Oldenburg Die Geschichte der Medea ist fester Bestandteil der griechischen Mythologie. Das goldene Vlies, die Argonauten mit ihrem heldenhaften Anführer Jason und schließlich Medeas Mord an ihren eigenen Kindern sind vor allem in der Version des Euripides vielen Menschen ein Begriff. Das Oldenburgische Staatstheater widmet sich dem Mythos auf Grundlage von Franz Grillparzers dramatischem Gedicht „Das Goldene Vlies“ und schafft daraus das Stück „Medea“, welches diesen Donnerstag Premiere feiert.

Regisseurin Mirja Biel inszeniert Grillparzers Stück sehr frei. Ihr und ihrem Team ist es wichtig, einen anderen Blickwinkel auf die Frau zu werfen, deren Geschichte bisher in der Regel von Männern erzählt wurde und die immer nur als Kindsmörderin im Gedächtnis bleibt. „Wir wollen begreifbar machen, warum Medea gehandelt hat, wie sie gehandelt hat“, beschreibt Dramaturg Marc-Oliver Krampe die Herangehensweise. „Wir wollen beschreiben, dass bestimmte Umstände Menschen zu gewissen Dingen bringen können. Das heißt dann nicht, dass diese Menschen per se böse sind, sondern die Umstände waren entsprechend.“

Und dann gibt es da noch den Aspekt, dass Menschen zu etwas gemacht werden, was sie gar nicht sind.

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Beim Mythos von Medea wird das besonders deutlich. Mythen sind entstanden, als man noch nicht die Möglichkeiten hatte, diese schriftlich zu fixieren. Sie wurden weitererzählt und haben sich dadurch auch verändert. In den ersten überlieferten Fassungen von Medeas Geschichte, die festgehalten wurden, findet sich noch keine Spur von einer rachsüchtigen Frau oder Kindsmörderin. Erst ein Mann hat sie durch seine Erzählung dazu gemacht, während er Jason als großen Helden präsentierte. „Das kann man – und das sieht man an unserer Inszenierung – aber auch ganz anders auffassen“, erläutert Krampe, der festgestellt hat, dass diese Produktion das gesamte Team in seinem emanzipatorischen Geist vorangebracht hat.

Er hofft, dass sich das in der Vorstellung auf die Zuschauer überträgt. Schließlich lohnt es sich auch bei anderen gesellschaftlichen Fragen, die vorherrschende Meinung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Vielleicht stellt sich etwas ja ganz anders dar.

Für Regisseurin Mirja Biel ist es die erste Arbeit in Oldenburg. Marc-Oliver Krampe hat sie schon längere Zeit an anderen Theatern beobachtet und war stets beeindruckt von ihrer Regiesprache und ihrer Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit einem Thema. Daraus erwuchs der Wunsch, einmal gemeinsam etwas zu produzieren.

Ebenfalls im Team ist der Musiker Arpen, der für das Stück sogenannte „Soundscapes“, also Klanglandschaften, komponiert hat. Für Bühne und Kostüme sind Britta Leonhardt und Matthias Nebel verantwortlich. Als Medea sehen wir Nientje C. Schwabe und Jasons Rolle übernimmt Katharina Shakina.

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