Oldenburg Ein Abend, zwei Bands, eine Meinung: Klasse, dass es noch Leute gibt, die Funkjazz, wahlweise Jazzfunk, mögen. Es waren sogar unerwartet viele, vielleicht 4500, die den Schlossplatz am dritten Tag des Kultursommers 2019 an den Rand seines Fassungsvermögens brachten. 4500, die fast ihre Fassung verloren angesichts der musikalischen Qualität auf der Bühne.

Da war zunächst die Berliner Formation Jin Jim. Das Quartett also, das die Querflöte in den Mittelpunkt seiner Kompositionen stellt. Doch dies allein wäre zu kurz gesprungen: Jin Jim macht höchst eigenständige, fantasiereiche Jazzrock-Musik. Dabei schwirrten Daniel Manrique-Smith (alle Flöten), Ben Tai Trawinski (Bass), Johann May (Gitarre) und Nico Stallmann (Schlagzeug) ebenso unbekümmert wie stilsicher von bisweilen etwas langatmigen, esoterischen Märchen („Die Ankunft des Kaisers“) zu kompakten, hart rockenden Tanznummern. Und genau das taten die Oldenburger dann auch: kräftig tanzen.

Dass darüber die Zeit vergessen wurde, man mag es den Kultursommer-Fans nachsehen. Den Zeitplan indes dagegen zerlegte es – die Europapremiere des kanadischen Funk-Meisters KC Roberts und seiner Live Revolution verzögerte sich deutlich. Egal, als das achtköpfige Ensemble schließlich die Bühne eroberte, hatte es auch sofort das Publikum erobert. „Funk, Rock, Drum&Bass und HipHop, wie ihr es noch noch zuvor so erlebt habt“, hatte Roberts versprochen, und er behielt Recht.

Das Rhythmus-Monster aus Toronto spulte ein knapp zweistündiges Programm auf höchster Tempostufe ab, die keine Zeit zum Verpusten ließen. Der charismatische Sänger KC Roberts hatte seine Band und die Zuhörer fest im Griff, führte lässig durch die teils vertrackten, immer aber eingängigen Songs und wagte auch ein längeres Gitarrensolo.

Doch dann hieß es sofort wieder: zurück zu den Wurzeln, zurück zum Jazzfunk, zurück zum Rhythmus. Weshalb auch klar war, dass gut 20 Minuten Zugaben einfach Pflicht waren. KC Roberts und seine Revolutionäre erledigten auch dies souverän und spielfreudig. Eine großartige Europa-Premiere der Kanadier, keine Frage.

Klaus Fricke
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