Oldenburg 19 273! Eine echte Zahl des Tages. Hinter dieser Dimension stecken Schülerinnen und Schüler aus Oldenburg und dem Umland, und die Zahl steht für eine der großen Erfolgsserien im Staatstheater. „Kinder im Orchester“ läuft seit 2006. Das heißt: In jedem Jahr haben 1483 Jungen und Mädchen die jeweils bis zu 40 Konzerte besucht.

Vor der Premiere für die neue Spielzeit kommt da auch niemand auf den Gedanken, dass es sich um einen Sitzstreik handeln könnte, wenn er ein Sit-In vor dem Bühneneingang im Kleinen Haus erlebt. „Ihr Lieben, ich verlass‘ mich jetzt ganz auf euch“, sagt Dirigent und Moderator Thomas Honickel, ehe er die beiden Grundschulklassen aus Nadorst zum Staatsorchester direkt auf die Bühne schickt. Das kann er, denn alle haben aufmerksam dem Kapellmeister bei der Erklärung der Konzert-Regeln gelauscht: „Klatscht bitte, wenn die Musiker zu ihren Plätzen gehen – das heißt so etwas wie Guten Morgen liebe Orchesterleute, schön, dass ihr da seid.“ Klar: „Und schon haben alle gute Laune.“

Alle bringen gute Laune zusammen. Das Thema „Spielen und Spielzeug“ betrifft jeden und beflügelt die Fantasie bei der Umsetzung in Melodien, Rhythmen, Klänge und Traumbilder. Ralf Santo, der Ober-Kontrabassist, zaubert einen zugefrorenen See in den Bühnenraum. Mit Flageoletts, also mit nur auf die Saite gehauchten Bogenstrichen, entsteht die Illusion von gläsern durchsichtigem Eis. Dann setzen alle Streicher diese Technik ein. Allein zwei Bratschen dürfen voll tönen – das sind die Schlittschuhläufer.

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Über die Zusammensetzung der Instrumente bestimmen die Kinder. Sie verteilen Ziffern im Orchester und würfeln dann darüber, welche Gruppen einsetzen. Der Ragtime „Gollywogs Cakewalk“ des Franzosen Claude Debussy gewinnt so den Tagespreis: Die Kombination von Zweiten Violinen, Klarinetten und zweiter Trompete lässt selbst die Musiker schmunzeln. Die Besetzung von vier Hörnern und Bratschen für die schräge kurze Melodie bringt fast alle zum Lachen – nur die Hornisten logischerweise nicht.

Was ein Fugato ist, merkt sich sicherlich niemand der jungen Hörer. Doch die Freude daran teilen alle. Honickel erklärt die Form mit dem alten Versteckspiel. Wer entdeckt worden ist, rennt weg – und hier flüchten erst die Kontrabässe, dann die Fagotte, die Oboen und schließlich die Piccoloflöte.

Die großen Fragen zum Wert der Musik für Kinder bleibt in der kurzweiligen Stunde draußen. Macht Musik junge Leute klüger? Kann man kreativ Probleme lösen, wenn man kreativ denkt? Stärkt eigenes Musizieren Intellekt, Sozialverhalten und Konzentration? Fest steht: 19 273 junge Menschen sind erst einmal konkret mit Musik in Kontakt gekommen. Am Ende der Spielzeit werden es um die 20 700 sein. Kaum vorstellbar, dass das ohne positive Folgen bleibt.

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