Oldenburg Erst die Gemeinde, dann die Kirche: Am Reformationstag 1894 wurde die Friedenskirche der Evangelisch-methodistischen Gemeinde nach einjähriger Bauzeit eingeweiht. 125 Jahre später soll das am 31. Oktober mit einem musikalischen Festgottesdienst ab 11 Uhr in der Kirche gefeiert werden.

Zu verdanken hat die Gemeinde, die seit 161 Jahren besteht, den Kirchenbau dem wohl tatkräftigsten und erfolgreichsten Prediger der Oldenburger Gemeinde Franz Klüsner, ist in der Chronik nachzulesen. Er war viel herumgekommen. Doch seine ganze Liebe galt der Oldenburger Gemeinde, in deren Mitte er auch seinen Lebensabend verbrachte. Mit dem Bau der Friedenskirche hat er sich ein bleibendes Denkmal gesetzt. Es gelang ihm, dem Architekten Spieske, ein Grundstück am Friedensplatz abzukaufen, den sogenannten Oppermannschen Garten, ist in der Chronik nachzulesen.

28 000 Mark gezahlt

Eine Zeitungsnotiz aus den ,,Nachrichten für Stadt und Land“ vom 5. Oktober 1893 lautet: ,,Wie man aus sicherer Quelle hört, ist der Ankauf des Bauplatzes auf dem Oppermannschen Grundstück am Friedensplatz zum Bau einer Kirche für die hiesige Methodistengemeinde perfekt geworden. Die Kaufsumme beträgt 28 000 Mark, und ist dies wohl die höchste Summe, welche in hiesiger Stadt jemals für einen. Bauplatz bezahlt wurde. Der Bau, welcher von Herrn Architekten Spieske ausgeführt wird, soll nächstes Frühjahr in Angriff genommen werden , . .“

In der Festschrift heißt es dann weiter: Die Friedenskirche wurde in der Fluchtlinie der Friedenssäule gebaut und das Predigerhaus in der Linie der Ofener Straße. Das schlichte Gotteshaus erhebt nicht den Anspruch, eine bauliche Attraktion zu sein, schätzt die Gemeinde den Neubau selbkritisch ein.

Bau ein Wagnis

Für die verhältnismäßig kleine Gemeinde war der Bau sowohl ein Wagnis als auch ein Unternehmen, das den Verantwortlichen alle Ehre macht. Zu gern hätte das ,,lokale Baukomitee“ der Gemeinde unter dem Vorsitz von Franz Klüsner die Errichtung des eingeplanten Turmes durchgesetzt. Leider brachte das ,,Konferenzbaukomitee“ als übergeordnete Instanz den Plan zu Fall. Nur eine zehn Meter hohe Dachhaube wurde genehmigt. Nach dem ursprünglichen Plan sollte ein 35 Meter hoher Turm gebaut werden. Die Baukosten hätten sich dadurch um 1500 Mark erhöht. Das Protokoll der Verhandlungen, das noch vorliegt, lässt deutlich erkennen, dass Franz Klüsner und dem örtlichen Bauausschuss diese Entscheidung nur schwer eingegangen ist. Im Gegensatz zur Klüsnerschen Traurigkeit freuten sich jedoch jene Kreise der Stadt, die befürchteten, dass ein Turm auf der Friedenskirche dem Ansehen der Friedenssäule abträglich sein würde. Eine Pressenotiz im Zusammenhang mit dem Bericht über die Grundsteinlegung spricht das so aus: ,, . . . somit ist die Sorge derer, welche befürchteten, dass ein großer Turm mit der Friedenssäule zu sehr in Konkurrenz treten würde, beseitigt.“

Bau einigen Dorn im Auge

Es mag für den Kämpfer Klüsner ein Trost gewesen sein, dass mit der Vereitelung seines Planes eine Betrübnis weniger in der Stadt angerichtet worden ist. Manchen Kreisen der Stadt war ohnehin der Bau der Friedenskirche an so hervorragendem Platz im aufstrebenden Oldenburg ein Dorn im Auge.

Die Kirche wurde am Reformationsfest 1894 geweiht. Drei Gottesdienste wurden an diesem Tage gehalten, und die Kirche war stets überfüllt. Die Gemeinde hatte ein würdiges Gotteshaus und konnte unter der Leitung ihres Predigers und seiner Nachfolger ihren Dienst zum Segen vieler erfüllen. In der Chronik heißt es weiter: „Freilich lagen die finanziellen Lasten schwer auf den Herzen der Verantwortlichen. Doch mit bewundernswerter Treue ist geopfert worden. Das ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, dass die Gemeinde ihre Kirche gebaut hat, um eine bessere Möglichkeit zu, haben, dem Herrn zu dienen. Dankbar empfand die Gemeinde, dass das neue Gotteshaus viele religiös völlig Gleichgültige anzog und unter der Predigt des Evangeliums das Wunder lebendigen Glaubens immer wieder Ereignis wurde. Unsere schlichte Kirche, die in beiden Weltkriegen unversehrt blieb, schmückt neuerdings, durch die hochherzige Spende eines ehemaligen Kindes der Gemeinde ein goldenes Kreuz. Das weithin sichtbare Zeichen mag dazu beitragen, dass das Anliegen der Gemeinde, den gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkündigen, in besonderer Weise unterstrichen wird.“

Die Methodisten-Gemeinde Oldenburg hat eine längere Geschichte. C.H. Doering war 1858 von der Kirchenleitung für den norddeutschen Raum nach Oldenburg geschickt worden, um dort zwei Jahre nach der ersten methodistischen Predigt in der Stadt den Glauben zu verankern. Räume fand er bei einem Schmied namens Hallerstede in der Kleinen Kirchenstraße. Er richtete sie schlicht für gottesdienstliche Zwecke ein und predigte dort später sonntäglich zweimal. Auf die erste freundliche Einladung zum Besuch der Versammlung hatte zunächst nur eine Zuhörerin reagiert – Ehefrau Nancy. Doch der Prediger, zugleich stellvertretender amerikanischer Generalkonsul, ließ nicht locker. Nach zwei Jahren gehörten immerhin elf Mitglieder zu seiner Gemeinde.

Zunächst kleine Räume

Die Räume in der Kleinen Kirchenstraße erwiesen sich schnell als zu klein. Mehrere Spender ermöglichten im Jahr 1865 den Bau eines neuen Gotteshauses im Neuen Weg, der heutigen Gottorpstraße. Platz bot es für 200 bis 250 Besucher.

Fast 30 Jahre diente dieses Haus der methodistischen Gemeinde als Versammlungsort, äußere und innere Erfordernisse ließen jedoch schon Mitte der 80er Jahre den Gedanken aufkommen, ein besseres Gotteshaus in günstiger Lage der Stadt zu errichten. Franz Klüsner hatte sich ein Denkmal gesetzt, das auch heute noch das Stadtbild prägt.

Mitte der 60er Jahre gab es Befürchtungen, die Friedenskirche müsse dem geplanten Ausbau der Ofener und Peterstraße weichen. 1969 entging sie nur knapp einer Katastrophe. Eine von einem Einbrecher im Bücherregal vergessene brennende Kerze hatte einen Brand ausgelöst, durch den lediglich ein Raum beschädigt wurde. Anfang der 70er Jahre begannen umfangreiche Umbauarbeiten, der Eingang wurde verlegt, ein Treppenhaus gebaut. 1994 beschloss die Stadt, den Turm der Kirche als Baudenkmal beleuchten zu lassen.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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