Oldenburg Einfach mal hinter die Musiker treten und mittendrin beim Spiel in die Noten schauen: Die Einladung stand. Angenommen hat sie dann doch keiner der Zuhörer im Marmorsaal des Schlosses beim Konzert des Barockensembles „Altera pars“ mit englischer Quartettmusik des 18. Jahrhunderts. In den Hauskonzerten des Londoner Bürgertums war es gängige Praxis, den Instrumentalisten über die Schulter zu schauen. Die Oldenburger heben sich das aber ausgiebig für die Pause auf.

„Sachsen in London“ nennen Polina Gorschkova (Traverso), Anna Dmitrieva (Barockvioline), Michel Rada-Igisch (Baryton und Gambe) und Fabian Boreck (Barockcello) ihr Programm. Es fußt auf Vorlagen der berühmten Bach-Abel-Konzerte in London.

Carl Friedrich Abel als hofiertester Gambenvirtuose seiner Zeit war bestens befreundet mit den Bachs in Sachsen. In der britischen Hauptstadt gründete er 1864 mit Johann Sebastians Sohn Johann Christian Bach diese erste erfolgreiche Konzertserie mit Notenhandel.

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Was die Profis in den Sälen auflegten, fand auch den Weg in die bürgerlichen Häuser. Und dort wandelte man locker zwischen den Musikern. Schließlich wollte man herausfinden, welche Noten den Erwerb wohl lohnten.

Im Schloss sitzen die Hörer an drei Seiten um die Musikerinnen und Musiker herum, genießen die gehobenen Spiel- und Gebrauchsmusiken von Abel und J. C. Bach, dazu Soli, Trios und Quartette von Andreas Lidl, Tomaso Giardano oder Joseph Haydn. Gorshkova, die Antreiberin in der schon zu einer Reihe angewachsenen Altera-Pars-Konzerte, offenbart ein feines Gespür für Anspruch inmitten von Gefälligkeit. Die Vier pendeln souverän zwischen Innigkeit und Leichtigkeit, arbeiten auch verdeckt scheinende harmonische Kühnheiten heraus. So scheut auch die Violine Schärfen inmitten geschmeidigen Musizierens nicht.

Insgeheim entpuppt sich Rada-Igisch als Star der beiden Konzerte. Der Luxemburger Professor demonstriert vielfältige Spielweisen auf seinen historischen sechssaitigen Instrumenten.

Haydn hat für seinen baryton-süchtigen Fürsten Nicolaus Esterhazy allein 130 Baryton-Trios geschrieben. Die hinteren Resonanzsaiten gleichzeitig zum Streichen der Melodiesaiten zu zupfen, das vermochte der Fürst nicht. Doch Rada-Igisch demonstriert das extra.

Carl Friedrich Abel hat sich übrigens seinen schwunghaften Notenhandel gern mit den besten Weinen bezahlen lassen. Das allerdings ist ihm im Alter nicht mehr so gut bekommen.

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