Oldenburg Die Musikstadt Wien mit ihren Walzern und Ländlern war programmatischer Mittelpunkt am Sonntag beim ersten Konzert der Großen Pianisten im Kleinen Haus des Staatstheaters. Für den kurzfristig verhinderten Herbert Schuch war der koreanische, jetzt in München lebende Pianist William Youn (geb. 1982), mit einem klug zusammengestellten Programm eingesprungen. Mit Elan und leichtfüßigem Anschlag spielte er Franz Schuberts „Valse Sentimentale“ und die „Soirées de Vienne“ von Franz Liszt, in welchem derselbe wienerisch angehauchte Walzer raffiniert verarbeitet wurde. Schuberts sogenannte „kleine“ A-Dur Sonate geriet dem mit feinen melodischen Nuancen spielenden Pianisten durch die Tempowahl zu Beginn des ersten Satzes noch etwas schwerfällig. Wunderschön spielte Youn aber die zahlreichen, ausdrucksvollen melodischen Vorhalte im Andante und mit technischer Bravour den bewegten Schlusssatz.

Robert Schumann komponierte seine groß angelegte Humoreske während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Wien. Dieses Werk enthält eine Vielzahl von emotionalen Stimmungen. Überschwängliche Lebensfreude wechselt sich ab mit melancholischer Schwermut und Nachdenklichkeit. Dies alles war bei der Interpretation durch William Youn bestens zu hören. Seine ausgezeichnete Anschlagskultur und seine gekonnt eingesetzte Pedaltechnik sorgten für ein musikalisch farbenreiches Klangbild, in dem sich die Schumannschen Lebensstimmungen bestens entfalteten.

Liszt war ein Meister der Kunstliedbearbeitung. Natürlich vertonte er vor allem Kunstlieder von Schubert. War bei „Auf dem Wasser zu singen“ die Melodiestimme noch etwas im Hintergrund, so konnte diese sich um so schöner beim berühmten, mit inniger Wärme interpretierten „Ständchen“ entfalten. Neben zwei weiteren Liedbearbeitungen von Clara Schumann beeindruckte William Youn mit seiner virtuosen Interpretation ihres mit bewegten Arpeggien und Läufen komponierten f-Moll Scherzos.

Youn zeigte einen eigenständigen Interpretationsansatz, in dem ein gut durchgestaltetes melodisches Spiel im Vordergrund stand, gepaart mit vielfältigen Ausdrucksschattierungen und einer ausgefeilten Klangbalance.

Der anhaltende Beifall des Publikums gab dem entsprechend Ausdruck. Als Zugabe war dann noch Schumanns geschmeidig gespielte „Widmung“, wieder in der Bearbeitung von Liszt, zu hören.

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