Oldenburg Einer der größten faunistischen Irrtümer vieler Deutscher beruht auf Walt Disneys Film „Bambi“. In der amerikanischen Fassung des Zeichentrickklassikers sind Bambi und seine Familie keine Rehe, sondern Hirsche. Denn auf dem nordamerikanischen Kontinent kommen gar keine Rehe vor. In der deutschsprachigen Version ist Bambi allerdings ein Rehkitz, so wie es in der Romanvorlage des österreichischen Schriftstellers Felix Salten von 1923 steht. Ebenso ist seine Mutter ein Reh. Der Vater ist jedoch der amerikanische Hirsch mit prächtigem Geweih geblieben und diese Kombination hat dafür gesorgt, dass auch heute noch viele erwachsene Deutsche der Meinung sind Reh und Hirsch bilden ein Paar.

Kitz inspiriert Tierschutz

Trotz dieser Verwirrung hat der Film ganze Generationen auch im positiven Sinne nachhaltig geprägt, weiß Dramaturg Matthias Grön: „Viele Tierschutzorganisationen haben sich gegründet, weil die Leute von den großen Augen des Rehkitzes beeindruckt waren.“ Gemeinsam mit Regisseur Eike Gerrit Hannemann und Theaterpädagogin Dorothee Hollender inszeniert Grön nun die Originalgeschichte „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“ in niederdeutscher und hochdeutscher Sprache für Kinder ab sieben Jahren am Oldenburgischen Staatstheater. Seit mehreren Jahren pflegt man eine Kooperation mit dem Ohnsorg Theater und tauscht im zweijährigen Wechsel plattdeutsche Kindertheaterstücke aus. „Bambi“ ist eine Produktion der Oldenburger und wandert im Januar nach Hamburg.

Die Zweisprachigkeit ist ein pädagogischer Kniff, um auch die Kinder mitzunehmen, denen das Plattdeutsche noch nicht so vertraut ist. Die Geschichte lässt sich trotzdem verstehen, und die Kinder lernen nach und nach Begriffe dazu. Genauso ergeht es auch Bambi selbst. Er und die anderen Rehe sprechen Hochdeutsch. Die Sprache des Waldes und der übrigen Tiere ist jedoch Platt. Die niederdeutschen Anteile des Stückes hat Cornelia Ehlers übersetzt. Herwig Dust, der ehemalige Leiter der August-Hinrichs-Bühne, sorgt als Sprachpate dafür, dass die Akteure alles korrekt aussprechen.

Live-Hörspiel mit Humor

Die Akteure sind in diesem Fall Julia Friede aus Hamburg und Gerrit Frers und Ralf Wegner aus Oldenburg, die schon häufiger als Gäste am Staatstheater waren. „Die Geschichte von Felix Salten ist unglaublich reich an Klängen und Geräuschen. Der Wald wird im Roman vor allen Dingen akustisch beschrieben und das hat uns auf die Idee gebracht, ein Live-Hörspiel zu machen und den Wald mit seinen ganzen Blättern, Bäumen, dem Wind aber auch allen Tieren erstmal akustisch herzustellen und dann darein die Geschichte zu legen“, beschreibt Grön den Aufbau des Stückes. Mit allen möglichen Materialien und Utensilien, sogar den eigenen Kostümen, werden Geräusche erzeugt. Bei all der Dramatik des Stückes sorgt das für die notwendige Prise Humor.

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