Oldenburg Der Gartensaison in der Innenstadt steht unmittelbar vor der Tür – auch wenn der warme Teil des Frühlings gerade ins Stolpern geraten ist: Von diesem Samstag, 11. Mai, bis zum 11. August werden die Oasen, die gerade an zahlreichen Stellen in der Stadt und bei Möbel Buss an der Bremer Heerstraße angelegt werden, unter dem Motto „Garten pur!“ Kunden und Passanten monatelang erfreuen – ermöglicht durch City-Management (CMO) und Stadt. Und das Beste: Bereits in der Woche nach der Eröffnung – ab etwa Mittwoch, 15. Mai, sollen Sonne (elf Sonnenstunden) und Wärme (mindestens 17 Grad) sich eines Besseren besinnen.

Zum 15-jährigen Bestehen der Stadtgärten tritt zum ersten Mal das Oldenburger Traditionsunternehmen Floragard, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, als Partner der Garten-Aktion auf.

An zehn Standorten erblühen die temporären Gärten. In diesem Jahr zum zweiten Mal mit dabei ist der Garten am Büsingstift an der Grünen Straße, der bei seiner Premiere 2018 viel positive Resonanz hervorgerufen hatte. Ein Revival erlebt auch der Stadtgarten am Schloss.

Bauerngarten bis Bauhaus

Erneut soll der Vielfalt und den zahlreichen Gestaltungsmöglichkeit im Erholungsraum Garten viel Fläche zur freien Gestaltung gegeben werden. „Sich beim Gärtnern Zeit lassen, die Sonne genießen, oder einfach mit den Liebsten den Sommer einläuten: Das ist Lebensqualität pur und kommt nicht nur dem eigenen Wohlbefinden, sondern auch den Pflanzen, Tieren und der Umwelt zugute“, sagt CMO-Geschäftsführerin Friederike Töbermann. Gelassenheit, Improvisation, Selbermachen, sich von anderen inspirieren lassen, mit ihnen tauschen und recyceln seien nur einige der Stichworte des Gartenthemas 2019.

Vom Bauerngarten bis zur vom Bauhaus inspirierten Installation (am Schloss) soll der Bogen weit gespannt werden. Einige Garten- und Landschaftsgärtner lassen sich von Trends wie insektenfreundlichen Gärten oder der Entspannung im heimischen Garten inspirieren. Auch Wasserelemente und viele blühende Pflanzen gehören dazu. „An jeder Ecke unserer schönen Innenstadt gibt es diverse Möglichkeiten, die grünen Oasen zu entdecken, zu erschnuppern und zu begutachten“, so der CMO-Vorsitzende Friedrich-August Fisbeck.

Teil der Innenstadtgärten wird auch wieder das grüne Gemeinschaftsprojekt in der Haarenstraße sein, an deren zahleichen Beeten sich nicht nur Gärtner, sondern auch wieder die Mitglieder der Haarenstraßen- und Julius-Platz-Gemeinschaft und die Kinder des Horts der Wallschule beteiligen. Auf dem Dach des Modehauses Bruns gehört sogar ein Bienenstock dazu, den Imkerin Ute Brinkmann über den Frühling und Sommer dort aufstellen wird.

„Nasses Projekt“

Aber auch an anderen Stellen ist die Stadtgarten-Saison Anlass für ganz besondere Projekt: in diesem Jahr vor allem für die Diakonie – mit „Querbeet“, ihrem Kleingartenprojekt für Suchtkranke, das es unabhängig von der Stadtgarten-Aktion bei der Diakonie gibt. Entstehen wird der Querbeet-Stadtgarten in der Heiligengeiststraße vor dem ehemaligen BoConcept.

Der Impuls, sich mit dem Projekt „Querbeet“ an den Stadtgärten zu beteiligen, kam aus der Fachstelle Sucht“, sagt Kerstin Thein, die Leiterin von Querbeet. Beim CMO wurde die Idee gerne aufgenommen. „Für uns ist es eine tolle Möglichkeit, der Stadt etwas zurückzugeben“, sagt Thein. Die Kommune hat das Projekt „Querbeet“ ins Leben gerufen.

Querbeet ist ein „nasses Projekt“: Die Teilnehmer dürfen während der Arbeit Alkohol trinken. Illegale Drogen sind verboten. Mit dem niedrigschwelligen Angebot sollen die Teilnehmer den Weg zurück in Beschäftigung finden.

Durch das Job-Center werden regelmäßig Teilnehmer an Querbeet vermittelt. Viele bleiben anschließend in dem Projekt. Im Kleingarten ist eine richtige Gemeinschaft entstanden. Und gemeinschaftlich wurde auch das Stadtgartenprojekt geplant.

„Im März haben wir die Pläne für unser Wohnzimmer im Grünen vorgestellt“, berichtet Thomas Martens. Der Diakonie-Mitarbeiter hat gemeinsam mit einem Kern-Team von fünf Teilnehmern die meiste Arbeit in das Projekt gesteckt. „Aber der Rest der Gruppe hat uns immer unterstützt. Und zum Beispiel die Paletten für uns zersägt.“ Denn für den Stadtgarten wurden hauptsächlich alte Paletten verwendet. Aus ihnen wurde ein Sofa und drei Beete gebaut. „Und in Diakonie- Blau gestrichen“, sagt ein Teilnehmer stolz.

Essbare Blüten geplant

Für die Bepflanzung des Bereichs hat sich das Projektteam auch etwas überlegt. „Zum Sommer werden wir im Hochbeet auf Kräuter und Pflanzen mit essbaren Blüten setzen“, sagt Martens. „Und Kapuzinerkresse, Zitronenmelisse, Pfefferminze und Borretsch sind auch für Bienen und Schmetterlinge gute Pflanzen.“

Stolz sind bei Querbeet alle auf das Projekt. „Das wird ein Hingucker und wir werden auch gerne Mal in unserem Stadtgarten sitzen“, sagen die Handwerker. „Einen eigenen Garten, das kennen unserer Teilnehmer nicht. Viele leben in prekären Wohnverhältnissen“, sagt Martens. Er freut sich, dass die Teilnehmer sich so mit dem Projekt verbunden fühlen. „Mit dem Gartenprojekt wächst auch das Selbstbewusstsein“, sagt Thomas Martens.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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