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Oldenburg Bühnenreif ist die Diskussion um die Verteilung der Gelder für Kultureinrichtungen: Den Institutionen reichen die Mittel nicht. Nur die Stadt hat genug. Zumindest vom Streit. Im August 2018 hat der Rat beschlossen, ein neues, zukunftsfähiges Konzept für die Kulturförderung zu entwickeln. Wie soll das aussehen? Wo liegen Knackpunkte? Wer redet mit? Die NWZ beleuchtet die Szenerie.

Was sind die Gründe für die Neuausrichtung?

Vielen Kultureinrichtungen steht ein Generationswechsel bevor. Damit einher gehen auch neue Entwicklungen in Kunst und Kultur. Die kommunalen Fördermittel sind begrenzt, während der Bedarf an Unterstützung wächst. Der Stadt fehlen Leitlinien, auf deren Grundlage Gelder nachvollziehbar verteilt werden können.

Was ist geplant, um das Problem zu lösen?

Gedacht ist an ein partizipatives Verfahren. Zunächst sollen mit kulturpolitischen Mandatsträgern aus den im Rat vertretenen Fraktionen Vorschläge für Förderschwerpunkte und die Ziele sowie Bedingungen der städtischen Kulturförderung diskutiert und erarbeitet werden.

In einem zweiten Schritt soll mit Vertretern der geförderten Einrichtungen und aus dem Kreis der beratenden Mitglieder des Kulturausschusses über ihre kulturpolitischen und gesellschaftspolitischen Positionen diskutiert werden und eine Analyse der erforderlichen Grundlagensicherung erfolgen. Hinzugezogen hat die Stadt einen „Prozessbegleiter“.

Wer wurde als Berater hinzugezogen?

Helfen soll Kurt Eichler. Der 66-Jährige ist langjähriger Leiter der Kulturbetriebe Dortmund, Vorstandsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft und Vorsitzender des Fonds Soziokultur. Er wird in mehreren Ortsterminen geförderte Kultureinrichtungen der Stadt besuchen und eine Bestandsaufnahme machen. Besonders interessiere ihn die vier am besten und am niedrigsten Bezuschussten, so Eichler. Geplant sind auch einrichtungsbezogene Stärke- und Schwächeanalysen.

„Ich will mir die Infrastruktur angucken, sehen, wie produziert wird, ob in Theatern neben eigenen Stücken auch Gastspiele aufgeführt werden, wie die Öffentlichkeitsarbeit und der Umgang mit Sozialen Medien organisiert ist“, sagt der Dortmunder. Interessant sei auch die Kulturpädagogische Arbeit der Institutionen.

Was geschah bisher auf politischer Ebene?

Die letzten Leitlinien zur Kulturförderung wurden 2007 erstellt und sind nach Einschätzung Eichlers ziemlich überholt. Bevor er zurate gezogen worden ist, haben in vorhergegangenen Kulturausschuss-Sitzungen verschiedene Gäste über ihre Erfahrungen mit Kulturförderung berichtet. So waren unter anderem im Mai 2018 Maria Blom und Dörte Mierau aus den Niederlanden eingeladen und haben vorgestellt, wie bei ihnen zuhause in Groningen Kultur gefördert wird.

Was haben wir mit den Niederlanden gemeinsam?

Die Kulturförderung im Nachbarland gilt als sehr fortschrittlich, sagt Kurt Eichler. Dort werden auf Grundlage einer Empfehlung der Experten des „Raad voor Cultur“ Zuwendungen vergeben. Dabei hätten die Einrichtungen die Ziele des Staates, der Region und der Stadt in ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Der Expertenrat bewerte die Konzepte der Einrichtungen inhaltlich und gebe auf dieser Grundlage seine Empfehlungen ab.

  Die Einrichtungen müssten sich diesem Urteil stellen, weswegen es auch möglich sei, dass bei einer nicht befriedigenden Zielerreichung in der Vergangenheit, der Institution die Förderung nicht länger gewährt werde. Hinzu kommt ein Eigenanteil von mindestens 21 Prozent. Gefördert wird für jeweils einen Vier-Jahres-Zeitraum.

Das Oldenburger Konzept soll an das Groninger Vorbild angelehnt sein. „Allerdings auf die Stadt zugeschnitten“, verspricht Kurt Eichler.

