Oldenburg Wie überlebt man, wenn der Tod ständiger Begleiter ist? Welche Alternativen gibt es zum kommerziellen Raubbau an Natur und Tier? Was bedeutet es, Selbstversorger zu sein? Wie bleibt Erinnerungskultur lebendig? Womit kann man dem Unaussprechlichem eine Stimme geben? Wann wird aus Beruf Berufung?

Wer mehr wissen will, braucht manchmal nur zuzuhören. Vier Menschen mit innovativen Ideen, ungewöhnlichen Biografien, inspirierenden Gedanken werden am Donnerstag, 16. Mai, auf der Bühne des Unikums über das sprechen, was sie bewegt. Um 20 Uhr findet hier Oldenburgs erster „TEDx-Talk“ statt. TED ist die Abkürzung für Technology, Entertainment, Design (Technologie, Unterhaltung, Gestaltung) und wurde als Diskussionsformat 1984 in den Vereinigten Staaten entwickelt. Das „x“ steht für unabhängig organisierte Gespräche auf lokaler Ebene.

Global und lokal

TED ist die Abkürzung für Technology, Entertainment, Design und wurde vor allem über die TED-Talks-Website bekannt, auf der die besten Vorträge der TED-Konferenzen als kostenlose Videos zu sehen sind.

Präsentiert werden innovative Ideen und inspirierende Gedanken, immer unter dem Motto „ideas worth spreading“ (Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden), in kleinen Vorträgen.

TEDx sind weltweit unabhängig organisierte TED-Events auf lokaler Ebene. Neben den eingeladenen Sprecherinnen und Sprechern werden außerdem zwei Videos von internationalen TED-Konferenzen gezeigt.

Weltweit finden täglich TED und TEDx-Konferenzen statt, bundesweit vor allem in Hamburg und Berlin. In Niedersachsen gibt es das Gesprächs-Format aus den USA eher selten.

Karten für die Veranstaltung am Donnerstag, 16. Mai, 20 Uhr, im Unikum, Bühne 1 (Uhlhornsweg 49-55), gibt es für 9, ermäßigt 5 Euro unter Telefon   798-2658 oder per Email über unikum@sw-ol.de. Einlass ist ab 19.30 Uhr.

Mehr auf Twitter unter http://twitter.com/tedtalks

Mehr auf Facebook unter http://www.facebook.com/ted

Infos und Termine unter https://t3n.de/news/tedx-event-571514/

Große Ideen

„Ich hatte davon noch nie gehört“, sagt Birger Schütte und erzählt von der beeindruckenden Pädagogikvorlesung, bei der sein Dozent die Studenten per Videostatement mit der provokanten These „Schule tötet Kreativität“ konfrontierte. Die Rede von Autor und Gesellschaftskritiker Sir Ken Robinson auf Band war ein TED-Talk. Heute, gut zwei Jahre später, organisiert Birger Schütte selbst das Vortragsformat für innovative Ideen. Der 26-jährige Lehramtsstudent steht zwar kurz vor der Masterarbeit, aber TED ist seine Herzensangelegenheit. Oder: eine. Aktiv ist der angehende Mathe- und Physik-Pauker und Nominierte für den Oldenburger des Jahres-Preis der NWZ auch als Schauspieler und Regisseur am Uni-Theater. Dort hat sich Birger Schütte Unterstützung für die Umsetzung der Veranstaltung geholt.

Besondere Menschen

Zu organisieren gibt es viel, musste der Oldenburger feststellen. Neben dem Anwerben von Sprechern, galt es Sponsoren für das Non-Profit-Projekt zu finden. Ein befreundeter Akteur des Staatstheaters hat sich bereit erklärt, die Talk-Gäste vor dem Auftritt etwas zu coachen. Als sehr aufwendig gestaltete sich auch das Beantragen der TED-Lizenz. Für jedes geplante Event muss ein ausführlicher Fragebogen in der Brutstätte, den USA, ausgefüllt werden. „Vorrangig wollen die wissen, ob man den Spirit verstanden hat“, sagt der 26-Jährige – „warum das Format gesellschaftlich relevant ist.“

