Oldenburg Lambertikirche, Radfahrer, Grünkohl, Moin und Hundehütten – geben Sie’s zu! Das dürften bestimmt einige der Antworten sein, wenn Sie um eine Beschreibung Oldenburgs gebeten werden. Aber wie lässt sich die Frage „Wer ist Oldenburg?“ hinreichend klären?

In einer Zeit wie dieser – da man den Namen seines Nachbarn kaum mehr kennt, geschweige denn dessen Geschichte – haben der 22-jährige Omid Mohadjeri und Michael Telkmann (37) eben selbige für eine bewegende Momentaufnahme angehalten. Das Filmteam hat Bürger dieser Stadt zu Wort kommen lassen, denen es oft genug die Sprache verschlagen haben mag. Es hat deren Welten und Werten ein Gesicht gegeben, und damit auch unserer Stadt. Ja, das ist zuweilen eine enorm intime Offenbarung – und hochemotional für Erzähler wie Zuschauer – , peinlich aber in keiner Sekunde. Oldenburg berührt, die Menschen machen es. Man muss nur einmal zuhören (wollen).

Parallele Weltpremiere im Cine k

Am Freitagabend hatte das Filmkunstkino zur parallelen „Weltpremiere“ des Oldenburg-Films in gleich zwei Sälen geladen. Knapp 140 Gäste waren dabei, als Telkmann vor Filmstart von den „22 früheren Versionen“ des Werks sprach, von der „hohen Verantwortung, all den Menschen gerecht zu werden“ und davon, wie brutal es doch gewesen sei, „220 Stunden Videomaterial auf 90 Minuten herunter zu schneiden“.

Dann geht’s los. Nach zehn Monaten kräfte- und tränenzehrender Arbeit.

Sätze wie „Da ist etwas, das Dich bedingungslos liebt, weil Du Du bist“, „There’s one human race“, „Es gibt immer Hoffnung“ oder auch „Ich möchte so leben, wie ich bin – das hilft mir, glücklich zu sein“, fallen samt der zugehörigen Geschichten staccato. Tränen auf der Leinwand, Tränen in den Polsterreihen. Pure Emotionen wabern durch den Studiosaal. Da ist von Flucht und Liebe die Rede, von Ängsten und Entgleisungen. Von Familie und Einsamkeit. Was sich nicht immer unterscheiden muss. Schnitt. Schnitt. Schnitt.

Termine und Infos

Vereinzelte Restplätze stehen in den kommenden Vorstellungen im Cine K (Kulturetage, Bahnhofstraße 11) noch zur Verfügung.

Die weiteren Termine: Montag, 3. Juni, 18.30 Uhr (Studio). Mittwoch, 5. Juni, 20 Uhr (Muvi), Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr (Muvi). Folgetermine im Juni werden an diesem Montag bekannt gegeben.

Strahlende Persönlichkeit vor schwarzer Leinwand

Mehr als 200 Oldenburger hatte das mehrköpfige Team um Telkmann (Jugendmigrationsdienst im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands in Oldenburg) und Regisseur Mohadjeri im Vorfeld interviewt. Ihnen Fragen gestellt, sie aber auch einfach durch Erinnerungen wandern lassen. Entsprechend erscheint die Leinwand reduziert auf das Wesentlichste – auf erzählende Augen, auf sprechende Münder, auf Mimik und Mensch. Auf strahlende Persönlichkeiten vor schwarzer Leinwand. Und mehr braucht es auch nicht.

Rund 40 Bürger dieser Stadt prägen das Intensiverlebnis Kino. Viele weitere, nicht minder wertvolle Interviews, sind auf der zugehörigen Internetseite „Wer ist Oldenburg?“ in Wort und Bewegtbild zu finden. Und jedes einzelne Video ist Oldenburg.

Stolz und Liebe

„Wir kommen gerade zurück zur Erde“, hatte dann auch Telkmann einen Einblick ins Seelenleben der Macher gegeben. „Unser Team hatte uns verarscht und gesagt, dass die Projektoren überhitzt seien, der Film nicht starten könne“, so der 37-Jährige, „aber jetzt wird alles gut.“ Vielmehr ist es das doch längst. Denn die Resonanz auf den Film – der von verschiedenen Stellen finanziell gefördert wurde – ist überwältigend.

Noch am Sonntagmittag, als Telkmann in der heimischen Hängematte liegt, scheint er es noch immer nicht fassen zu können, dass die Arbeit am Filmprojekt nach zehn Monaten von heute auf morgen beendet ist. Tatsächlich wird dem beteiligten Team aber jetzt erst so richtig klar, was es da geschafft und als Visitenkarte Oldenburgs hinterlegt hat. „Wir haben nach der Premiere noch bis 5 Uhr morgens geredet“, sagt er, „das ist alles so unbeschreiblich.“ Deshalb fände Telkmann auch keine Worte für das Erlebte. Im Gegensatz zu den Premierengästen.

„Gönnt und teilt! Das bringt Euch weiter!“

„Ich habe Oldenburg schon immer geliebt, aber jetzt bin ich stolz“, sagte da eine junge Frau noch im Kinosaal am Freitagabend ganz ergriffen. Sicherlich auch wegen der zahlreichen Sequenzen, die herrlich atmosphärische Bilder der Stadt zeigen, die Größe im Kleinen offenbaren.

Auch wenn die ersten Vorstellungen weithin ausverkauft sind: Chancen gibt es noch jede Menge. Der Film werde so lange gezeigt, „wie er gesehen werden will“, verspricht Wolfgang Bruch (Cine k). Und das dürfte angesichts dieser Gefühlsgewalt und transportierter Heimatliebe wohl noch einige Zeit der Fall sein. Nicht zuletzt bietet ja auch die Internetseite noch reichlich Material zur Überbrückung bis zur möglichen DVD-Veröffentlichung. Um ein wunderbares Zitat des Films aus dem Zusammenhang zu reißen: „Gönnt und teilt – das bringt Euch im Leben weiter!“


Der Link zu mehr Oldenburg:   www.wer-ist-oldenburg.de 
Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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