Wann soll das neue Konzept in kraft treten?

Ein Ratsbeschluss über die Neuausrichtung der Kulturförderung, der dann zum Haushalt 2020 greifen könnte, ist nach den genannten Arbeitsschritten und Abstimmungen für August dieses Jahres geplant.

Über wie viel Geld reden wir eigentlich?

Im Haushalt 2019 sind rund 9,4 Millionen Euro für den Bereich Kultur- und Künstlerförderung eingeplant. Ein Großteil geht an das Augusteum und das Staatstheater. Dazu ist die Stadt vertraglich verpflichtet: seit 1963 müssen 25 Prozent der nicht durch Erträge gedeckten Betriebsaufwendungen für das Staatstheater übernommen werden.

Die übrigen 2,4 Millionen Euro verteilen sich auf 23 Institutionen. Ein weiterer, nicht unerheblicher Fond bezuschusst Kulturprojekte, wie die Keramiktage und den Kultursommer.

Wer wird alles von der Stadt gefördert?

Zu den 23 Institutionen zählen: Theater Wrede (100 000 Euro), Theater Laboratorium (120 000 Euro), Theater Hof 19 (102 800 Euro), Jugendkulturarbeit (70 000 Euro), Trägerverein Musik und Literatur (19 900 Euro), VHS (698 000 Euro), Internationales Jugendprojektehaus (90 000 Euro), Arbeit und Leben (12 300 Euro), Oldenburger Kunstschule (226 100 Euro), Werkschule (187 300 Euro), BBK (7 200 Euro), Computermuseum (4 800 Euro), Offener Kanal Oldenburg Eins (43 400 Euro), Oldenburger Kunstverein (52 500 Euro), Werkstattfilm (96 400 Euro), Atelier Blauschimmel (53 800 Euro), Medienbüro (26 300 Euro), Ibis (14 900 Euro), Kulturetage (336 700 Euro), Oh Ton (45 400 Euro), Klangpol (25 000 Euro), Kreativlabor (58 800 Euro), Chor Bundschuh (12 500 Euro) .

In einigen Positionen gibt es für 2019 gegenüber dem Vorjahr nach dem Haushaltsbeschluss des Rates deutliche Erhöhungen, davon hat unter anderem das Theater Laboratorium profitiert.

Warum kriegt nicht jeder gleich viel?

Wie viel finanzielle Unterstützung einer Einrichtung zustehe, hänge nicht nur von inhaltlichen, sondern natürlich auch von Faktoren wie den Räumlichkeiten ab: „Wer mehr Fläche hat, verbraucht auch mehr Energie und muss mehr Miete zahlen“, sagt Kurt Eichler.

Nach welchen Kriterien gibt es Geld?

Neben den äußeren Umständen werden laut Kurt Eichler mit den Förderverträgen Zielvereinbarungen verbunden sein, die – wie in Groningen – von den zuständigen Gremien der Stadt vorgegeben werden. Es wird optionale Mindeststandards zur Kulturförderung geben. Außerdem werden die Einrichtungen später Verwendungsnachweise erbringen müssen. Im ersten Schritt werden die aktuellen Förderverträge ausgewertet.

Wird das neue Konzept gerechter sein?

„In Oldenburg gibt es eine gewachsene Verteilung, die schon lange so besteht. Einige Einrichtungen sind mit der Zeit größer geworden. Inzwischen ist kaum noch nachvollziehbar, warum der eine so viel und der andere so viel bekommt“, sagt Kurt Eichler.

Natürlich hätten alle mehr Belastung – durch steigende Löhne oder höhere Energiekosten. Irgendwo müsse man eine einheitliche Linie finden.

Es solle keine Einzelfallentscheidungen mit individuellen Lösungen, sondern einheitliche Kriterien geben. Dafür werde man Kompromisse finden: „Die Stadt hat eine Vorstellung ihrer Kulturlandschaft, die Einrichtungen manchmal eine andere. Bestimmte Korsettstangen sind unumgänglich.“

Gibt es am Ende mehr Geld für Kulturförderung?

Über die Finanzen müsse die Stadt entscheiden, sagt Kurt Eichler. Für den Prozessbegleiter steht fest: „Allen wird das nicht gefallen. Man muss ausgleichende Gerechtigkeit schaffen.“

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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