Ideas worth spreading – Ideen, die es Wert sind, verbreitet zu werden, ist die Überschrift der TED- und TEDx-Konferenzen. Birger Schütte hat sich sehr unterschiedliche Menschen ausgesucht, deren Ideale und Vorstellungen zur Sprache kommen. Auf dem kleinen roten Teppich auf der Unikum-Bühne steht zum Beispiel Eike Frahm. Der Agrarbetriebswirt mit Schwerpunkt Ökolandbau und Jungbauer ist einer von drei Geschäftsführern der Hofgemeinschaft Grummers-ort. Auf dem Anwesen bei Wüsting im Landkreis Oldenburg wird Solidarische Landwirtschaft betrieben. Verantwortung und Erträge werden in dem Demeter-Betrieb gerecht verteilt.

Als einzig weiblicher Gast, obwohl mehr Frauen angefragt waren, die dann leider keine Zeit hatten, wird Katharina Müller-Spirawski zu hören sein. Als geschäftsführende Vorsitzende des Vereins „Die Heimatsucher“ berichtet die junge Oldenburgerin von ihrer ehrenamtlichen Arbeit, bei der es darum geht, Geschichten von Holocaust-Opfern nachfühlbar und begreifbar zu machen. Als sogenannte Zweitzeugin ist sie eine der jungen Mitglieder, die Überlebende besucht und sich deren Biografie angehört hat, um sie anschließend weiter zu erzählen. Mit Bild- und Videomaterial gastieren die Heimatsucher unter anderem in Schulen, um der vierten Generation nach dem NS-Regime von den Gräueltaten der Nazis, aber auch dem Leben und Überleben der Opfer auf altersgerechte Art zu berichten.

Neue Ansätze

Ideen ganz anderer Art bringt Lars Behrendt mit. Der Diplom-Ingenieur, Geschäftsführer und Gründer der Oldenburger Innovationsagentur Granny&Smith. Behrendt hat unter anderem eines der ersten digitalen Autoradios mit Touch-Display entwickelt. Er erarbeitet mit seinem Team neuartige Geschäftsmodelle. Das Geschäft der Agentur läuft ohne Hierarchien, ohne fixe Arbeitszeiten und ohne den Willen, immer mehr zu wollen, heißt es. Lars Behrendt wird bei der TED-Konferenz darüber referieren, wie man es schafft, dass Mitarbeiter für ihren Job brennen und wie zeitgemäßes Teamwork funktioniert.

Wie es ist, täglich daran zu arbeiten, zu überleben, weiß Helge Kösling. Der 37-Jährige ist mit 19 an Leukämie erkrankt. Trotz einer Knochenmarkspende ist er nicht gesund: Sein Immunsystem hat sich gegen ihn selbst gerichtet. Der Oldenburger berichtet von seinem Alltag als chronisch Kranker.

Globale Vernetzung

„Helge kommt aus meinem Bekanntenkreis“, sagt Birger Schütte. Alle Sprecher haben er und sein fünfköpfiges Team rein danach ausgesucht, „ob sie etwas zu sagen haben“, aber nicht speziell zu einem bestimmten Großthema. Gerade die thematische Vielfalt mache einen guten TED-Talk aus. 18 Minuten hat jeder Referent das Mikrofon in der Hand. Danach geht es ohne Übergang weiter. Wie üblich werden bei den TEDx-Terminen noch zwei Sprecher per Video-Übertragung zu Wort kommen. „Die Idee dahinter ist, lokalen und internationalen Ansätzen eine Bühne zu geben“, sagt Birger Schütte.

Eine Gage wird den Sprechern nicht gezahlt, Werbung für Unternehmen sind in den Reden verboten. Eine anschließende Diskussion mit dem Publikum gehört auch nicht zum Konzept. „Es geht um Anregungen – zum Um- und Nachdenken“, sagt Birger Schütte. Sein Traum ist es, einmal im Jahr einen Oldenburger TEDx-Talk auf die Beine zu stellen und interessante Menschen auf die Bühne zu holen. Solchen, denen man einfach zuzuhören braucht, um die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.