Oldenburg Für ein Konzert ganz nach Norwegen reisen? Unmöglich. Skandinavische Möglichkeiten gibt’s auch in Oldenburg zu endecken. Nicht nur bei Ikea. Auch wenn die schnuckelige Familienhaushälfte in Eversten mindestens ebenso vollgestellt ist, wie das Lager des Möbeldiscounters.

Turnschuhberge, Schlafsackhaufen, Taschentürme versperren der mit sechs Jumbo-Brötchentüten beladenen Manuela Girgsdies den Weg in die Küche. Sie schnauft: Geschafft. Zwölf Bands aus allen Ecken Europas, Australien und Amerika musste sie als Bookerin für die internationalen Kulturbühne zum Stadtfest in Oldenburg unterbringen. Möglichst in Privathaushalten. Zur Not alle in ihrem Zuhause. Dann müssen halt alle ein bisschen zusammenrücken und die Kinder mal woanders schlafen.

Der interaktive Bühnenplan fürs Stadtfest Oldenburg

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die Girgsdies-Sprösslinge sind das gewohnt: Seitdem Mama sich ihren norwegischen Musikwunsch vor drei Jahren erfüllt und die Crew von „Depui“ sowohl zum Stadtfest als auch ins Eigenheim eingeladen hat, kampieren hier regelmäßig Musiker. „Cool“, sagt Finia und schaufelt Nutella auf sein Brötchen. Der Neunjährige borgt dem Besuch gerne sein Hochbett. Dafür darf er dessen ersten Auftritt um 19 Uhr sehen. „Nimm bitte einen Teller“, sagt seine Mutter und türmt Schinken auf ein Tablett. Frühstück ist fertig.

Literweise Kaffee

„Morning“, sagt jemand mit langen Haaren und gähnt. War schon dunkel, als die schwedischen Jungs von „Samson for President“ hier gelandet sind. Bei Tageslicht betrachtet sieht alles recht gut aus: Jan Girgsdies piekst gerade zwei Dutzend Eier an und kocht literweise Kaffee – die Nacht wird schließlich lang. Während seine Liebste die Bands ins Radiostudio kutschiert, wird er einkaufen fahren. Aspirin steht schon auf der Liste. Meistens fehlt noch Wasser und Bier, manchmal auch ein Schlagzeug – das stellt Manuela Girgsdies aber spätestens beim Bühnencheck am Nachmittag fest. Bringt die zweifache Mutter aber nicht aus der Ruhe. Hauptsache, es gibt genug Betten, Sofas und Luftmatratzen für die Gaststars. Eine britische Combo hat sie bei einem betagten Ehepaar einquartieren können, das bei der Gelegenheit seine Englischkenntnisse aufpolieren und Smalltalk mit den Native Speakers führen will. Ausgeholfen beim Platzproblem hat auf die Schnelle noch eine Nachbarin – und „No Sugar“ die Couch freigeräumt.

Elche und Tauben

Tafeln dürfen die Bandmitglieder aber bei Manuela Girgsdies. Einer schwärmt gerade Fruchtzwerge löffelnd vom Festivalcharakter des Stadtfestes. Daheim in Schweden gibt es auch welche – in jedem Hundertseelendorf zwischen Fjorden und Elchen: „Da stehen dann 20 Leute vor der Bühne“, sagt er. Getourt sind die Stockholmer von „Samson for President“ und „Sounds like Moving“ schon durch ganz Europa. Nach Oldenburg verschlägt es sie das erste Mal. Sauber sei es – „und die Tauben sehen richtig gesund aus“. Manuela Girgsdies lacht. Wenn sie nicht gerade die Musikwelt zu Gast hat, dolmetscht sie als freiberufliche Übersetzerin.

Schwedisch spricht die 38-Jährige nicht, dafür Niederländisch und Englisch. Verstanden, was für aufstrebende Musikkarrieren wichtig ist, hat sie längst: „Wir versuchen die Stadtfesttage auch immer mit Promotion zu koppeln“, sagt sie. Neben dem Radioauftritt stehen auch andere Konzerte in der Region auf dem Programm der Bands. Viel Zeit in Finias Hochbett werden die Skandinavier nicht genießen können. Nachtschichtwechsel steht auch schon am Freitagabend an: Dann ziehen „Samson for President“ und „Sounds like Moving“ weiter – und „Phillie & The Cruel Faces“ bei Manuela Girgsdies ein. So steht es zumindest in ihrer Kladde, die eventuellen Verwechslungen vorbeugen soll.

Es klingelt an der Tür. Irgendein Tourmanager kommt rein und noch ein Typ mit langen Haaren. Wo der jetzt zugehört, weiß Manuela Girgsdies nicht auf Anhieb. Er kriegt trotzdem Nutellabrötchen und Sitzplatz angeboten. Zum Glück haben die Oldenburger den halben Bäcker leer gekauft. „Jedes Jahr kommen mehr Musiker – trotz der kleinen Gagen“, sagt die Oldenburgerin stolz. Schließlich war das ja ihr Wunsch, mit dem alles angefangen hat.

Vielfalt statt Villa

„Irgendwann hätte ich gerne ein riesiges Bandhaus mit Pool und Sauna, wo ich alle unterbringen kann“, sagt sie – „obwohl das so auch irgendwie schön ist.“ Einer mit langen Haaren, Martin Bejarano Wahlgren, heißt er, nickt begeistert: „Hotels sind langweilig – eine Fassade der Stadt. Vom echten Leben kriegt man nichts mit“, sagt er kauend.

Und für ein Konzert muss keiner in die Ferne schweifen – nicht zu Stadtfestzeiten. Entdecke die Möglichkeiten in Oldenburg.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.