Oldenburg Es riecht nach Curry, Zimt und Tee. Finger klimpern über Gebetsketten. Kinder lachen. Fremde Worte, neue Gesichter, alte Bekannte. Auf der Bühne singt ein großer Kerl mit dunklem Bart traurige Lieder von der Liebe. Der Himmel ist blitzblau. Sommer in Oldenburg. Kultursommer.

Heute wird ein besonderes Fest gefeiert. „Davon gibt es viel zu wenig“, sagt Lena Nzume. Die gebürtige Kamerunerin moderiert an diesem Sonntag zum zweiten Mal den „Global-Lokal-Day“. Begleitet hat die Soziologin und Bildungskoordinatorin des Amts für Zuwanderung und Migration das interkulturelle Event schon seit Jahren. Angefangen hat das Fest als „Afrika-Tag“. Mittlerweile treffen sich alle Kontinente auf dem Schlossplatz, schnacken, schnabulieren, schwingen im Takt der Musik. Die Bühne ist an diesem Nachmittag frei für Künstler aus der Region und ihre Wurzeln. Ketevani, die im echten Leben Ketevan Zarnadze heißt, spielt im Blümchenkleid Gitarre und singt auf georgisch. Ihre Lieder klingen sehnsüchtig. Sie tritt das erste Mal auf dem Kultursommer auf.

Zu den alten Hasen und Mitbegründern der Veranstaltung gehört das Yesidische Forum. Und es hat einiges zu bieten: Reis mit Erdnüssen, gefüllte Bulgurtaschen, Lamm, Kokoskekse, Fladenbrot aus dem Steinofen, Weizenbrei mit
Joghurt.
Die Tische biegen sich. Zubereitet hätten das „die guten Seelen“ des 354 Familien starken Vereins. Die Damen dürfen sich jetzt allerdings amüsieren, während die lieben Gatten das gekochte servieren. Sollte hier irgendwer hungrig bleiben, gibt es gleich nebenan, beim Verein Deutsch-Irakische Begegnungen Diwan Nachschub. „Börek, gefüllte Weinblätter, Kartoffeltaschen und Tatli – ein süßer Brandteigkringel“, zählt Tanja Haji auf. Die 22-Jährige engagiert sich neben ihrer Arbeit im Vertrieb ehrenamtlich beim Verein, der vorrangig geflüchtete Iraker unterstützt und beim Einleben hilft.

Nichts zu essen, aber viel zu erzählen haben die Mitarbeiter des „Haus Welcome“. Eine Fotowand der Bümmersteder Initiative zeigt, was sie mit dem Preisgeld des Integrationspreises, den die Initiative verliehen bekommen hat, angestellt hat: Eine Wattwanderung in Schillig. Hier und heute wollte man „mal an die Öffentlichkeit gehen“ – und ist in guter Gesellschaft.

Zwölf Verbände, Vereine, Institutionen, Religionsgemeinschaften sind an diesem Sonntag vertreten. „Die Auswahl fiel ganz schön schwer“, sagt Valle Lamberts, die zum Moderatorinnenduo gehört. Die Brasilianerin ist gelernte Journalistin und arbeitet bei Radio Globale, einer Sendung auf Oeins. „Das hier ist nur ein Ausschnitt“, sagt sie.

Aus mehr als 140 Ländern stammen die zugewanderten und geflüchteten Menschen, die hier in Oldenburg leben. Einer von ihnen ist Seedy Saidykhan, der vor zwei Jahren aus Gambia in die Stadt kam. In seiner Heimat war der 20-Jährige Jurist. Jetzt moderiert er im Radio und freut sich auf die vielfältigen Auftritte des Tages, wie die oldenburgisch-afrikanische Combo Kokoti, den Ibis-Chor der Vielfalt oder die bremisch-syrische Gruppe Zollhausboys. Später am Abend wird Electro-Queen Ava Asante ein Konzert geben.

Malak und Mira sind dann vermutlich schon im Bett. Die sechs- und neunjährigen Schwestern haben sich zur Feier des Tages besonders hübsch gemacht und sind in Yesidischen Trachten erschinen. Normalerweise „ziehen Omas sowas an“, sagt Mira. Dieser Tag ist eben anders. Und das ist gut so.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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