ehrlicher Charakter. Ich mag Rollen, die Frauen in schwierigen Lebenssituationen zeigen und die vor allem auch eine Filmhandlung tragen. Es gibt zu viele Filme, in denen Frauen nur Stichwortgeber sind.“

Regisseurin Melissa B. Miller-Costanzo fiel die Entscheidung für Ringwald leicht. „Ich wollte auf keinen Fall Darsteller, die man immer wieder auf der Leinwand sieht“, sagt sie. „Molly ist außerdem selbst Mutter und ich wusste, dass ihre Darstellung aus dem Herzen kommen würde. Es ist die perfekte Rolle für sie.“ Wie das die Kritik sieht, interessiert Moly Ringwald nicht. „Kritiken über meine Filme, Bücher oder Lieder lese ich seit meinem 19. Lebensjahr nicht und ich bin ganz gut damit gefahren“, erklärt sie.

Auch über die Filme aus den 80er Jahren, mit denen sie damals große Erfolge feierte, spricht sie heute nicht mehr gern. Da sie sich derzeit auf eine erfolgreiche Gegenwart konzentrieren kann, muss sie das auch nicht. So ist sie in der Drama-Serie „Riverdale“ zu sehen, di ein den USA gerade in ihre dritte Staffel geht. Außerdem schreibt sie für das Magazin „The New Yorker“ und arbeitet an einem neuen Buch. „Ich hab gut zu tun“, sagt sie zufrieden. Eine Traumrolle gibt es für sie nicht. „Aber es gibt Leute, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde“, sagt Ringwald. „Ruben Östlung, der Regisseur des schwedischen Dramas ’Höhere Gewalt’, gehört dazu.“

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Beim Tribeca Festival in New York wurde „All These Small Moments“ zum ersten Mal gezeigt, in Oldenburg feiert der Film internationale Premiere. „Natürlich ist mal vor jeder Premiere nervös“, gesteht Melissa B. Miller-Costanzo. „Aber ich bin hier so freundlich und aufgeschlossen empfangen worden, dass ich ein gutes Gefühl habe.“ Auch außerhalb des Festivals findet sie Oldenburg „absolut entzückend“, wie sie sagt. „Besonders die Innenstadt. Ich habe mich in der Fußgängerzone verlaufen, auch meine Handy-Navigation konnte nicht mehr helfen. Aber es hat wirklich Spaß gemacht.“

Mit „All These Small Moments“ wollte Miller-Costanzo einen Film machen, „mit deren Charakteren sich Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Lebenssituationen identifizieren können“, wie sie erklärt. „Die Zuschauer sollen sich so wohl fühlen, dass sie den Film auch wieder sehen wollen, wenn er ein paar Mal im Fernsehen läuft – so wohl wie in ihrer Lieblingsjacke.“

Zur Zeit schreibt Miller-Costanzo an der Pilotfolge für eine neue TV-Serie und arbeitet an einem neuen Film. „Make it better“ ist ihre erste Verfilmung einer Fremdvorlage. „Ich möchte auf jeden Fall weiterhin Geschichten auf meine Weise erzählen können“, sagt sie. „Ehrliche Geschichten. Kann sein, dass man darauf auch mal warten muss, aber die Gelegenheit wird sich immer wieder ergeben.“

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