Oldenburg Schlechte Laune wie einen Mantel an der Garderobe abgeben. Und abtauchen. Ins warme Farbenmeer.

Ab diesem Sonntag verwandelt sich das Stadtmuseum in eine Villa Kunterbunt. Edeltraud Rath und Johannes Oberthür haben eine gemeinsame Welt, wie sie ihnen gefällt, geschaffen. Acryl auf Leinwand, Ölmalereien, Papierzeichnungen, Farbsiebdrucke, monumentale Werke – und eine bemalte Wand zieren bis Oktober das städtische Kunsthaus. Für das mit bunten Kreisen verzierte Innengemäuer des Hüppe-Saals ist eine zwölfte Klasse der Herbartgymnasiums verantwortlich.

Unter Anleitung Edeltraud Raths haben die Schüler mit Pinsel und Farbeimer bleibenden Eindruck hinterlassen. „Zumindest bis zur Finissage“, sagt Sabine Isensee. Als Kuratorin betreut sie den dritten Teil der Ausstellungsreihe „Crossover“. Nach den Schwerpunkten „Realismus“ und „Malerei trifft Skulptur“ ist die Schau nun zwei abstrakten Künstlern gewidmet. „Farbe – Raum – Rhythmus“ sind die zentralen Themen der Werke. Während sich Johannes Overthür, Philosoph und bildender Künstler aus Westerstede, auf ineinander verwobene Linien, Verflechtungen, Überkreuzungen, Spiele mit der Wahrnehmung, gerne großformatig, fokussiert, lässt sich Edeltraut Rath intuitiv treiben, spielt mit Formen und Materialien.

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Alles im Rahmen der Kunst – Begleitprogramm zur Ausstellung im Stadtmuseum

Eröffnet wird die Schau an diesem Sonntag, 11.15 Uhr, im Stadtmuseum. Zu sehen sind die Werke bis 6. Oktober, dienstags bis sonntags.

Führungen werden Sonntags 11 Uhr (gerade Wochen) oder 16 Uhr (ungerade Wochen) angeboten.
Der Umgang mit der Farbe spielt eine besondere Rolle am Sonntag, 1. September, und Samstag, 28. September, 15 Uhr, bei einer Führung mit Edeltraut Rath. Die Teilnahme kostet 3 Euro.
 Mit Kuratorin Dr. Sabine Isensee geht es am Dienstag, 3. September, 10.15 Uhr kostenlos durch die Ausstellung. Anmeldung unter Telefon  235-4444.
 Mütter und Väter können mit ihren Kindern die Ausstellung am Dienstag, 10. September, 10.15 Uhr besuchen. 3 Euro plus ermäßigten Eintritt.
 Mittags durchs Museum führt Geraldine Dudek am Mittwoch, 11. September, 12.30 Uhr. Kosten: 3 Euro. Das Mittagessen ist nicht im Preis enthalten.
 Kurz nach Feierabend geht es am Donnerstag, 26. September, 17.30 Uhr mit Dirk Meyer durch die Schau. 3 Euro plus ermäßigten Eintritt.

Zur Nacht der Museen wird am Samstag, 14. September, 18 bis 21 Uhr mit Künstlerin Edeltraut Rath Rhythmus, Variationen und Strukturen der Bildwelten nachempfunden.

Ein Künstlervortrag mit Gespräch und Lichtbildern wird kostenlos am Samstag, 28. September, 19 Uhr angeboten.

Die literarische Finissage mit Lyrik, Prosa und Kurzgeschichten findet am Sonntag, 6. Oktober, 11 Uhr, statt. 3, ermäßigt 1,50 Euro.

Kleine Besucher zwischen 7 und 12 Jahren können am Samstag, 28. September, 15 bis 17.30 Uhr an mit Textilkünstlerin Petra Heidrich auf kleinen Webstühlen Kunstwerke schaffen. Anmeldung (Telefon  235-3403) bis 22. September, 8 Euro.

Mehr Infos zu Programm und Ausstellung: bit.ly/2mxp7l

Die in Oldenburg geborene Bremerin zeigt zart-filigrane Zeichnungen auf Papier, ebenso wie verspielte Geometrie und gigantische Gemälde. Das drei mal vier Meter große Werk im ersten Stock der Ausstellung habe sie auf Holzböcke legen und von allen Seiten bemalen müssen. In einer früheren Phase hat Edeltraut Rath Futtersäcke mit Farbkreisen versehen. „Eine richtige Suppe, die in mehreren Schichten aufgetragen habe. Dadurch entstehen diese Strukturen.“ Sie fährt mit der Hand über das raue Relief. Für die Oldenburger Ausstellung hat die Bremerin einen „White Cube“ kreiert: ein weißer Würfel mit bemalten Wänden und Türen, durch die der Besucher zwar nicht eintreten, sich aber auch eine gedankliche Reise ins Innere begeben darf.

Überall zwischen den Werken stehen Stühle und Sessel, laden zum Innehalten und Hinschauen ein. „Malen, warum? Um dem Augenblick nahe und immer näher zu sein – sein, sehen ist nur im Augenblick“, schreibt Johannes Oberthür, dessen Bilder oft mit These und Antithese oder tiefsinnigen Gedanken betitelt sind. Eine komplette Wand ist für Zitate des promovierten Philosophen reserviert.

Den Ursprung allen Seins – und ihrer Werke – entdeckt Edeltraut Rath hingegen in der Natur. „Ich betrachte eine Orchidee. Oder Blätter am Baum und übersetze sie in einfache Formen“, sagt die Künstlerin. Es fasziniere sie, simples vielfältig zu verändern. Vor langer Zeit, während des Kunststudiums in Bremen, habe sie auch figürlich gemalt. Die Entfernung vom Realistischen habe sie als befreiend empfunden.

Aus festgetrockneten Farbresten in herumstehenden Eimern hat Edeltraud Rath eine Art Wandrelief geschaffen. „Zu schade zum Wegwerfen“, sagt sie. „Elementarteilchen“ hat sie das Werk genannt. Sabine Isensee staunt. Die Kuratorin ist im Farbrausch. 500 Töne und sogar Millionen von Nuancen könne das menschliche Auge wahrnehmen, schwärmt sie und spricht von „Korrespondenzen mit der Unendlichkeit“.

Edeltraut Raths Ideenreichtum färbt scheinbar ab. Und lädt ein: dem grauen Alltag zu entfliehen, die schlechte Laune, wie einen Mantel an der Garderobe abzugeben und abzutauchen. Die Welt ist bunt. Zumindest im Stadtmuseum.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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