Oldenburg Ein triumphierender Attentäter, ein lebloser Körper auf dem Boden. Nur ein Foto in den Tageszeitungen und auf den Online-Plattformen, das aber viele Fragen aufwirft: Muss man dieses Motiv sehen, um die Nachricht eines Mordes zu verstehen? Muss man der Inszenierung des Killers auf den Leim gehen? Gibt es Grenzen in der öffentlichen Darstellung? Wo verlaufen die roten Linien im Bildjournalismus?

Antworten darauf versuchten Christian Firmbach, Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters, Prof. Dr. Rainer Stamm, Leiter Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, und NWZ-Chefredakteur Lars Reckermann am Dienstagabend vor rund 80 interessierten Gästen im Medienhaus an der Peterstraße zu geben. Krankheitsbedingt fehlte Kerstin Brandes, Direktorin des Instituts für Kunst und visuelle Kultur der Universität Oldenburg.

„Pressefotografen zeigen uns Orte und Momente, die wir sonst nie zu sehen bekämen. Ihre Aufnahmen sind nicht immer schön – aber das ist die Welt auch nicht“, sagte NWZ-Journalist Lars Reckermann.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Burhan Ozbilicis Bild von der Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei, das von der „World Press Foundation“ zum Siegerbild gekürt wurde, ist ein schreckliches, für viele aber auch ein enorm wichtiges. Einige Zeitungen haben es gedruckt, andere nicht – aus Respekt vor dem Opfer und auch, um dem Terror keine mediale Plattform zu bieten.

Die NWZ hatte „das starke Foto“ damals nach intensiver Diskussion in einen erklärenden Zusammenhang gestellt und das Agenturbild mit einem veränderten Ausschnitt veröffentlicht.

Bühnenmann Firmbach hätte sich bei diesem Motiv gegen eine Veröffentlichung als Theaterplakat ausgesprochen: „Die Szene wirkt ja fast wie eine Theaterpose.“

Kunsthistoriker Stamm dagegen hätte das Bild nicht verändert dargestellt. Schließlich sei es in dieser Form als preiswürdig ausgezeichnet worden. Zudem habe der Fotograf als Urheber ein Anrecht auf eine getreue Darstellung.

Einig waren sich die drei Bild-Experten, dass trotz der Authentizität der Fotos immer die Würde des Menschen und seiner Angehörigen gewahrt werden müsse.

Aber auch die Besucher der Veranstaltung kamen zu Wort. So kritisierte ein Gast aus Edewecht die Effekthascherei in vielen Medien. Ihnen gehe es allein um die Aufmerksamkeit. Ein anderer Zuschauer nahm den Faden auf, meinte aber auch, dies sei Teil des Geschäfts, die Neugier der Menschen zu befriedigen und Informationen zu geben.

Chefredakteur Reckermann beschrieb den Wandel in der öffentlichen Darstellung: „Wo früher nur ein Bild gezeigt wurde, setzen die Medienhäuser heute auf Bilderstrecken und Fotos mit 360-Grad-Sicht. Als Betrachter will ich ja auch wissen, was sich auf der anderen Seite abspielt.“ Dieser Trend sei nicht mehr umzukehren.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.