Oldenburg Mit einer niederdeutschen Erstaufführung widmet sich die August-Hinrichs-Bühne in dieser Spielzeit dem tiefschwarzen Humor. „Adams Appeln“, nach der dänischen Filmgroteske ‚Adams Äpfel‘ aus dem Jahr 2005, ist von Arne Christophersen ins Niederdeutsche übersetzt worden und wird nach einer hochdeutschen Aufführung nun erstmalig auf Platt am Staatstheater zu sehen sein. „Das Stück lag schon ein bisschen länger beim Verlag und wir sind sehr froh, dass wir die Ersten sind, die es spielen dürfen“, erzählt Dramaturgin Sarit Streicher nicht ohne Stolz.

Hinter dem religiös klingenden Titel verbirgt sich tatsächlich eine Geschichte, die, je nach Glaubensfrage, von göttlichen Prüfungen oder Strafen erzählt. Der Dorfpfarrer Johann (im Original Ivan) nimmt Straftäter nach ihrer Haft bei sich auf und versucht, sie zu resozialisieren. Zu Sexualstraftäter Gunnar und Tankstellenräuber Khalid gesellt sich nun Adam, ein aggressiver und misanthropischer Neonazi. Da sich bei Johann jeder ein Ziel setzen soll, welches er im Zuge der Resozialisierung erreichen möchte, verkündet Adam spöttisch, er wolle einen Apfelkuchen backen. Er wird von Johann ernst genommen und muss sich fortan um den kircheneigenen Apfelbaum kümmern. Doch dieser wird von nahezu biblischen Plagen heimgesucht. Adam versucht den Optimismus und die Zuversicht Johanns zu brechen und stößt dabei auf dramatische Schicksalsschläge in dessen Vergangenheit. Schließlich ist er erfolgreich und die Stimmung eskaliert in der Zwangsgemeinschaft. Nach nahezu wundersamen Ereignissen ist es an Adam, seine Einstellung noch einmal zu überdenken.

Regisseurin Hanna Müller erzählt die Geschichte sehr dicht am Film. Nur wenige Sequenzen wurden gestrichen. Die dörfliche Umgebung lässt sich sehr gut mit dem Plattdeutschen vereinbaren. Lediglich der Name des Dorfpfarrers wurde von Ivan zu Johann geändert, da dieser für den norddeutschen Raum irgendwie stimmiger erscheint. Müller gibt ihr Debüt in Oldenburg. Sie ist als freiberufliche Regisseurin bundesweit im Einsatz. Ein niederdeutsches Stück bringt sie nun zum ersten Mal auf die Bühne. Als gebürtige Ostfriesin fällt ihr das jedoch überhaupt nicht schwer.

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Die vielen Schauplätze des Films wurden stark reduziert. Das Bühnenbild besteht fast ausschließlich aus einem großen Baum mit sehr großen, fast überdimensionalen Blättern. Die verschiedenen Spielorte werden durch Requisiten zum Ausdruck gebracht. Nach Bedarf gibt es dann einen Herd, eine Bank oder ein Fahrrad und als Kirchenschiff muss der Zuschauerraum herhalten.

Untermalt wird das Stück durch das Sounddesign von Carl-Johan Hoffmann, der sogar den über den Apfelbaum herfallenden Würmern eine „Stimme“ verleiht. Auch der Bee-Gees-Klassiker „How deep is your love“ in der Version von Take That, der schon im Film bestimmte Sequenzen wiederholt begleitet, wird zum Einsatz kommen.

Dramaturgin Streicher erzählt, dass es im Endeffekt jedoch einfach die Spielweise ist, die das Stück so besonders macht. „Es ist so interessant, weil einem in dieser Komik oft das Lachen im Halse stecken bleibt. Mit einer Boulevardkomödie hat es nur sehr wenig zu tun.“ Doch trotz aller Schwarzhumorigkeit und Boshaftigkeit lobt sie die Geschichte auch in den höchsten Tönen: „Die Message, die transportiert wird, ist einfach gut und toll ohne naiv zu sein.“ Nicht umsonst hat der Film seinerzeit zahlreiche Filmpreise für das beste Drehbuch eingeheimst.

„Adams Appeln“ ist insgesamt ziemlich jung besetzt, so dass auch einige Nachwuchstalente zu sehen sein werden. Als Adam tritt Thorge Cramer auf. Den Johann/Ivan spielt Jakob Dalin. In der Rolle von Gunnar wird Mario Forkel zu sehen sein und als Khalid Zico Ahmed Asfour.

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