Oldenburg Lucas Ruiz de Ribayaz. Feiner Name. Den könnte man sich einfach erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Doch mit Wortspielen hält sich das Ensemble „Artemandoline“ gar nicht erst auf. Es macht diesen Spanier gleich zu Musik, und zu was für welcher!

Die sieben Frauen und Männer zelebrieren im nicht voll besetzten Schlosssaal im Barockkonzert des Vereins der Musikfreunde Oldenburg (VMO) von diesem de Ribayaz spanische Barocktänze. Von Giuseppe Antonio Brescianello steuern sie eine Sinfonia bei, die dem Klangreiz auch dieses Namens nicht nachsteht. Domenico Scarlatti, Nicola Mattheis und Giuseppe Torelli fügen sich ein. Und vollends dann Antonio Vivaldi mit seinem Konzert für zwei Mandolinen.

Wer denkt, damit sei die Virtuosität auf den in der Stimmung durchaus tückischen Zupfinstrumenten an ihrer Obergrenze angelangt, der reibt sich danach noch einmal Augen und Ohren. La Follia – wer kennt nicht irgendwelche der unzähligen Variationen über dieses volkstümliche Thema? Aber hat schon jemand solche unerhörten gehört wie hier von einem Anonymus aus dem Neapel des 18. Jahrhunderts?

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Frappierende Technik

In allem führt dieses Septett leichtfüßig den Nachweis, dass es mit drei Mandolinen aller Art, Cembalo, Barockgitarre, Cello und Violone absolut konkurrenzlos sein könnte. Die Solisten Juan Carlos Munoz und Mari Fe Pavón auf den Sopran-Instrumenten, dazu Alla Tolkacheva vielseitig auf der tieferen Mandola und Mandolone sowie die Continuo-Spieler führen eine frappierende Technik ins Feld.

Doch der Spitzenwert für „Artemandoline“ ergibt sich aus Logik und Klugheit der Einrichtungen für diese Besetzung und in der bezwingenden Musikalität und Lebhaftigkeit jedes Mitstreiters.

Zuvörderst stützt sich das Ensemble zwar auf Originalliteratur der Zeit zwischen 1680 und 1790. Doch schon damals wurde abenteuerlich variiert und umbesetzt. Die Tutti-Violinstimmen bei Vivaldi überträgt „Artemandoline“ auf Mandola und Barockgitarre. Das fetzt und ist authentisch.

Der Komponist stellte sich sowieso „tutti violini pizzicati“ vor, alle im Zupfmodus. Für die Chaconne von Mattheis legt die Mandolone den Bass-Grund. In den Follias zieht die Gitarre diese durchgehaltene Linie. Bei aller Routine und Konzentration, die dieses atemberaubend präzise Zusammenspiel erfordert, fasziniert die Lebendigkeit. Die Sieben versprühen Freude, Neugier und Lockerheit, als entdeckten sie diese Tänze, Variationen, Motive, Melodien und kunstreich verzierten Satzschlüsse gerade erst staunend.

Auf 36 Festivals

Vielleicht darf sich der Verein der Musikfreude auch ein bisschen selbst auf die Schulter klopfen. Die Vita von „Artemandoline“ führt nicht weniger als 36 Festivals an, bei denen es zwischen Stockholm, Venedig, Riga, Alden-Biesen, Madrid oder St. Guilhelm-de-Désert regelmäßig gastiert.

Da noch Oldenburg dazwischen zu passen – klasse. Das hatte mehr Zuspruch verdient.

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