Oldenburg Kopfüber baumelt er von der Decke. Nein, nicht von der Decke. Es ist eine Art aufgeklappte Leiter von der zusätzlich circa 40 bis 50 Zentimeter lange, dicke Eisennägel im rechten Winkel abstehen. Es erinnert an eine eiserne Jungfrau, nur dass man im schlimmsten Falle alles sehen könnte. Aber das kann doch nicht…? Er wird doch nicht…?

Seine Füße sind gefangen in jeweils zwei Schlingen, mittig der „Klaue“. Und das Bild wird nicht besser. Sein Oberkörper ist ummantelt von einer beigen Zwangsjacke. Mystisch, hetzerische Musik durchdringt die Luft. Nebel umwabert den jungen Mann, der an den Füßen aufgehängt in diesem Folterinstrument baumelt.

Countdown läuft

Eine mechanische Frauenstimme ist plötzlich zu hören: „Eine Minute und dreißig Sekunden.“ Der gefesselte Mann bewegt sich hektisch. „Eine Minute und zwanzig Sekunden.“ Ein Countdown. „Fünfzig Sekunden.“ Seine Arme sind frei. In Sekunde dreißig fällt die Jacke zu Boden. Die Füße! Seine Hände schnellen nach oben – ein Fuß ist frei – taumelnd schwingt er von links nach rechts. „Zehn Sekunden.“ Seine Hände ergreifen erneut die Schlinge um seinen rechten Fuß. „Drei… Zwei…. Eins...“ – der drahtige Mann fällt zu Boden und bleibt regungslos liegen. Genau in dieser Sekunde schnappt die Leiter scheppernd zu.

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Langsam hebt der Mann auf der Bühne den Kopf. Es ist Aiko Bartsch. Der erste Vorsitzende des Magischen Zirkels Oldenburg. Die Menge klatscht und johlt. Erleichterung macht sich im Raum breit. Genauer gesagt, in der Aula des Neuen Gymnasium an der Alexanderstraße. Am Freitagabend findet auf dieser Bühne zum ersten Mal (insgesamt zum vierten Mal) eine Zauber-Gala des Zirkels statt. Bartsch verneigt sich strahlend vor dem Publikum. Ihm geht es natürlich gut, zu keiner Zeit war er in Gefahr. Oder vielleicht doch? Vieles an diesem Abend bleibt für die Zuschauer im Verborgenen, denn kein Zauberer verrät je seine Tricks.

Urgestein aus Schortens

Der 33-jährige Aiko Bartsch ist beruflich Tontechniker im Staatstheater Oldenburg und in seiner Freizeit Zauberer. Natürlich sind auch viele seiner Zauber-Kollegen hier. Unter anderem das Urgestein „Ecki der Zauberer“ aus Grafschaft (Stadt Schortens). Schon 34 Jahre begeistert er Jung und Alt mit seiner Zauberkunst. So wie auch heute.

Feurig: Ecki der Zauberer

Was nun aber ist der Magische Zirkel? Es ist eine internationale Vereinigung der Zauberkünste zur Pflege und Förderung der magischen Kunst. In 79 Ortszirkeln tummeln sich rund 2800 Mitglieder, darunter prominente Zauberer wie Siegfried & Roy oder die Ehrlich Brothers.

„Jeder kann Zauberer werden, doch nicht jeder wird Mitglied des Magischen Zirkels“ erzählt Ernst Stulken (67), ehemaliger Vorsitzender des Zirkels. Heute ist er nur hinter der Bühne, jedoch nicht weniger wichtig. Solch eine Gala bedarf einer Menge Organisation. Bereits um 14 Uhr ging es mit dem Aufbau los. Licht, Ton, Requisiten, Soundcheck. Um 20 Uhr beginnt die Show. Knapp 250 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sind heute gekommen, um sich verzaubern zu lassen. Mit Erfolg. Sie lachen, assistieren den Zauberern auf der Bühne und staunen immer wieder.

Ben Cen (30) hat heute seinen ersten großen Auftritt. „Ich bin sehr aufgeregt und hoffe einfach, dass alles reibungslos klappt“. Noch sei er Anwärter des Zirkels, dies dauere sechs Monate. Nach einer theoretischen und praktischen Prüfung kann man in den magischen Zirkel aufgenommen werden. Durchfallen ist überdies nur einmal erlaubt. Bens Aufregung ist nicht zu sehen. Gekonnt mit ruhiger Stimme und witzigen Bemerkungen absolviert er seine Kartentricks.

Flaschengeist flieht

Das Zauber-Duo Frank Galahad (28) und Jan Speiser (20) lässt Schmetterlinge aus einem Buch fliegen, wirft mit Licht, entzündet freihändig Kerzen und liest Gedanken. Bartsch lässt einen zuvor aus einer Flasche geflohenen Geist auf der Bühne tanzen. Fast stiehlt ihm der kleine Flaschengeist die Show. Jedoch nur fast. Am Ende befreit sich Bartsch aus einem dreieckigen Häuschen, mit anfangs gefesselten Händen und entkommt nur knapp zwei scharfen Sägeblättern, die kurz nach seiner Befreiung mittig zusammensausen, wo er Sekunden zuvor noch gefangen saß. Die Zuschauer toben.

Kampf mit dem Flaschengeist

Kurz vor 23 Uhr endet ein magisch-bunter Abend mit vielen unterschiedlichen Tricks der Illusion, Mikromagie, Kinder- und Comedyzauberei und der Mentalmagie.

„Es war ein anstrengender Tag, aber vielmehr ein gelungener Abend! Ich bin sehr zufrieden“, sagt Bartsch am Ende. Sein Lächeln bestätigt dies.

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