Oldenburg Der kleine Felix war sieben Jahre alt, als seine Familie, ursprünglich jüdischen Glaubens, geschlossen zum Protestantismus konvertierte. Später, als der frühreife und hochbegabte junge Mann zwanzig Jahre alt war und seine erste Voll-Sinfonie geschrieben hatte, wollte er nachträglich ein musikalisches Glaubensbekenntnis ablegen und komponierte die „Reformations-Sinfonie“ zum 300. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses von 1530.

Die viersätzige Sinfonie besticht durch die traditionelle viersätzige Anlage, die geistig-geistlichen Bezüge – das gregorianische Magnificat, das Dresdner Amen und ein Luther-Choral – und die ungewöhnliche Verschmelzung von Choralvariationen und Fugato mit der sonatensatztypischen Verarbeitung von Motiven. Im vierten, abschließenden Satz, nimmt Mendelssohn alle Elemente zusammen, darunter das Dresdner Amen, das Wagner als Gralsmotiv im „Parsifal“ ebenfalls an exponierter Stelle benutzte, und stellt kunstvoll einen in sich runden übergeordneten Zusammenhang all der geschichtlich geprägten, sehr unterschiedlichen Motive her.

Das klangschöne, authentische und intellektuell überzeugende Glaubensbekenntnis erfuhr durch die Kammersinfonie Oldenburg vor ausverkauften Reihen im Schloss eine vitale, durch und durch geglückte Frischzellenkur.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Bei mittleren Tempi, die Extreme scheuend, rhythmisch pointiert und dynamisch vorwärtsschreitend, gelang es dem aus Laien zusammengesetzten Kammerorchester, die motivischen Bezüge offenzulegen, gleichsam in die Keimzellen der Partitur hineinzuhorchen, und gleichzeitig den sich verschränkenden Ablauf des Aufbaus nachzuvollziehen. Hinzu kam eine gut einstudierte Balance zwischen Streichern und Bläsern und eine leicht dunkle, als romantisch empfundene Grundierung des Tons.

Das Programm hatte mit der „Reformations-Sinfonie“, der viel zu wenig gespielten Konzert-Ouverture im ernsten Stil op. 126 von Louis Spohr und dem ersten Klarinetten-Konzert von Carl Maria von Weber ganz gezielt „romantische“ Werke zusammengestellt, die das versprachen und hielten, was mit deutscher Romantik verbunden wird: ein sehnsüchtig-schmerzlicher Gefühlsüberschuss, reiche, schweifende Melodik, Momente der Verinnerlichung und des seelischen Tiefgangs neben Momenten der Lebenszugewandtheit.

All das, gepaart mit Virtuosität, drückt das 1. Klarinetten-Konzert op. 73 von Carl Maria von Weber trefflich und stilbildend aus. Die junge Ramona Katzenberger brillierte auf ihrem Solo-Instrument nach Belieben, denn die spielerisch-konzertante Grundhaltung des Werkes gab ihr die Gelegenheit, ihre technische Finesse und ihr ganzes Potenzial herauszustellen.

Allerdings gab es wohl nicht genug Proben mit der sehr gut aufgelegten Kammersinfonie; die Einsätze und das Tempo stimmten manchmal nicht völlig überein.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.